Wir haben gerade einmal zwei Formel-1-Rennen in der neuen Saison hinter uns und die Schlagzeilen überschlagen sich bereits: Ist Red Bull nur noch ein Mittelfeld-Team? Hat Max Verstappen seine Magie verloren? Müssen sich die Bullen in der Hackordnung jetzt sogar hinter Haas und Alpine anstellen? Experte Christian Danner analysiert die Situation.
Christian Danner: "Performance von Hadjar & Verstappen ist unterdurchschnittlich"
"Im Moment geht es in der Formel 1 immer noch drunter und drüber. Vom Start angefangen bis zum Rennen, da mischt sich alles noch ziemlich dramatisch durch", schickte der ehemalige Formel-1-Pilot voraus. Es sei aber ein Fakt, dass Red Bull im Vergleich zu den Testfahrten einen Schritt zurück gemacht hat. "Da haben sie einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen als das, was sie jetzt zeigen. Die Performance von [Isack] Hadjar und [Max] Verstappen ist für Red-Bull-Standards unterdurchschnittlich", urteilte der Experte im AvD-Motorsport-Magazin.
Der derzeitige WM-Stand spricht für sich: Verstappen kommt nach einem sechsten Platz in Melbourne, einem punktelosen Sprint sowie einem Ausfall in China nur auf P8, hinter Oliver Bearman und Pierre Gasly. Isack Hadjar schafft es mit nur einem achten Platz in Shanghai nicht unter die Top-10. Warum die Leistung des Bullen-Teams so durchhängt, ist für Danner ein Mysterium: "Es ist wahnsinnig schwer zu beurteilen. Ist es das Energiemanagement? Ist es die Aerodynamik? Oder ist es die Art, wie man mit den Reifen umgeht? All diese Dinge sind nach wie vor wichtig."
Die Probleme zu beheben, müsse jetzt oberste Priorität des Teams sein. "Nach den beiden Rennen wird man in Milton Keynes ein Resümee ziehen. Wo hakt es? Das lässt sich anhand der Daten gut analysieren und dort muss angesetzt werden. Man sieht, wo die Konkurrenz schneller ist", so Danner. Die Probleme könnten sowohl auf Chassis- wie auch auf Motorenseite liegen. Dass Red Bull die Kurve kratzen kann, ist der Experte überzeugt: "Es gibt schon viel zu tun. Aber ich nehme an, dass man in der Lage ist, zu reagieren."
Christian Danner zweifelt an Audi: Verzerrt schlechte Konkurrenz das Bild?
Ein anderes Team, das versucht, sich im Mittelfeld zu behaupten, ist Audi. Der Formel-1-Neueinsteiger konnte bisher nur mit jeweils einem Auto ins Rennen gehen, technische Probleme verhinderten den Start von Nico Hülkenberg in Australien und von Gabriel Bortoleto in China. Dennoch ist der generelle Konsens um den Saisonstart des deutschen Teams positiv, beim Debüt in Melbourne nahm Bortoleto zwei Punkte mit.
Danner lässt sich aber nicht in die Irre führen. "Wenn wir die Euphorie um Audi als deutscher Hersteller einmal ad acta legen und ganz nüchtern draufschauen, dann sind wir in einer Situation, in der man besser aussieht, als man ist", lautete das Urteil des Deutschen. "Wenn man nur ein Auto an den Start bringt, hat man schon ein massives technisches Problem." Der Automobilhersteller aus Ingolstadt übernahm mit Jahresbeginn den Schweizer Rennstall Sauber und tritt beim F1-Einstieg direkt mit einem eigenen Motor an. Dass darin ihr größter Rückstand liegt, haben sie bereits selbst zugegeben.
Die vier Ringe hätten aber Glück im Unglück: Die Teams in ihrer Umgebung stehen noch viel schlechter dar. Aston Martin, die im Normalfall vor Audi fahren würden, sind ein totales Destaster und konnten noch keine gesamte Renndistanz fahren. Auch Williams, die 2025 das Mittelfeld anführten, sind bisher weit unter den Erwartungen und Versprechungen von Teamchef Vowles geblieben. Im direkten Vergleich wirkt Audi besser.
Die Situation kann aber schnell kippen, wenn die Konkurrenz Fuß fasst und das Entwicklungsrennen beginnt. "Bei einem neuen Team ist das mit einem Fragezeichen behaftet. Ist Hinwil [Standort des Sauber-Werks, Anm. d. Red.] in der Lage, so schnell zu reagieren, wie sie müssen? Ist Neuburg an der Donau [Standort der Motorenfabrik von Audi] in der Lage, die existierenden Power-Unit-Probleme auf die Schnelle während der Saison zu lösen? Das sind alles Dinge, die muss man erstmal gemacht haben", warnt Danner.
Eigentlich hätte Christian Danner beim China GP für RTL als Kommentator im Einsatz sein sollen. Doch dann wurde das Rennen aus Shanghai gar nicht im deutschen Free-TV übertragen! Der Grund dafür soll eine Blockade der österreichischen Sender ORF und ServusTV sein. Was sich hinter den TV-Kulissen zutragen soll, erfahrt ihr hier:



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