Beim letzten Formel-1-Wochenende in Miami ging Lewis Hamilton hart mit dem Simulator von Ferrari ins Gericht. Nachdem er bis zum Samstag benötigte, um sein Setup ins richtige Fenster zu bekommen, gab er diesem die Schuld dafür. "Ich denke der Simulator schickt mich in die falsche Richtung", so sein Urteil. Gefolgt von dem Nachsatz: "Vielleicht höre ich ab jetzt damit auf."

Gesagt, getan. Denn vor dem Rennwochenende in Kanada-GP gab der Ferrari-Fahrer zu Protokoll, dass er tatsächlich den Simulator in den letzten fast drei Wochen seit dem letzten Grand Prix links liegen gelassen hatte. "Nein, ich habe den Simulator nicht benutzt", stellte er unmissverständlich klar. "Ich habe entschieden, diesmal auszusitzen und mich auf die Daten zu fokussieren."

Lewis Hamiltons Vorbereitung: Datenanalyse statt Sim-Runden

'Die Daten' sind in diesem Fall Dinge wie die Kurvenbalance, die mechanische Balance, die Linienwahl an der Kurveneinfahrt, die Bremsbalance oder Ähnliches. Ganz konkret nannte er auch die Bremsen, die "schon länger ein Problem für mich waren", so Hamilton. Stellschrauben, welche die meisten Fahrer im Simulator austesten. Für Hamilton sollen nun die Daten reichen.

Schon länger hatte er das Gefühl, dass die Arbeit im Simulator nicht die gewünschten Früchte trägt. "Letztes Jahr habe ich ihn jede Woche benutzt und häufiger als nicht hatte ich das Gefühl, dass man die ganze Arbeit im Simulator reinsteckt, ein Setup findet, das sich gut anfühlt, und dann kommt man an die Strecke und alles ist das Gegenteil", erinnert er sich.

Dabei geht es nicht nur um das Setup an sich, sondern direkt verbunden damit auch um das Fahrgefühl im Auto. "Dann muss man die Dinge, die man gelernt hat, wieder rückgängig machen. Einige Arten, wie man die Kurven anfährt, wie man schaltet oder Anpassungen vornimmt", beschreibt der Rekord-Weltmeister dieses Ärgernis.

Sowas geht im Alter verloren! Danner über Hamiltons Schwäche (04:38 Min.)

Demnach ist es ein Glücksspiel, ob das Setup aus dem Simulator auch tatsächlich mit der Strecke korreliert: "Das Setup, das sich im Simulator gut angefühlt hat, ist manchmal nicht dasselbe wie auf der Strecke, manchmal hingegen schon."

Lewis Hamilton: Simulator-Kritik nicht (nur) an Ferrari gerichtet

Doch Hamilton ist es wichtig zu betonen, dass all diese Feststellungen keine Kritik am Ferrari-Simulator sind. "Die Sim ist unglaublich. Es ist ein toller Platz zum Arbeiten. Es ist der beste Simulator, den ich je gesehen habe und ich arbeite dort mit den besten Leuten. Ein Tag im Simulator ist also unglaublich", streute er der Belegschaft im Simulator von Maranello Rosen.

Vielmehr beziehe sich seine Kritik auf Effekte, welche bei allen Simulatoren von Formel-1-Teams auftreten. Was erst recht ein Grund ist, warum er nicht sonderlich gerne Zeit in diesen verbringt. "Es sind lange Tage, in denen man viele Runden fährt. Es gibt einen Punkt, bei mir jedenfalls, an dem man aufhört, etwas zu lernen, wenn man viele Runden fährt", so Hamilton.

Seine Skepsis gegenüber Simulatoren passt ins Bild. Denn der Brite ist ohnehin bekannt dafür, dass er nur ungern an Testfahrten teilnimmt. Entsprechend hatte er auch in der erfolgreichsten Zeit seiner Karriere den Simulator links liegen gelassen. "Als ich zu Mercedes gekommen bin, lagen sie mit dem Simulator weit zurück. Während all den Weltmeisterschaften, die ich gewonnen habe, habe ich ihn nicht benutzt", erinnerte er sich an seinen ehemaligen Arbeitgeber. "Erst 2020 oder vielleicht 2021 nutzte ich ihn ein bisschen mehr", so Hamilton.

In seiner Anfangszeit bei McLaren sei das noch anders gewesen, obwohl damals die Simulations-Technologie verglichen mit der heutigen Zeit noch viel rückständiger war. Die Erfolge bei der Setup-Arbeit hielten sich damals wie heute in Grenzen. "In diesen 20 Jahren [in der Formel 1] habe ich nur einmal exakt das Setup, das ich in der Sim benutzt habe, im Qualifying benutzt und mich damit auf der Pole qualifiziert. Das war Singapur 2012, glaube ich", denkt der Rekord-Polesetter der Formel 1 zurück, der in seiner Karriere immerhin 104-mal von der ersten Startposition losgefahren ist.

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