"Ich hatte viel Spaß auf der Strecke." Mit einem breiten Grinsen trat Lewis Hamilton nach dem Sprint-Qualifying in Kanada vor die wartende Presse. Auf dem Circuit Gilles Villeneuve - einer Strecke, auf der er 2007 seinen ersten Formel 1-Sieg holte und weitere sechsmal ganz oben auf dem Treppchen stand - zeigte sich der Hamilton in Hochform.
In SQ1 setzte Hamilton in 1:13,889 Minuten die absolute Bestzeit, in SQ2 war nur sein ehemaliger Mercedes-Teamkollege George Russell schneller. Doch als es im entscheidenden SQ3 auf die Soft-Reifen ging, konnte er seine Performance nicht ganz wiederholen. "SQ1 und SQ2 liefen gut. Ich weiß nicht, warum die anderen es geschafft haben, den Motor in SQ3 etwas mehr auf Touren zu bringen, aber ich bin einfach froh, im Kampf dabei zu sein", bilanzierte Hamilton.
Wie unsere Telemetrie-Grafik zeigt, startete der Brite stark in seinen zweiten Run, besonders ausgangs der Kurven 1 und 2. Er verlor jedoch deutlich Zeit auf den Geraden im mittleren Sektor sowie in der langsamen Haarnadelkurve (Turn 10).
Hamilton setzt auf ein völlig neues Setup
Am Ende landete Hamilton auf dem fünften Rang, knapp hinter dem McLaren-Duo, aber vor seinem Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc. "Das war wahrscheinlich das beste Qualifying der letzten Zeit. Das Auto war schon seit dem Freien Training fantastisch", schwärmte Hamilton, der sich eine gewisse Genugtuung nicht verkneifen konnte. Einen Tag zuvor hatte er in der offiziellen FIA-Pressekonferenz klargestellt, in der Vorbereitung auf Montreal komplett auf Simulator-Arbeit verzichtet zu haben: "Ich habe entschieden, diesmal auszusetzen und mich rein auf die Daten zu fokussieren."
Eine Entscheidung, die Früchte trug. "Ich glaube, das war mein bestes Gefühl des ganzen Jahres. Das ist der richtige Weg für mich", beteuerte Hamilton nach dem Sprint-Qualifying. Statt auf den Simulator konzentriert er sich lieber auf die Analyse der Daten. "Das war so viel hilfreicher, dass ich mich so aufs Trainieren fokussieren konnte, nicht abgelenkt wurde, und dann im Detail Fahrkomfort, Kurvenbalance und mechanische Balance durchgehen konnte. Ich habe ein Setup gewählt, das wir noch nie hatten, und es hat das Auto verwandelt."
Im Top-Speed-Vergleich mit Russell zeigt sich zudem, dass beide Ferrari-Piloten auf den Geraden das Nachsehen hatten:
Sprint-Qualifying Kanada: Frust bei Leclerc
Auf der anderen Seite der Ferrari-Garage fiel die Stimmung nach Startplatz sechs deutlich gedämpfter aus. Leclerc kämpfte in Kanada mit den Tücken des SF-26: "Ich fühle mich überhaupt nicht wohl im Auto. Ich habe aus irgendeinem Grund wirklich massive Probleme mit den Bremsen. Dem müssen wir dringend nachgehen." Andernfalls droht dem Monegassen ein mühsames Rennwochenende - immerhin verlangt der Circuit Gilles Villeneuve den Bremsen alles ab.
"Das ist im Moment mein Hauptproblem, denn beim Anbremsen fahre ich in die Kurve und hoffe einfach nur, dass ich nicht geradeaus fahre", gestand Leclerc, der sich auf seinem letzten SQ3-Versuch beinahe in der berüchtigten "Wall of Champions" verewigt hätte. Trotz des stumpfen Werkzeugs fehlte ihm als Sechster weniger als eine Zehntelsekunde auf Hamilton.
Während Max Verstappen die neuen Motoren-Pläne für 2027 feiert, entbrennt hinter den Kulissen ein brutaler Polit-Krimi zwischen den Teams und der FIA.



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