Die DTM-Saison startet mit neuen Reifen, neuen Autos und einem neuen Kommentator in die Saison 2026. Tobias Schimon übernahm heute zum ersten Mal das Zepter in der Kommentatoren-Kabine und löste damit DTM-Kultfigur Eddie Mielke ab. Wie Schimon die Rolle als Kommentator angeht und welche kuriosen Geschichten er bereits miterleben durfte? Motorsport-Magazin.com traf den Nürnberger am Red Bull Ring zum exklusiven Interview.

Wie hast du erfahren, dass du der DTM-Kommentator zur Saison 2026 wirst?
Tobias Schimon: Der Anruf kam zügig nach dem letztjährigen Saisonfinale. Das hat nur ein paar Tage gedauert. Da hat man mir gesagt: "Wir wollen eine Verjüngung auf der Position durchziehen." Das war natürlich mega-cool. Es hat mich total gefreut, das war ein riesiges Ding für mich. Mein erster Anruf direkt danach war bei Eddie Mielke, meinem Vorgänger. Wir arbeiten schon lange zusammen und ich habe ihm einfach unglaublich viel zu verdanken. Eddie sagte mir: "Ich gönne dir das, das ist ein cooler Schritt für dich." Das hat mich sehr gefreut und wir haben bis heute guten Kontakt.

Hat Eddie Mielke dir Tipps gegeben, wie du dich auf die DTM vorbereiten kannst?
Ich durfte die letzten acht Jahre mit ihm zusammenarbeiten. Ich habe ihm viel über die Schulter geguckt, er hat mir wirklich viel Input gegeben und mir auch Türen im Motorsport geöffnet. Als ich an seiner Stelle einmal die Formel E kommentiert habe, war er der Erste, der direkt danach angerufen und mir Feedback gegeben hat.

Du kommentierst nicht nur die DTM, sondern auch Formel E, Handball, Basketball und vieles mehr. Bereitest du dich unterschiedlich auf die Übertragungen vor?
Grundsätzlich ist es ziemlich ähnlich. Erst einmal alles lesen und versuchen, alles zu erfahren, was wichtig ist. Handball habe ich selbst gespielt - nicht nur auf 'Gurken-Niveau', sondern schon ordentlich. Ich war Trainer, Schiedsrichter, Spieler. Der Motorsport ist sehr speziell, denn jede Rennserie hat ihre Eigenheiten. Die Nuancen machen den Unterschied. Ein 24-Stunden-Rennen ist vom Reglement her ganz anders als in der DTM oder der Formel E. Ich lese mir immer das Reglement durch, von vorne bis hinten, um gerade auf Details zu achten. Die Teams machen das, also muss ich das als Kommentator am Ende auch können. 

Wie würdest du deinen Kommentarstil beschreiben?
Eine Mischung aus sportlicher Demut vor dem, was passiert, und Entertainment, da das Ganze auch keine Operation am offenen Herzen ist. Wir sorgen für Unterhaltung, aber wir sehen hier auch ernstzunehmenden Sport, der viel Geld kostet und der viele Fans hat, die emotional voll eintauchen wollen. Das kann schon mal ein Ritt auf der Rasierklinge sein.

Wie ist es für dich, mit verschiedenen DTM-Experten an deiner Seite zu arbeiten und eine Chemie zwischen euch zu erarbeiten?
Bei Rennfahrern ist es recht einfach. Die sind wie eine Familie und sprechen eine Sprache, die du schnell findest. Ich bin jetzt seit 2011 im DTM-Zirkus und kenne die meisten Fahrer gut. Deswegen war es hier am Red Bull Ring ein sanfter Einstieg für mich. Es gibt Experten, die etwas mehr Redeanteil einnehmen, andere ein bisschen weniger, die muss vielleicht ein bisschen kitzeln. Wichtig ist mir, dass es bei den Übertragungen wie ein natürliches Gespräch klingt, nicht wie ein Frage-Antwort-Spiel oder Interview. Da darf man sich auch mal gegenseitig korrigieren. Keiner ist unfehlbar. 

DTM-Kommentator Tobias Schimon
Schimon kommentiert viele Sportarten für ProSieben, Joyn und ran.de, Foto: IMAGO/wolf-sportfoto

Was war die größte Herausforderung deiner bisherigen Karriere?
Ich war schon einmal an dem Punkt, an dem ich gesagt habe: "Nein, ich lasse das, das funktioniert nicht." Das war witzigerweise am Red Bull Ring, vor vielen Jahren bei einem Rennen des  Audi Sport TT Cup. Ich saß in der Kommentatoren-Box mit Peter Kohl, dem Sport1-Komentator, der mir das Kommentieren beigebracht hat. Irgendwann hat er angefangen, eine Strichliste zu führen. Ich habe weiter kommentiert und dann sagte er: "Rate, wie oft du das Wort 'Bolide' verwendet hast." Ich hatte keine Ahnung. Fünf- bis sechs Mal? "80-mal, und das in einer halben Stunde!" Das hat mich getroffen wie der Blitz und auch ein wenig verschreckt. Aber Petzer hat gesagt: "Du kriegst das hin." Dann habe ich angefangen, mir selbst zuzuhören und immer weiter daran gearbeitet. Dass Peter damals hinter mir stand, hat mir sehr große Sicherheit gegeben. 

Dann gleich die Gegenfrage: Was war der beste Moment in deiner TV-Karriere?
Es war für mich sehr emotional, als ich letztes Jahr im Dezember unsere deutschen Handballfrauen ins Finale kommentieren durfte. Das war schon sehr außergewöhnlich. Ich durfte Olympisches Gold kommentieren im 3x3 Basketball, was auch sicher eines der Highlights war. Auf selber Ebene kam die DTM-Übertragung auf dem Norisring 2024, als ich Eddie Mielke ersetzt habe. Ich bin mit dieser Serie so lang verbunden und komme aus Nürnberg. Dann dieses Rennen kommentieren zu dürfen, war faszinierend. Auch von den Fahrern kam das Feedback, dass ich das Renngeschehen richtig eingeordnet habe. Das hat mich schon stolz gemacht. 

Was war der denkwürdigste Moment in deiner Laufbahn?
Für mich ein sehr emotionaler Moment war das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2023, bei dem Frikadelli Racing gewonnen hat und ich den Zieleinlauf mitkommentierten durfte. Kurz zuvor war ja leider Sabine Schmitz verstorben. Ich kannte Sabine persönlich und habe sie lange begleitet. Das bereitet mir heute noch Gänsehaut!

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