Noch vor dem ersten Rennen der DTM-Saison 2026 zeichnet sich ab, dass den Lamborghini-Topteams Abt Sportsline (Engstler/Mapelli) und GRT (Bortolotti/Paul) ein schwieriges Jahr bevorsteht. Am Freitag auf dem Red Bull Ring fuhren die vier neuen Lamborghini Temerario GT3 der Konkurrenz deutlich hinterher. Das Höchste der Gefühle war der zwölfte Platz von GRT-Rückkehrer Mirko Bortolotti im 3. Training am Nachmittag. Dem Ex-Champion fehlten üppige sechs Zehntelsekunden zu Spitzenreiter Tom Kalender (Landgraf-Mercedes).
Eklatant war der Rückstand im 2. Training am Mittag: In der höchst kurzfristig eingeschobenen Qualifying-Simulation landeten drei der vier Lambo-Piloten auf den letzten vier Positionen. Zwar sind die Rundenzeiten in den Trainings stets mit Vorsicht zu genießen - BoP-Spielchen lassen grüßen - doch der brandneue Temerario präsentiert derzeit sich eindeutig als schwächstes Auto im Feld der acht Marken.
Wie ausgereift ist der neue Lamborghini Temerario GT3?
"Das Auto ist von Lamborghini noch nicht ausentwickelt, die hätten eigentlich ein weiteres Jahr gebraucht", sagte ein erfahrener Szenekenner, der namentlich nicht genannt werden wollte, zu Motorsport-Magazin.com. Der Temerario GT3 ist der erste Rennwagen, den Lamborghinis Motorsportabteilung Squadra Corse komplett in Eigenregie entwickelt hat. Die Testphase begann erst im Sommer des vergangenen Jahres, seitdem haben die Italiener rund 15.000 Test-Kilometer zurückgelegt.
Auch um die Entwicklungsfahrten kümmerte sich die rund 35 Mann starke Squadra Corse komplett selbst statt auf die Unterstützung eines externen Einsatzteams zu setzen. Interessenten für diesen Job hätte es ausreichend gegeben. Die wenigen Kundenteams wie GRT, Abt Sportsline oder Pfaff in der IMSA-Serie wurden erst im Februar dieses Jahres ins Testprogramm involviert. Die Äbte erhielten ihren ersten Temerario für die DTM Anfang März, das zweite Fahrzeug wurde am Ende des Monats ausgeliefert.

Abt-Teamchef Thomas Biermaier: "Jammern hilft nicht"
"Uns fehlen einige Wochen, Lamborghini auch", bestätigte Abt-Teamchef Thomas Biermaier gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Aber die Entscheidung ist so gefallen. Jetzt müssen wir das Beste draus machen und hoffen, dass wir trotzdem einigermaßen mitfahren können. Jammern hilft da nicht."
Im Lager von GRT, das auf dem Red Bull Ring vor den Augen vieler Gäste sein Heimspiel bestreitet, klang das ähnlich. Es herrscht Ernüchterung angesichts der aktuellen Performance des Temerario, der den Huracan nach zehn Jahren abgelöst hat. "Es läuft noch nicht nach Plan", sagte Lambo-Experte und Teamchef Gottfried Grasser zu Motorsport-Magazin.com. "Wir sind dabei, uns auszusortieren. Wir bewegen uns mit dem Auto noch nicht im Fenster. Uns sind ein paar atypische Dinge aufgefallen, das Auto reagiert in bestimmten Situationen also noch nicht so wie es soll."
IMSA-Augenöffner: Huracan schlägt Temerario!
Der Temerario hat bei seinen bisher wenigen Rennen in der IMSA sowie in der GT World Challenge nichts gerissen. Ein Augenöffner war das vergangene IMSA-Wochenende in Long Beach, als der alte Lamborghini Huracan von Wayne Taylor Racing im Qualifying vor dem neuen Temerario der Pfaff-Mannschaft landete. Der V10-Vorgänger schlug seinen V8-Biturbo-Nachfolger um mehr als sechs Zehntelsekunden!
Dass die beiden Modelle überhaupt im gleichen Wettbewerb miteinander konkurrieren, ist eigentlich schon kurios genug. Es gibt aktuell aber noch zu wenige Fahrzeuge. Und in diesem Fall war es nicht die allerbeste Werbung für ein neues Luxusauto, das Lamborghini in der Serie an den Mann bringen will. Ein Straßen-Temerario mit Hybridantrieb und 920 PS Systemleistung schlägt mit mehr als 300.000 Euro zu Buche...
Neues Auto, neue Reifen: Abt und GRT im doppelten DTM-Stress
In der DTM sehen sich die Äbte und die GRT-Truppe neben der extrem kurzen Vorbereitungszeit mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: dem neuen Slickreifen von Pirelli, der dieses Jahr erstmals zum Einsatz kommt. Weil sich die Produktion der neuen Mischung lange hinzog, mussten die Teams bei ihren Privat-Tests mit Vorjahres-Reifen arbeiten. Das Abt-Team spulte dennoch drei private Testtage ab, obwohl sich die Performance für die DTM kaum akkurat einordnen lässt. "Am Anfang war es trotzdem wichtig, um das Auto erst mal kennenzulernen", erklärte Biermaier.
Nach den bisher ernüchternden Resultaten ruht die Hoffnung beim Saisonauftakt auf der Balance of Performance. Experten rechnen damit, dass die BoP vor dem ersten Qualifying des Jahres am Samstagmorgen (ab 09:40 Uhr im Liveticker und Livestream auf Motorsport-Magazin.com) noch einmal nachgeschärft wird - beim Gewicht oder auch der Fahrzeughöhe - um dem Temerario bessere Chancen einzuräumen.
"Ich bin aber nicht sicher, ob man alle anderen Autos so stark einbremsen kann, damit der Lambo mithalten kann", sagte uns eine Führungskraft eines anderen Herstellers im Fahrerlager. Trainings-Prognosen haben sich in der DTM schon häufig als falsch herausgestellt - würde am Red Bull Ring aber ein Temerario wirklich vorne mitmischen können, käme das nach diesen Einschätzungen schon einem kleinen Wunder gleich. Allgemeine Annahme: Für einen Top-10-Platz im Qualifying wird es unter normalen Umständen nicht reichen.
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