Es ist aktuell schwer zu sagen, wie lange es noch dauern wird, bis die Formel 1 ein offizielles Ergebnis des Monaco-GP haben wird. Nachdem die Stewards am Freitag danach Alpines Protest stattgaben und Pierre Gasly sein Podest zurückerhielt, wurden prompt zwei weitere Einsprüche vorbereitet. Im McLaren-Lager kippt die Stimmung nun gehörig.
+++ Der Liveticker vor dem Rennen in Barcelona +++
Oscar Piastri hatte schließlich zu jenen gehört, die bei der Farce um das Boxengassen-Tempolimit im Rennen von Monaco gleich mehrfach benachteiligt wurden. Nachdem Alpine mittels 'Right of Review' gegen Gaslys zwei 5-Sekunden-Strafen vorgegangen war, hatten FIA und die offizielle Zeitnahme der Formel 1 feststellen müssen, dass man die relevanten Timing-Schleifen falsch vermessen hatte.
Drei andere Teams hatte nun aber ihre Strafen schon im Rennen abgesessen. Sie kann man also nicht so einfach zurücknehmen wie die von Gasly, die erst nachträglich aufaddiert worden waren. Die Konkurrenz ist nun der Meinung, dass Strafen als Tatsachen-Entscheidungen nicht einfach so verschwinden sollten, weil es bei einem glücklicherweise möglich ist.
Piastri fällt vom Glauben ab: Jetzt jedes Rennen ein monatelanger Prozess?
"Früher konntest du sagen, Pech, es war falsch, aber es war für alle falsch, und jeder wurde gleich behandelt, aber jetzt ist es sehr schwammig", unterstreicht Oscar Piastri diesen Standpunkt am Samstag in Barcelona. "Ich war ziemlich überwältigt von dieser Entscheidung. Wie kannst du eine Entscheidung zurücknehmen, die letztendlich zwar falsch war, aber wegen der andere schon bestraft wurden und ihre Strafen im Rennen abgesessen haben?"
"Wie kannst du eine Strafe ändern, wenn du weißt, dass fünf oder sechs andere davon beeinflusst werden?", wundert sich Piastri über die Logik. Er gehörte insofern zu den Leidtragenden, dass er seine Strafe im Rennen abgesessen hatte und dadurch überhaupt erst hinter Gasly zurückgefallen war. Dabei erging es ihm noch viel besser als etwa George Russell, der seine Strafe falsch absaß und dafür noch einmal bestraft wurde. "Technisch gesehen sollte ich Dritter sein, aber dann sollte eigentlich George Dritter sein."
Mercedes hatte aus Frust schon Rücksprache mit den eigenen Anwälten gehalten, obwohl Toto Wolff am Freitag einräumte, dass man aufgrund der Umstände eigentlich keine Möglichkeit sieht, irgendetwas zu unternehmen oder gar zu erreichen. Piastri versteht sie aber: "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich George fühlt. Ich konnte meinen Augen nicht trauen."
"Ziemliche Zwickmühle, die sie da geschaffen haben", meint Piastri in Richtung FIA. "Ich weiß nicht, wie sie da rauskommen. Jetzt hast du einen Präzedenzfall, dass du eine Strafe nicht absitzt, vor Gericht ziehst, und in ein paar Monaten wird das Rennen entschieden. Wer zur Hölle will so Rennen fahren? Perplex ist das Wort, dass ich gebrauchen würde."
McLaren zieht Prozess-Schlange weiter - Pierre Gasly versteht es nicht
McLaren und Red Bull haben daher bereits bei der FIA eine Absichtserklärung zu einem Einspruch gegen das Urteil deponiert. 96 Stunden hat man ab da, um den tatsächlichen Einspruch auszuformulieren und damit vor das FIA-Gericht zu ziehen. "Wir werden die uns zur Verfügung stehende Zeit ausnutzen", will Teamchef Andrea Stella das am Samstag nicht weiter kommentieren. "Außer, dass es ein sehr komplexer Fall ist, und dass wir unsere Möglichkeit eines Einspruchs analysieren."
Profiteur Pierre Gasly versteht beim besten Willen nicht, worüber sich andere so sehr aufregen: "Lasst mich etwas klarstellen. Ich weiß, was wir getan haben. Ich bin 59 km/h gefahren. Wir wurden beschuldigt, über 60 gefahren zu sein, was nicht der Fall war. Was ich sagen werde, ist, dass es nicht richtig sein sollte, mich für etwas zu bestrafen, was wir nicht getan haben, bloß weil andere bestraft wurden."
"Wenn ein potenzieller Fehler ein, zwei, drei Mal gemacht wurde, dann gibt es keinen Grund, ihn ein viertes Mal zu machen", findet Gasly. "Zieht da einfach eine Linie. Und außerdem weiß ich auch nicht, ob George oder Oscar überhaupt zu schnell waren. Ich habe ihre Daten nicht gesehen. Ich weiß nicht, ob sie Opfer des gleichen Problems wurden, das wir hatten."
"Als Team haben wir entschieden, nicht zu stoppen und die Strafe nicht abzusitzen, weil wir wussten, dass wir nichts falsch gemacht hatten und dass wir protestieren würden", unterstreicht Gasly. "Letztendlich Fairplay an FIA und Formel 1. Sie haben einen Fehler gemacht und die Verantwortung übernommen. Sie haben richtig entschieden, die Strafe zurückzunehmen, weil wir nichts falsch gemacht haben."



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