Alle in der Formel 1 hatten am 16. Juni gespannt ihre Posteingänge im Blick. Denn zwischen 11:30 Uhr und 15:15 Uhr liefen die 96-Stunden-Fristen ab, um gegen das nachträglich zugunsten von Alpine und Pierre Gasly geänderte Ergebnis des Monaco-GPs vorzugehen und von weiteren Rechtsmitteln Gebrauch zu machen. Drei Teams hatten diesbezüglich bereits Absichten geäußert - am Nachmittag bestätigte McLaren nun den Schritt in die nächste Instanz.
In einer um 15:47 Uhr ausgeschickten Stellungnahme definierte das Team: "McLaren Racing kann bestätigen, dass es offiziell eine Berufung beim Internationalen FIA-Berufungsgericht bezüglich der folgenden Entscheidungen angestrengt hat: Stewards-Dokument 99; Angepasstes Finales Rennergebnis Dokument 100; Angepasste Meisterschafts-Punkte Dokument 101."
Dokument 99 ist die erfolgreiche Bestätigung des "Right of Review", welches Alpine nach Monaco eingereicht hatte. In diesem war ans Tageslicht gekommen, dass Teile der Boxengasse falsch vermessen worden waren und dadurch im Rennen Pierre Gasly zu Unrecht zweimal des Übertretens des 60-km/h-Tempolimits beschuldigt worden war.
Die zwei nachträglich auf Gaslys Ergebnis aufaddierten 5-Sekunden-Strafen wurden wieder subtrahiert und Gasly der dritte Platz zugesprochen, was in einem angepassten Ergebnis (Dokument 100) und einer angepassten WM-Tabelle (Dokument 101) resultierte. Dass eine im Rennen ausgesprochene Strafe einfach so zurückgenommen werden konnte, sorgte im Fahrerlager aber für große Empörung.
McLaren-Alarm: Monaco eine sportliche Ungerechtigkeit
Eigentlich sind solche Stewards-Entscheidungen ja von Protesten ausgeklammert. F1-Teams nutzen aber seit Jahren das Schlupfloch mit dem Rechtsmittel Right of Review, um es effektiv trotzdem zu tun. Noch nie aber hatte eines dieser Right of Reviews tatsächlich in einer Rücknahme einer Zeitstrafe resultiert. Das störte viele hier erst recht, weil Ferrari, Mercedes und McLaren ihre Strafen im Rennen bereits abgesessen hatten.
Die McLaren-Logik hinter der Berufung ist nun, dass die fehlerhafte Messschleife in der Boxengasse das ganze Wochenende alle betraf und man sich darauf einstellen konnte. Das unterstreicht man in der Stellungnahme: "Während des Monaco-Wochenendes - und in jedem Event - agieren alle Teams entsprechend der Regeln und etablierten standardisierten Vorgehen, was das Tempolimit in der Boxengasse angeht, wie sie zu dem Zeitpunkt angewandt wurden."
"Wettbewerber passten ihr Vorgehen entsprechend an und, wenn nötig, akzeptierten unter diesen Regeln ausgesprochenen Strafen und saßen diese ab", so McLaren. "In unseren Augen erzeugt die darauffolgende Rücknahme von Strafen eine Situation, in welche manche Wettbewerber durch das Handeln im Sinne von Regeln und Stewards-Entscheidungen benachteiligt wurden. Das riskiert sportliche Ungerechtigkeit und das Untergraben des Vertrauens in die konstante Anwendung des Sportlichen Reglements der FIA."
Wie lange gibt es kein offizielles Monaco-Ergebnis?
Mit einem offiziellen Berufungsverfahren hat McLaren nun einen signifikanten weiteren Schritt gewagt. Eine Berufung wird nicht mehr vor Stewards verhandelt, sondern im Fall einer Weltmeisterschaft wie der Formel 1 direkt vom Internationalen FIA-Berufungsgericht (FIA International Court of Appeal).
Dass Streitfälle es bis dorthin schaffen, ist in der Formel 1 selten. Der letzte betraf 2024 kein Team, sondern einen Disput um das Sicherheitskonzept beim damaligen USA-GP und einer Geldstrafe von 500.000 Euro. Mehrere Berufungen wurden in den letzten Jahren vor der Verhandlung zurückgezogen, etwa bezüglich der Disqualifikation von Sebastian Vettel 2021 in Ungarn oder bezüglich der kopierten Bremsbelüftungen von Racing Point im Jahr 2020.
Der letzte verhandelte Fall eines Formel-1-Teams war der erfolglose Versuch von Sauber, 2019 Zeitstrafen wegen illegalen Kupplungseinstellungen am Start rückgängig zu machen. Da solche Verfahren tatsächliche Gerichtsverfahren sind, kann das weitere Vorgehen nun Wochen oder eher Monate dauern.
Noch ist unklar, ob weitere Teams rechtliche Schritte eingeleitet haben. Red Bull hatte wie McLaren noch am Freitag die Berufungsabsicht eingereicht, aber am Dienstag noch nicht kommuniziert, ob man auch die tatsächliche Berufung folgen ließ. Mercedes kündigte am Sonntag an, ein eigenes Right of Review gegen das Right of Review von Alpine einzureichen. Auch diese Deadline verstrich am Dienstag.



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