Max Verstappen kann sich mit dem neuen Reglement nicht anfreunden. Dies lässt er der Formel-1-Welt durch regelmäßige Schimpftiraden an den Rennwochenenden spüren. Nach seinem Ausfall im China GP bezeichnete er das Racing in der neuen Ära abermals als schlechten Witz. F1-Experte Christian Danner warnt davor, Verstappens Kritik zu ignorieren.

"Diesen Frust muss man schon verstehen und man muss ihn ernst nehmen, denn einfach so wird er das nicht schlucken", ist sich der Experte sicher. "Er ist ein Kämpfer. Und das ist das, was viele da draußen nicht verstehen. Es ist ja nicht so, dass er jetzt zum Jammerlappen mutiert, sondern er kämpft für seinen Sport."

Danner: Max Verstappen muss aktiv werden!

Die Verantwortlichkeit, mögliche Änderungen einzuleiten, sieht Danner allerdings nicht primär bei der FIA oder der Formel 1, sondern bei Verstappen selbst. "Warum es ihm nicht gefällt, hat er explizit erklärt. Jetzt muss er mit dem Präsidenten der FIA und mit Stefano Domenicali in den direkten Austausch gehen", schlägt der ehemalige Formel-1-Pilot vor. "Direkt sprechen und sagen: Leute wir haben ein Problem."

Doch hat die Formel 1 wirklich ein Problem? Nach außen wirken die Rennen unter dem neuen Reglement durchaus unterhaltsam, auch weil es mehr Überholmanöver zu geben scheint. Charles Leclerc funkte noch während des Rennens in China an seinen Renningenieur, dass er das Duell mit seinem Teamkollegen Lewis Hamilton sehr genossen hätte.

"Für den Zuschauer, wenn er nicht in die Analyse geht, ist das ein ganz normales Rennen", meint Danner, der genau darin den Haken sieht. "Das, was wir sehen, ist aber nicht immer das, was tatsächlich im Cockpit stattfindet."

Kritik an der Formel 1 stammt nicht von irgendwem

Verstappens Kritikpunkt richtet sich vor allem gegen die Rekuperierungsmaßnahmen, die mit der seit 2026 verbauten Batterie einhergehen. Früher konnte er den gesamten Speed auf der Geraden mitnehmen und spät in die Kurve bremsen, um keine Zeit auf der Strecke liegenzulassen.

Heute ist das nicht mehr so - die Geschwindigkeit auf der Geraden hängt viel mehr von der verfügbaren Batterieleistung ab, die Kurven werden zum Wiederaufladen genutzt. Damit ginge laut Verstappen ein Teil der Racing-Identität der Formel 1 verloren.

"Er ist nicht irgendein inkompetenter Mann, der da über die Formel 1 redet, sondern ein mehrfacher Weltmeister. Er ist ein Mann, der auch gewonnen hat, als er nicht das beste Auto hatte", zeigt Danner die Ernsthaftigkeit der Situation auf und nimmt dadurch den Kritikern den Wind aus den Segeln, die behaupten, Verstappen würde sich nur beschweren, weil er nicht mehr gewinnt.

"So wie sich das für einen Max im Cockpit anfühlt, und er bezieht sich da ja eigentlich auf alle Fahrer, außer die zwei, die gerade am Gewinnen sind, sagt er, ist das einfach nicht gut und da muss etwas gemacht werden", so der Experte. "Und man muss ihn konstruktiv unterstützen und überlegen: Wie kriegen wir da ein bisschen mehr, ich sag mal Racing Spirit hinein, um allen laut Max, entgegenzukommen."

Danner sicher: Formel 1 für Änderungen offen

Ein konstruktives Gespräch mit der FIA und den Verantwortlichen der Formel 1, das danach Änderungen einleitet, klingt in der Theorie zwar simpel - in der Praxis könnte sich dies jedoch als schweres Unterfangen herausstellen. "Der Mohammed Ben Sulayem, unser Präsident, hat ja glaube ich vor einem Jahr die V10-Debatte initiiert", erinnert sich der Experte zurück.

Der Vorschlag des Präsidenten wurde jedoch von den Herstellern abgelehnt. "Audi war natürlich dagegen, logisch, die haben das [neue Reglement, Anm. d. Red.] so haben wollen, und Mercedes, die wussten, wie gut sie sind. Dann war das schnell wieder vom Tisch", erklärt Danner.

Trotzdem ist er überzeugt, dass es an Bereitschaft für Veränderung seitens der Verantwortlichen nicht fehlen würde. "Also die Bereitschaft der FIA und der FOM da eine Initiative zu ergreifen, die ist auf jeden Fall da und die Chance muss Max Verstappen ergreifen", appelliert Danner. "Initiative ist gefragt." Ob Verstappen damit aber wirklich etwas bewirken kann, steht noch in den Sternen.

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