Sieht die Konkurrenz künftig ROT? Nachdem Ferrari bereits in Barcelona ein größeres Update-Paket im Koffer hatte, soll beim kommenden Formel 1-Rennen in Österreich auch noch ein überarbeiteter Motor zum Einsatz kommen. Auch wenn die FIA die ADUO-Ergebnisse der ersten Beobachtungsperiode (Rennen 1–5) noch immer nicht veröffentlicht hat, wissen die Motorenhersteller seit Monaco, wer nachbessern darf.
Ferrari, Audi und Honda liegen mehr als vier Prozent hinter dem Klassenprimus zurück und erhalten deshalb zusätzliche Entwicklungskapazitäten. "Das überrascht uns nicht. Wir wussten seit Saisonbeginn, dass der Großteil unseres Rückstands auf die Spitzenteams auf der Seite der Power Unit liegt", meinte Mattia Binotto angesichts der Ergebnisse aus den ersten fünf Rennen. Für Überraschung sorgte lediglich, dass Red Bull der Klassenprimus ist und somit auch Mercedes nachjustieren darf.
Das bedeutet im Detail: mehr Spielraum innerhalb der Budgetobergrenze, mehr Standzeit auf dem Prüfstand und mehr Freiheit bei der Entwicklung des F1-Motors. "Das Erste, was passiert ist, ist, dass Flavio [Briatore] mich anrief und sagte, die Vereinbarung sei gewesen, dass er den stärksten Motor kauft. Und dann habe er herausgefunden, dass es nicht der stärkste Motor ist", erklärte Toto Wolff mit einem Grinsen.
Wie groß ist der ADUO-Vorteil?
Die 'Additional Development and Upgrade Opportunities' basieren auf der Bewertung der reinen Leistung des Verbrenners, nicht auf der gesamten Power Unit. Aspekte wie das Energiemanagement oder die Effizienz des elektrischen Systems werden dabei nicht berücksichtigt. Dadurch kam es, dass der Motor von Red Bull Powertrains als der beste eingestuft wurde und nicht das Mercedes-Aggregat. "Eine neue Homologierung ist definitiv hilfreich. Wenn man diese Möglichkeit nicht hat, besteht die Gefahr, dass man von einem Konkurrenten überholt wird, der sie nutzen kann", sagte Wolff.
Bei Audi glaubt man jedoch nicht, dass sich durch ADUO die Motorenpower sofort in einem Sprung bei den Rundenzeiten widerspiegelt. "Manche glauben, dass man dank ADUO schon im nächsten Rennen plötzlich zehn Kilowatt mehr Leistung einführen kann. So funktioniert das aber nicht", betonte Binotto. "In unserem Fall zielen wir auf einen großen Entwicklungsschritt ab, allerdings eher mittel- bis langfristig. Wir konzentrieren unsere Anstrengungen erneut stärker auf die mittlere und lange Frist, und das ADUO wird in dieser Hinsicht von Vorteil sein."
Wolff warnt F1 vor BoP
Die Parameter für die ADUO-Bemessung sorgten schon im Vorfeld für Diskussionsstoff -und daran hat sich auch nach der ersten von drei Beobachtungsperioden nichts geändert. Seitens Audi ist man für Gespräche offen. Laut Binotto könnte eventuell der Ansatz wie beim Chassis der F1-Boliden der richtige Weg für die Zukunft sein. "Wenn das Ziel der Konvergenz darin besteht, das Feld enger zusammenzubringen, wäre das möglicherweise der einfachste Weg. Außerdem hätte man dann einen einheitlichen Rahmen für Chassis und Power Units", meinte der Audi-Teamchef.
Solange sich ADUO nicht zu einer Art 'Balance of Performance' verwandelt, bleibt auch Wolff offen. In Rennserien wie der Sportwagen-Weltmeisterschaft (WEC) wird mittels Balance of Performance (BoP) die Leistung der schnellsten Fahrzeuge gezielt eingebremst, um das Feld zusammenzuhalten. "Wenn das Gespräch auf eine Balance of Performance (BoP) hinausläuft, bekomme ich sofort allergische Reaktionen. Wir sollten niemals in die Versuchung geraten, dass jemand darüber entscheidet oder verhandelt, wie eine Balance of Performance aussehen soll", stellte Wolff klar.



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