Millionengrab Monza! Heftige Unfälle haben das zweite Rennwochenende des GT World Challenge Endurance Cup auf dem italienischen Kurs überschattet. Der dreistündige Lauf begann mit einer Massenkarambolage und endete nach einem schweren Crash in der Schlussphase vorzeitig hinter dem Safety Car.
Die gute Nachricht: Keiner der involvierten Piloten trug schwere Verletzungen davon. Die schlechte: nur 30 der 57 gestarteten GT3-Autos beendeten das Rennen in der Führungsrunde. 27 Fahrzeuge trugen größere oder kleinere Beschädigungen davon, was einen finanziellen Schaden von mehreren Millionen Euro für die diversen Kundenteams bedeutet.
GT World Challenge: Karambolage sogt für Millionenschaden
Allein sieben Autos riss die Start-Karambolage ins sofortige Aus, weitere Fahrzeuge erlitten Folgeschäden. Irre: Die Top-5 der Startaufstellung schafften es nicht durch die zweite Kurve! Zu den Opfern des Massen-Crashes zählten die von der Pole Position und P3 gestarteten Ford Mustang GT3 von HRT um Arjun Maini und Finn Wiebelhaus. Außerdem Ricardo Fellers Lionspeed-Porsche, Nicki Thiims Comtoyou-Aston-Martin, McLaren-Werksfahrer Marvin Kirchhöfer sowie ein AF-Corse-Ferrari.
Die Rennleitung machte Mercedes-AMG-Werksfahrer Maxime Martin verantwortlich für den Unfall und brummte dem Belgier eine deftige 3-Minuten-Zeitstrafe auf. Sein GetSpeed-Team zog den Mercedes-AMG GT3 später vorzeitig vom Rennen zurück. Martin kam beim Start von Platz elf zunächst rechts von der Strecke ab und scherte dann wieder ins Feld ein. Dabei kam er sich mit dem AF-Corse-Ferrari von Alessio Rovera ins Gehege, der nach links hin auswich und dadurch den Boutsen-VDS-Porsche von Gilles Magnus in die Mauer drückte.
Ferrari-Pilot Rovera schleuderte herum, traf den Aston Martin von Thiim sowie Kirchhöfers McLaren. Zusammen mit dem McLaren rauschte der Ferrari in der Schikane dann auch noch in das Führungstrio bestehend aus Polesetter Maini, Feller und Wiebelhaus.
Unfall-Verantwortlicher Martin: Kann Entscheidung nicht nachvollziehen
Martin, der vor wenigen Wochen das 24h-Rennen Nürburgring mit Winward-Mercedes gewann, konnte die Strafe kaum nachvollziehen: "Auch einen Tag später fällt es mir noch schwer, die Entscheidung vollständig nachzuvollziehen. Ich hatte einen sehr guten Start und war schneller als die Fahrzeuge vor mir. In dieser Situation musste ich ausweichen, genauso wie andere Fahrer auch. Dass das Verlassen der Strecke bestraft wird, kann ich grundsätzlich nachvollziehen - gerade in Monza werden solche Situationen sehr konsequent bewertet. Was es für mich schwierig macht, ist die Tatsache, dass es weder zu einem Kontakt mit einem anderen Fahrzeug noch zu einem Schaden an meinem Auto gekommen ist."
Weitere Fahrzeuge mit prominenter Besetzung sahen nicht die Zielflagge in einem zerfahrenen Rennen mit zahlreichen Vorfällen: darunter der WRT-BMW um Lokalmatador Valentino Rossi, der früh wegen eines Kupplungsschadens ausfiel, oder auch der Verstappen-Racing-Mercedes um Jules Gounon, Daniel Juncadella und Chris Lulham.
Überschlag-Unfall in Monza - Fahrer im Medical Center
Zu einem weiteren Schreckmoment kam es in der Schlussphase: Kelvin van der Linde traf mit seinem WRT-BMW den vorausfahrenden Pure-Rxcing-Porsche am Heck und schickte den Fahrer Alexey Nesov geradeaus in Richtung der ersten Schikane. Nesov räumte dort zunächst Sven Müllers Rutronik-Porsche sowie Ezequiel Perez Companc (Sainteloc-Audi) ab. Und damit noch nicht genug: Der Pure-Porsche überschlug sich und kegelte halb auf dem Dach rutschend auch noch den Winward-Mercedes von Marvin Dienst ab - der AMG-Fahrer belegte zu diesem Zeitpunkt den zweiten Platz.
"Ich möchte mich bei allen Fahrern entschuldigen, die in den Unfall involviert wurden", sagte van der Linde, der nachträglich eine 2-Minuten-Zeitstrafe kassierte. "Es war eine sehr unglückliche Situation. Ich habe den Bremspunkt in Kurve eins falsch eingeschätzt und versucht, einen Unfall zu vermeiden. Leider hatte ich ein anderes Auto auf meiner linken Seite und habe den Porsche getroffen, der dann ins Schleudern geraten ist. Das Ergebnis ist schlimm und etwas, das niemand sehen möchte. Es tut mir leid, was passiert ist, und ich bin froh, dass ich beide Fahrer nach dem Rennen im Medical Center sehen konnte und sie in Ordnung waren."
Irre: Silber-Cup-Audi von Attempto feiert Gesamtsieg
Und weil angesichts der Vielzahl an Ausfällen ja auch noch jemand das Rennen gewinnen musste, fiel die Wahl sehr überraschend auf den Audi R8 LMS GT3 von Tresor Attempto Racing, der 'nur' in der Silber-Kategorie eingeschrieben ist. Die relativ unbekannten Nachwuchspiloten Rocco Mazzola (20), Sebastian Ögaard (22) und Ariel Levi (25) hielten sich schadlos und bescherten Audi den ersten Endurance-Cup-Sieg seit 2022. Platz zwei ging an das starke Mercedes-Winward-Trio Maro Engel/Lucas Auer/Luca Stolz vor dem Silber-Cup-McLaren von CSA Racing (Baptiste Moulin/Romain Andriolo/Lorens Lecertua).



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