Max Verstappen und die neuen Formel-1-Autos werden keine Freunde, das ist schon lange klar. Nach seinem Desaster-Wochenende in China nahm er kein Blatt vor den Mund und schlug erneut verbal auf die halbelektrische Autogeneration ein. Wem das gefällt, der verstehe Racing nicht, schoss er gegen Liebhaber des neuen Reglements. Einer davon ist Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der dem vierfachen Weltmeister nun Konter gibt.
Wolff ist wohl der größte Profiteur der neuen Regeln. Mercedes startete von allen Teams am besten in die Saison: Sie belegten bei beiden bisherigen Rennen den ersten und zweiten Platz, holten den Sprint-Sieg sowie alle Pole Positions. Dazu waren die Silberpfeile nur in zwei von vier Trainings nicht die Schnellsten im Feld. Hingegen musste sich Verstappen mit einem schwierigen Red Bull an der Spitze des Mittelfelds behaupten. Bevor er beim China GP wegen eines Motorproblems abstellte, war er kein Match für den Haas von Oliver Bearman.
"Max ist wirklich in einer Horror-Show. Wenn man sich seine Onboard-Aufnahmen vom Qualifying ansieht, merkt man, dass es [der RB22, Anm. d. Red.] abscheulich zu fahren ist", zeigte sich der Mercedes-Teamchef verständnisvoll für Verstappens Unmut gegenüber den neuen Boliden. Aber Red Bull sei eine Ausnahme: "Bei vielen anderen Teams ist das nicht der Fall."
Toto Wolff: Alle Demografien mögen neue Formel 1!
Das beste Beispiel dafür, dass es in der neuen Formel 1 noch spannendes Racing gibt, war das spektakuläre Ferrari-Duell in Shanghai, bei dem teils auch George Russell mitmischte. "Das war tolles Racing, viele Überholmanöver. Wir waren alle ein Teil der Formel 1, als es gar keine Überholmanöver gab. Wir sind oft nostalgisch für die guten alten Zeiten, aber ich glaube, das jetzige Produkt ist gut. Wir haben auch viele Kämpfe im Mittelfeld gesehen und das ist sehr positiv", verteidigte Wolff.
Nicht nur er hätte sich in China gut unterhalten gefühlt: "Wenn du dir die Fans und ihre Begeisterung vor Ort ansiehst, der Jubel, wenn es ein Überholmanöver gibt. Auch auf Social Media, bei den jüngeren Fans. Die überwiegende Mehrheit aller Demografien mag den Sport derzeit." Man könne sich immer über Verbesserungen unterhalten, aber: "Alle Indikatoren und Daten sagen, dass die Leute es lieben."
Dass die Stimmung unter den Fans positiv ist, habe auch Formel-1-CEO Stefano Domenicali gegenüber Wolff bestätigt. Aber dass der Chef der Königsklasse und der größte Nutznießer der Regeländerung ein Interesse daran haben, alle Kritiken gutzureden, ist kein Wunder. Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner fand den China GP ebenfalls vergnüglich, hat aber Verständnis für Verstappens Kritik. Was er dem Red-Bull-Piloten rät, könnt ihr hier lesen:
Toto Wolff rät Verstappen, Formel 1 vor dem Fernseher zu schauen
Doch bei all dem Schönwetter kann Wolff den Frust aus Fahrerperspektive nachvollziehen: "Wenn es zu 'Alles oder Nichts'-Qualifying-Runden kommt, ist das anders. Im Qualifying gibt es deutlich Lift and Coast, Vollgas wäre natürlich besser. Ich bin mir sicher, dass das für jemanden wie Max, der ein voller Angreifer ist, schwer verdaulich ist." Genau dieses Problem beschrieb schon Charles Leclerc, einer der Top-Qualifying-Piloten im Feld. Bis zum letzten Bremspunkt zu fahren, lohnt sich in der heutigen Formel 1 mit dem sensiblen Energie-Management nicht mehr.
"Das Auto zu fahren, ist für manche Piloten nicht das angenehmste", versteht auch Wolff. Aber das sei natürlich auch davon abhängig, in welchem Boliden der Fahrer sitzt. "Es ist ein Auto-spezifisches Problem, das die ganze Situation noch verschlimmert", macht der Mercedes-Teamchef auch den RB22 verantwortlich für Verstappens schlechte Stimmung. Er ist sich sicher: "Würde Max vor einem Fernseher sitzen, würde sogar er sagen, dass das Racing an der Spitze sehr interessant war."
Bei Verstappens lautem Unmut ist es gar nicht abwegig, dass er sich die Formel 1 bald von der Couch aus ansieht. Mehrmals legte er einen Rücktritt aus der Königsklasse nahe. Schließlich ist er noch an anderen Serien interessiert – wie zum Beispiel den GT3-Rennen auf dem Nordschleife. Der Niederländer gab seine Teilnahme bei den legendären 24h Nürburgring vor wenigen Tagen bekannt, bereits dieses Wochenende nimmt der Niederländer zur Vorbereitung an einem Lauf der NLS teil.



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