Die WEC startet nach der Katar-Verschiebung mit einiger Verspätung in die Saison 2026. Am kommenden Wochenende (17.-19. April) geht es endlich los in Imola mit dem ersten von acht Rennen dieses Jahr. Vor dem Auftakt in Italien beleuchten wir die größten Brennpunkte in der Langstrecken-WM 2026.
Brennpunkt 1: WEC will BoP totschweigen
Kurz vor dem Beginn des Wochenendes knallte es im Fahrerlager: Die WEC hat entschieden, ab sofort keine BoP-Tabellen mehr zu veröffentlichen. Es sei für Außenstehende - demnach Fans und Medien - extrem schwierig, die Daten ohne die dazugehörigen Homologations-Parameter aller Autos korrekt einzuordnen, meinte Bruno Famin, früherer Alpine-Motorsportchef und heutiger Wettbewerbs-Direktor des ACO.
Damit hat die WEC ihrer BoP-Geheimniskrämerei ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Schon seit 2024 ist es allen Teilnehmern per Reglement verboten, sich öffentlich zur Einstufung zu äußern. Nach welchem Schlüssel die stets streitbare BoP 2026 erstellt wird, bleibt ebenfalls geheim. Auch, ob es für Le Mans weiterhin eine BoP unabhängig von den vorherigen WEC-Rennen geben wird. Klar ist nur, dass der zusätzliche Erfolgsballast, der im Winter ins Reglement aufgenommen worden ist, dieses Jahr nicht zur Anwendung kommt.
Was unser Redakteur Robert Seiwert von der BoP-Geheimsache hält, könnt ihr in diesem Kommentar lesen:
Brennpunkt 2: Porsche weg - Wer soll Ferrari stoppen?
Ferrari räumte 2025 auf ganzer Linie in der WEC ab: WM-Titel in der Hersteller-, Fahrer- und Privatiers-Wertung, dazu der dritte aufeinanderfolgende Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Die Italiener legten auch beim Prolog-Test an diesem Dienstag in Imola wieder stark los: alle drei Ferrari an der Spitze, sowohl im Regen als auch bei trockenen Bedingungen. Vieles deutet auf den zweiten Imola-Sieg in Folge hin.
Wer soll Ferrari jetzt aufhalten? Mit Porsche hat sich der schärfste Gegner der vergangenen Jahre verabschiedet. Die Zuffenhausener gehen nur noch in der IMSA an den Start - und gewinnen dort weiter alles. Eine Hoffnung der verbliebenen WEC-Konkurrenz: Ferrari hat über den Winter erneut auf ein größeres Aero-Update verzichtet, während fast alle anderen Marken Joker investiert und nachgelegt haben. Auch beim Ferrari 499 P gibt es ein paar kleinere Anpassungen an der Aerodynamik, die für den Einsatz eines Jokers aber anscheinend nicht einflussreich genug waren.
Brennpunkt 3: Holt BMW endlich seinen ersten Sieg?
Gelingt BMW dieses Jahr der Durchbruch mit seinen beiden BMW M Hybrid V8 nach dem LMDh-Reglement? Der Autobauer aus München ist seit 2024 in der WEC am Start, hat aber erst zwei Podestplätze (Fuji 2024, Imola 2025) und noch keinen einzigen Sieg ergattert. Auch in der IMSA, wo sich BMW sogar schon seit 2023 werksseitig engagiert, war die deutsche Konkurrenz von Porsche bisher haushoch überlegen.
Es wäre dringend an der Zeit für ein großes Erfolgserlebnis, wenngleich sich BMW längerfristig zur WEC bekannt hat - im Gegensatz zu den Zuffenhausenern. Über den Winter haben die BMW-Ingenieure ein größeres Aero-Update samt kleinerer Niere gebracht und können sowohl in der WEC als auch in der IMSA parallel Erfahrung mit dem Paket sammeln. "Unser Ziel für die Saison lautet, regelmäßig um Podestplätze kämpfen zu können und Siege einzufahren", so BMW-Motorsportchef Andreas Roos.
In Imola teilen sich Rene Rast und Robin Frijns das #20 Auto, während sich Raffaele Marciello und Kevin Magnussen im Schwesterauto abwechseln. Ihre etatmäßigen Teamkollegen Sheldon van der Linde und Dries Vanthoor sind am Wochenende bei der IMSA in Long Beach unterwegs.

Brennpunkt 4: Vieles neu bei Toyota
Toyota will die wortwörtlich düstere WEC-Saison 2025 - nur ein einziger Sieg - vergessen machen und startet dieses Jahr mit zwei rot-weißen statt schwarz folierten Hypercars. Viel wichtiger ist aber das große Aero-Paket, mit dem die Japaner zurückschlagen wollen: Der Toyota TR010 Hybrid kommt mit einer komplett überarbeiteten Frontpartie und weiteren Änderungen. In Imola bestreitet Toyota sein 100. WEC-Rennen seit 2012 und hofft auf den 50. Sieg.
"Dieses Jahr haben wir große Erwartungen", sagt Kamui Kobayashi, Fahrer und Teamchef in Personalunion. "Das letzte Auto war schnell, hatte aber auch Einschränkungen. Vor allem, weil einigen unserer Konkurrenten Fortschritte bei der Performance gelungen sind. Deshalb freuen wir uns schon seit einer Weile auf das überarbeitete Auto."

Brennpunkt 5: Was ist für Genesis beim WEC-Debüt drin?
Genesis Magma Racing ist 2026 der einzige Neueinsteiger, bevor im Folgejahr mit McLaren und Ford zwei weitere Schwergewichte in die Hypercar-Klasse der WEC einsteigen werden. Die Marke Genesis ist hierzulande noch recht unbekannt, doch dahinter steckt echte Autobauer-Power, handelt es sich doch um die Edelmarke von Hyundai. Jenem Hersteller aus Korea, der für eine Weile auch mit einem Formel-1-Einstieg geliebäugelt hatte...
Genesis um Motorsportchef Cyril Abiteboul hatte wenig Zeit zur Vorbereitung, diese aber exzessiv genutzt: Seit August 2025 haben die beiden LMDh-Autos laut Herstellerangaben 25.000 Testkilometer abgespult! Mit seinem Fahrer-Lineup braucht sich der Neueinsteiger nicht zu verstecken: Der dreimalige Le-Mans-Sieger Andre Lotterer kam von Porsche und teilt sich das silberne #17 Auto mit Pipo Derani sowie Mathys Jaubert. Im schwarzen Schwester-GMR-001 wechseln sich Ex-Porsche-Fahrer Mathieu Jaminet, Verstappen-Kumpel Daniel Juncadella und Paul-Loup Chatin (kam von Alpine) ab.
Das Ziel beim ersten Rennen in Imola lautet demütig: ins Ziel kommen. Teamchef Abiteboul: "Als Neuling sind wir uns bewusst, dass wir zu Beginn der Saison noch nicht in der Lage sind, auf Leistung zu setzen. Stattdessen werden wir uns auf die Aspekte konzentrieren, die wir selbst beeinflussen können - nämlich Zuverlässigkeit garantieren und Abläufe optimieren -, und dafür sorgen, dass wir zunächst die kleinen Dinge richtig machen, bevor wir Leistung und Rennergebnisse erwarten können."

Brennpunkt 6: Wo sind die Stars im Starterfeld?
Das Starterfeld der 17 Hypercars von acht Herstellern ist gespickt mit Weltklasse-Rennfahrern. Dazu zählen die amtierenden WEC-Champions Antonio Giovinazzi, Alessandro Pier Guidi und James Calado (Ferrari) ebenso wie der viermalige Le-Mans-Sieger Sebastien Buemi (Toyota), der dreifache DTM-Meister Rene Rast (BMW) oder die Formel-E-Champions Stoffel Vandoorne (Peugeot) und Antonio Felix da Costa (Alpine) sowie natürlich der amtierende Le-Mans-Gewinner Robert Kubica (AF-Corse-Ferrari).
Dennoch: Ein paar ihrer größten Namen und obendrein Langstrecken-Leuchtturm Porsche hat die WEC im Winter verloren. Alpine folgt Ende 2026. Nicht mehr dabei sind der frühere Formel-1-Weltmeister Jenson Button (Profikarriere-Ende), MotoGP-Legende Valentino Rossi (fährt mit BMW lieber GT World Challenge statt LMGT3-WEC) und Mick Schumacher, der von Alpine in die IndyCar-Serie gewechselt ist. Dabei braucht die WEC genau diese berühmten Fahrer, um einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden - die Autohersteller alleine werden das nicht schaffen.
Du willst alle Breaking News und Hintergrund-Infos zur DTM, WEC, IndyCar, den 24-Stunden-Rennen und Co. bekommen? Dann abonniere jetzt unseren neuen und kostenlosen WhatsApp-Channel! Brandaktuelle News aus der Motorsport-Welt direkt auf dein Handy:



diese WEC Nachricht