Für Max Verstappen wurde der Große Preis von China am Sonntag zum erwarteten Desaster. Mehr als das sogar: Der vierfache Formel-1-Weltmeister schied aus, nachdem er schon zuvor im Rennverlauf mit stumpfen Waffen im Mittelfeld kämpfte und selbst dem Haas von Oliver Bearman unterlegen war - wie schon im Sprint.

Auch der Start verkam genauso wie im Sprint zu einer mittleren Katastrophe, als der amtierende Vize-Weltmeister beim Erlöschen der Lichter keine Leistung zur Verfügung hatte und nicht wegkam. Nur das Doppel-Aus der beiden McLarens ließ ihn lange auf den schwachen Trost eines sechsten Platzes hoffen. Doch aufgrund eines Kühlungsproblems, das Verstappen aus dem Rennen warf, wurde ihm selbst dieser verwehrt.

Red-Bull-Fahrer ätzt nach Katastrophenrennen gegen neue Formel-1-Autos

Nach dem Rennen sah sich der Niederländer deshalb in erster Linie bestätigt in den Aussagen, die er nach dem Sprint-Qualifying, dem Sprint und dem Qualifying getroffen hatte, und fügte diesen nicht sehr viel hinzu. "Es lief wie erwartet. Erneut war der Start ein großes Problem. Der Rest des Rennens war gleich wie gestern: Viel Graining, ich kann nicht pushen. Schreckliche Pace, schreckliche Balance", zählte er auf.

Bei dieser Aufzählung wirkte der Niederländer gefasst, richtig emotional wurde er allerdings, als er erneut auf sein 'Lieblingsthema' zu sprechen kam: Die neue Formel-1-Generation und das Racing in dieser. In Bezug darauf glaubt der 71-fache Grand-Prix-Sieger auch in China keine Besserung zu seiner vernichtenden Kritik der Vorwoche ausgemacht zu haben. Nach Melbourne hatte er es als zu künstlich kritisiert.

"Es ist schrecklich", untermauerte Verstappen seine Kritik in China. "Vielleicht gefällt das einigen Fans, aber diese verstehen Racing nicht", schimpfte er. In Melbourne waren viele andere Piloten ebenfalls dieser Meinung gewesen, aber ob der Tonus nach dem Rennen auf dem Shanghai International Circuit immer noch so ausfällt, erscheint alles andere als sicher.

Max Verstappen glaubt: Echte Formel-1-Fans mögen dieses Racing nicht

Denn im Grand Prix war es zuvor zu einer Reihe an Zweikämpfen gekommen, die eben nicht zu einem reinen Vorbeifahren auf der Geraden mutierten, sondern auf der Bremse oder in den Kurven geführt und entschieden wurden. Allen voran ein lange anhaltendes Duell zwischen den beiden Ferrari-Piloten. Von diesem bekam Verstappen aus seiner Position kaum etwas mit. Er war allerdings seinerseits in einen Kampf mit den Haas- und Alpine-Fahrern verwickelt.

Gefallen hat ihm dieser offenbar nicht. "Es macht überhaupt keinen Spaß. Es ist wie Mario Kart", wiederholte er seine Kritik der vergangenen Woche. Damit spielte er erneut auf die überbordende Bedeutung der Batterieleistung an. "Schaut euch das Racing an. Wir boosten einfach an jemandem vorbei und dann, wenn man auf der nächsten Geraden keine Batterie mehr hat, dann boostet sich der andere wieder an dir vorbei. Das ist einfach nur ein Witz", ätzte der Red-Bull-Pilot.

"Ich spreche für den Großteil der Fahrer", ist Verstappen überzeugt. "Einige werden natürlich sagen, dass es großartig ist, weil sie Rennen gewinnen. Das ist durchaus fair, denn wer will schon einen Vorsprung aufgeben, wenn er einen hat. Aber wenn man mit den meisten Fahrern spricht, dann hört man, dass sie das nicht mögen und ich denke nicht, dass es etwas ist, was echte Formel-1-Fans mögen."

"Das kann den Sport ruinieren", ist Verstappen überzeugt

Das Argument, dass die neue Art des Rennfahrens in der Formel 1 eine breitere Masse an Zuschauern anspricht, und deshalb kommerziell durchaus Rückendeckung genießt, will Verstappen nicht gelten lassen. "Ich hoffe, dass sie [die kommerziellen Rechteinhaber] nicht so denken, denn das wird irgendwann den Sport ruinieren. Das wird ihnen noch auf die Füße fallen", prognostiziert der GT3-Rennstallbesitzer.

"Hoffentlich können wir das so bald wie möglich loswerden", wünschte sich Verstappen für die aktuelle Art des Racings. Kurzfristig wird sich am Racing in der Formel 1 wohl kaum etwas ändern. Die Möglichkeit einer schnellen Regeladjustierung noch vor dem Japan-GP, welche man sich seit dem Beginn des Regelzyklus offengelassen hatte, wurde laut Informationen von 'The Race' nicht gezogen.

Auch darüber hinaus wird es schwierig werden, alle Formel-1-Teams und -Fahrer auf eine Linie zu bekommen, ist sich Verstappen im Klaren: "Es muss nicht jeder zustimmen, aber die meisten müssen einer Meinung sein, um Änderungen zu veranlassen."

"Einige Leute spüren, dass sie im Moment den Vorteil auf ihrer Seite haben und wollen diesen natürlich nutzen. Das verstehe ich, ich bin nicht dumm", geht Verstappen von einem politischen Spiel aus. "Aber gleichzeitig, wenn man sich das aus der Perspektive des Sports anschaut, dann ist das einfach nicht gut", so der 28-Jährige.

Verstappen spielt damit auf Fahrer wie George Russell an, der mit dem Mercedes im besten Auto sitzt und sich als Freund des neuen Reglements zeigt. Der Brite sah im heutigen Rennen den Beweis, dass das Racing mit den neuen Autos sehr spektakulär sein kann - und zwar direkt vor sich in Form der sich duellierenden Ferraris. Mehr dazu hier: