Red Bull ist es gewohnt, an der Spitze der Formel 1 zu kämpfen. In der Ground-Effect-Ära gewann der Rennstall viermal in Folge den Fahrertitel. Auch in den Jahren zuvor (2010–2013) dominierte das Team aus Milton Keynes.

2026 muss sich Red Bull jedoch mit einer harten neuen Realität auseinandersetzen: Während Mercedes an der Spitze seine Kreise zieht, findet sich Red Bull Racing plötzlich kämpfend im Mittelfeld wieder. Motorsport-Magazin.com begibt sich auf Ursachenforschung.

Hauseigener Motor nicht das größte Problem

Es gab durchaus einige, die im Vorfeld ihre Skepsis an Red Bulls Konkurrenzfähigkeit äußerten. Allerdings beruhte diese auf der Tatsache, dass man 2026 erstmals mit einem eigenen Motor an den Start geht. Doch die motorenbedingten Zuverlässigkeitsprobleme, die Isack Hadjar in Australien und Max Verstappen in China stoppten, fallen angesichts dessen, dass es Red Bull Powertrains erst seit 2021 gibt, nicht in die Kategorie "Problemfall".

"Es wäre naiv gewesen zu erwarten, dass wir keine Zuverlässigkeitsprobleme bekommen würden", betont Laurent Mekies. Auch wenn die DM01, benannt nach Dietrich Mateschitz, nicht mit den Aggregaten von Mercedes und Ferrari mithalten kann, so hat Red Bull Powertrains eine solide Basis geschaffen. "Der Motor ist sicher nicht unser größtes Problem. Wir sind nicht wie Mercedes. Die sind superstark. Aber ich denke, unser Energie-Einsatz ist gut", so Verstappen.

Die größte Baustelle ist der Start – vor allem beim Niederländer. In Shanghai lag er im Sprint nach der ersten Kurve auf Platz 20, im Rennen auf Rang 16. "Ich habe einfach keine Leistung. Sobald ich die Kupplung loslasse, ist der Motor nicht da." Noch beunruhigender als die Startprobleme ist die Charakteristik des Autos, die sich von einer Session zur nächsten oder sogar von einer Runde zur nächsten verändert.

Christian Danner zu Red Bull: Das geht in Richtung unfahrbar (02:31 Min.)

Verstappen klagt über unfahrbares Auto

Besonders in schnellen Kurven verliert der RB22 oft plötzlich die Stabilität auf der Hinterachse – ein Verhalten, das es den Fahrern erschwert, Vertrauen aufzubauen. "Du bekommst kein Gefühl, keine Konstanz, du kannst keine Kurve attackieren", klagt Verstappen. In Shanghai kämpfte Verstappen in langen Kurven wie Turn 1 sowie den Kurven 12 und 13 mit starkem Untersteuern. In den technisch langsamen Kurven im ersten und zweiten Sektor bekam er seinen RB22 nicht richtig zum Einlenken und musste nahezu mit vollem Lenkeinschlag fahren, um die Fahrzeugfront in die Kurve zu bringen.

Ein bockiges Auto am Freitag ist für Max Verstappen nichts Neues, doch in der Vergangenheit war Red Bull in der Lage, über ein Grand-Prix-Wochenende hinweg zwischen Training und Qualifying zusätzliche Performance freizusetzen. Doch dieses Ass scheint man nicht mehr im Ärmel zu haben. Die Aussagen der Fahrer lassen darauf schließen, dass die Ursache nicht im Setup liegt, sondern es ein grundlegendes Problem im Fahrzeug gibt. "Wir machen Anpassungen - und das Auto reagiert nicht so, wie es sollte", verriet Verstappen.

Das Ergebnis ist ein unberechenbares Auto, das zwischen extremem Unter- und Übersteuern schwankt. Das wiederum verstärkt auch den Reifenabbau. "Wir haben starkes Graining, wahrscheinlich mehr als die Fahrer um uns herum. Das ist definitiv etwas, das wir lösen müssen", betonte Verstappen nach dem China GP. Als wäre die Liste an Problemen damit nicht schon lang genug, kommt auch noch Verstappens Groll über das neue Reglement hinzu.

Vollblutrennfahrer mutieren plötzlich zu Energie-Managern - so lautet seine Kritik an den neuen Antrieben, die fast 50 Prozent ihrer Leistung aus den Batterien beziehen und immer wieder geladen werden müssen. Weil er dem aktuellen E-Power-Schachspiel nichts abgewinnen kann, denkt er sogar offen über einen Abschied aus der Königsklasse nach. Mehr dazu hier: