Das geht ja schon mal gut los kurz vor dem verspäteten WEC-Saisonstart in Imola (17.-19. April)... Eine der ersten Amtshandlungen von Bruno Famin, dem früheren Alpine-Motorsportchef und heutigem Wettbewerbs-Direktor des WEC- und Le-Mans-Veranstalters ACO: Ab sofort wird die Balance of Performance für die jeweiligen Rennwochenenden nicht mehr veröffentlicht!

Die WEC verheimlicht damit die sportlich so entscheidenden BoP-Daten in der Langstrecken-WM und lässt Medienvertreter wie Fans komplett außen vor. Es ist der nächste unwürdige Schritt in der Hoffnung des Veranstalters, die Balance of Performance einfach totschweigen zu können. Seit 2024 dürfen Fahrer und Teamchefs öffentlich schon nicht mehr über die BoP sprechen, ansonsten drohen harte Strafen.

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WEC lässt Fans und Presse komplett im Dunkeln

Ohne BoP-Tabelle ist kaum möglich, das sportliche Geschehen in der WEC korrekt und seriös einzuordnen. Hat ein Hersteller im Rennen einfach den besseren Job gemacht oder war stattdessen die BoP nicht ausgeglichen? Warum war eine Marke in einem Rennen stark und im nächsten dann nicht mehr? Ohne entsprechende Daten und Vergleiche zu vergangenen Saisons schwer bis unmöglich zu erklären.

Bruno Famin ist der Ansicht, dass die BoP-Daten für Außenstehende - also uns Medienvertreter und euch, die Fans - sowie nicht verständlich seien ohne dazu die Homologations-Parameter aller Autos vorliegen zu haben. Und die sollen aus Vertraulichkeitsgründen ebenfalls geheim bleiben.

Alpine-Motorsportchef Bruno Famin in der WEC
Früher bei Alpine, jetzt beim ACO: Bruno Famin, Foto: IMAGO/Panoramic by PsnewZ

Machen Sie lieber erst mal IHREN Job, Monsieur Famin

Famin sagte am Donnerstag in Imola während einer kleinen Runde mit Journalisten, die nach dem Test-Tag am Dienstag vor Ort geblieben waren: "Wir wollen jedes Missverständnis vermeiden. Wenn man seinen Lesern die Änderungen nicht im Detail erklärt, ist es extrem schwer zu verstehen."

Lieber Monsieur Famin, machen doch Sie erst mal ihre (neue) Arbeit richtig, bevor Sie allen anderen erklären wollen, was "extrem schwer zu verstehen" ist und was nicht! Damit sollten Sie ausreichend beschäftigt sein, denn die BoP war 2025 die reinste Katastrophe. Vier Ferrari-Siege in Folge zum Saisonstart, dazu der dritte aufeinanderfolgende Ferrari-Sieg in Le Mans. Muss man noch mehr sagen - oder wäre das etwa auch "extrem schwer zu verstehen"?

Geheimsache WEC: Totschweigen ist keine Lösung

Die Wahrheit hinter der jüngsten BoP-Verheimlichung in der WEC: Die Verantwortlichen haben Angst, dass öffentlich geführte Diskussionen über die Balance of Performance Überhand nehmen und das Geschehen auf der Strecke überstrahlen. Doch statt diesem tatsächlich hochkomplexen Thema mit Transparenz zu begegnen, soll lieber alles unter den Teppich gekehrt werden.

Dabei wünschen wir "viel Glück", denn wir Journalisten sind jetzt noch angespornter, herauszukriegen, welchen Einfluss die BoP wirklich auf ein Rennen hatte, um dann so seriös wie möglich darüber berichten zu können. Übrigens: Die DTM hatte 2021 eine ähnliche BoP-Geheimniskrämerei versucht, bis der damalige Chef Gerhard Berger auch wegen massivem Druck der Medien nach einer Weile zurückruderte.

WEC, oder auch: "Willkommen in der Sowjetunion"

Die BoP ist im heutigen Motorsport ein notwendiges Übel, damit die Kosten nicht ausufern. Das ist oftmals ärgerlich, haben aber alle mehr oder weniger akzeptiert. Wenn eine BoP-Serie wie die WEC die Angelegenheit dann aber einfach totzuschweigen versucht, wird es lächerlich und peinlich.

"Willkommen in der Sowjetunion", entgegnete mir einst hinter vorgehaltener Hand ein hochrangiger Motorsport-Manager auf die Frage zu seiner Meinung nach dem BoP-Maulkorb. Ich bin schon gespannt, wie er kurz vor dem Saisonstart am Wochenende in Imola auf die nächste BoP-Eskalationsstufe reagieren wird...

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