Den Ungarn-Grand-Prix würde Massimo Rivola am liebsten wohl so schnell wie möglich aus seinem Gedächtnis streichen. 75 Prozent seines MotoGP-Aufgebots fand sich am vorletzten Sonntag nämlich schon in Kurve eins im Kiesbett wieder. Jorge Martin hatte folgenschwer gepatzt und nicht nur Raul Fernandez, sondern auch WM-Leader Marco Bezzecchi abgeräumt. Der Super-GAU für Noale, denn Marc Marquez komplettierte anschließend das Ungarn-Doppel und schöpfte damit neue Hoffnung im Titelkampf. Völlig unter ging dadurch dann, dass Aprilia eigentlich auch Grund zur Freude gehabt hätte.

Dank Ai Ogura: Aprilia schafft in Ungarn den Concession-Aufstieg

Der letzte verbliebene Aprilia-Pilot Ai Ogura zeigte am Balaton Park nämlich wieder einmal eine starke Aufholjagd und fuhr am Ende noch als Vierter über die Ziellinie. Damit sammelte er 13 wichtige Punkte für die Konstrukteurs-WM, in der Ducati anderenfalls mit Aprilia an der Spitze gleichgezogen wäre. Vor allem sammelte der Trackhouse-Pilot damit aber die letzten noch fehlenden Punkte, um den MotoGP-Hersteller aus Noale für die zweite Saisonhälfte 2026 erstmals in Concession-Rang B aufsteigen zu lassen.

Nach dem Deutschland-GP am Sachsenring (10. bis 12. Juli) steht hier nämlich die nächste Auswertung an. Zuletzt gab es eine solche am Saisonende 2025, damals aufgrund des schwachen Saisonstarts aber ohne Veränderungen für Aprilia. Es stand weiterhin ein Platz in Rang C zu Buche, in den auch Honda erstmals aufstieg. Jetzt wird ein Zeitraum beginnend mit der zweiten Saisonhälfte 2025 - also ab dem Österreich-GP - ausgewertet und in diesem hat Aprilia seither in 18 der 21 Grands Prix beachtliche 469 Punkte geholt. Damit ist der Aufstieg in Rang B zur zweiten Saisonhälfte 2026 seit dem Ungarn-GP fix, 466 Punkte waren dazu nötig.

Für zweite Saisonhälfte 2026: Aprilia verliert MotoGP-Zugeständnisse

Auf dem Papier verliert Aprilia ab Silverstone damit zwei normalerweise nicht unwichtige Zugeständnisse. Statt 220 stehen dem Hersteller aus Noale über die gesamte Saison hinweg nur noch 190 Testreifen zur Verfügung. Zudem wird die Anzahl der erlaubten Wildcard-Starts von auf drei reduziert. Zuvor waren sechs Auftritte pro Saison erlaubt.

Speziell letzter Punkt hat in Realität aber kaum Auswirkungen auf Aprilia. Wildcards mit dem neuen 850ccm-Motorrad sind im restlichen Verlauf der Saison 2026 ohnehin nicht gestattet. Testfahrer Lorenzo Savadori, der bislang nur in Jerez am Start war, dürfte die letzten ausstehenden Wildcards also nur mit dem aktuellen 1000ccm-Bike absolvieren. Da der Fokus aller Hersteller aber längst auf dem 850er-Motorrad liegt, sind keine neuen Teile für die 1000er-Maschinen mehr zu erwarten. Es gibt also nichts, was im Rahmen von Wildcard-Starts noch für die Stammfahrer auszuprobieren oder vorzubereiten wäre. Gut möglich daher, dass Aprilia die jetzt noch verbleibenden zwei Wildcard-Auftritte ohnehin einfach verfallen lässt.

MotoGP-Concessions 2026: Ducati und Honda droht Abstieg

Auswirkungen im Titelkampf sind durch den Aufstieg in Rang B für Noale also nicht zu erwarten. Gleiches gilt übrigens für Ducati, wo ein Verbleib in Rang A derzeit alles andere als sicher ist. 660 Punkte wären dazu nötig, gemäß dem aktuellen Punkteschnitt würden nach dem Deutschland-GP aber nur 657 Punkte zu Buche stehen. Sollte Ducati absteigen, wären wieder Wildcards möglich. Diese sind in Rang A vollständig verboten. Aber auch hier gibt es eigentlich keinen Grund, warum Borgo Panigale im restlichen Saisonverlauf noch davon Gebrauch machen sollte. Abschließend droht auch Honda zur zweiten Saisonhälfte 2026 die Rückkehr in Concession-Rang D. Aber auch hier liegt der Fokus natürlich längst auf dem 850er-Motorrad, weshalb auch diese Änderung wohl kaum bis keine Auswirkungen hätte.

Über den aktuellen Stand der Entwicklung an den neuen 850er-Motorrädern informiert euch Markus derweil in diesem Video:

850er-Bikes überraschen im Test: Neue MotoGP nicht langsamer! (07:18 Min.)