Für einen Fahrer, der in aufeinanderfolgenden Jahren Formel 3 und Formel 2 gewonnen hat, gab es in den letzten Monaten bemerkenswert wenig Gerede über Leonardo Fornaroli. Erst nach seinem F2-Titel holte McLaren ihn Ende 2025 in den Förderkader und machte ihn zum Ersatzfahrer. Nach einer Reihe an McLaren-Tests gibt es jetzt eine Überraschung - mit einem weitere Test, aber für ein anderes Team.
Fornaroli wird bei einem zweitägigen Test im spanischen Jerez am 17. und 18. Juni für Haas den VF-25, das Formel-1-Vorjahresauto bewegen dürfen. Bei dem Test wird auch Haas-Reservefahrer Ryo Hirakawa fahren. Der hauptberufliche Toyota-Werksfahrer ist seit dem Vorjahr im Nebenjob Haas-Ersatzfahrer und fuhr für die Mannschaft auch vier Freitags-Trainings.
Hirakawa im Haas überrascht also nicht, Fornaroli dafür umso mehr. Seit er im Dezember bei McLaren andockte, fuhr er in Barcelona, Silverstone und Austin Tests in alten McLaren. Am letzten Wochenende durfte er dann erstmals den aktuellen MCL40 im 1. Freien Training an der Stelle von Lando Norris pilotieren.
McLaren will Leonardo Fornaroli bei F1-Zukunft helfen
Teamchef Andrea Stella zeigte sich äußerst angetan: "Er wirkt unscheinbar, aber er ist der bei weitem proaktivste Fahrer in Sachen Fragen an die Ingenieure. Er geht mit seinem Notizbuch herum, schreibt mit und sobald er eine Idee hat, teilt er sie. Er ist ein sehr interessanter Charakter, und wenn er in ein Auto steigt, ob im Simulator, bei einem TPC-Test oder hier in einem Freien Training, ist er schnell."
"Leonardo ist sicher ein Asset für die Formel 1 in der Zukunft", glaubt Stella. "Wir wollen sicher, dass er fährt." In der Formel 1 nur eben nicht mit McLaren, die Norris und Oscar Piastri und damit keinen Bedarf haben. Der Hersteller hätte auch IndyCar- oder WEC-Projekte, die Optionen wären, wenn man die Königsklasse beiseitelassen möchte. Doch Stella merkte schon am Samstag in Barcelona an: "Wir werden mit Leonardo zusammenarbeiten, um Möglichkeiten in der Formel 1 zu evaluieren."
Dieser Haas-Test scheint ein erster Schritt in diese Richtung zu sein. Dass Teams Fahrer aus ihrer zweiten Reihe an F1-Mitbewerber verleihen, ist grundsätzlich in der Formel 1 nicht ohne Präzedenz. Selbst wenn es sich um Teams wie McLaren und Haas handelt, die sonst überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Beispielsweise arrangierte sich Mercedes 2019 mit Renault-Alpine um ein Einsatz-Cockpit für seinen damaligen Ersatzfahrer Esteban Ocon.
Gibt es eine Haas-Zukunft für Leonardo Fornaroli?
Ausgerechnet um Ocons Zukunft wurde erst vor kurzer Zeit diskutiert. Online aufgetauchte Gerüchte über einen Streit plus eine vorzeitige Entlassung wies Haas-Teamchef Ayao Komatsu aufs Schärfste zurück. Auch wenn Ocon nun aber bis zum Saisonende gesetzt ist, will Haas Leistung sehen. Komatsu war im Winter schon sehr offen gewesen, mit der Ansage, dass die 2025 begonnene Partnerschaft mit Ocon bisher die Erwartungen nicht erfüllt hatte.
Auf der anderen Seite sitzt im zweiten Haas mit Oliver Bearman auch eine Leihgabe von Motorenpartner Ferrari. Sollte dort dringender Fahrerbedarf herrschen, könnte Haas plötzlich mit einem leeren Cockpit dastehen. Mit den aktuellen Leistungen von Lewis Hamilton und dem gerade erst verlängerten Vertrag von Charles Leclerc erscheint dieses Szenario momentan nur unwahrscheinlich.
Für Fornaroli ist es jedenfalls die Chance, zumindest ein weiteres F1-Team auf sich aufmerksam zu machen. Abseits seiner McLaren-Tätigkeiten hat er momentan nämlich keinen fixen Job. Ein Fahrer, der Formel 3 und Formel 2 in aufeinanderfolgenden Jahren gewonnen hat und damit auf einer kleinen Liste mit Fahrern wie Oscar Piastri, George Russell oder Charles Leclerc steht, dürfte sich da mehr ausrechnen.



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