Er gilt als der beste Rennfahrer, der nie in der Formel 1 gefahren ist. 'Mister Le Mans' Tom Kristensen ist mit neun Erfolgen der Rekordsieger beim 24h-Rennen an der Sarthe und gleichzeitig ein Name, der unzertrennlich mit Audi verbunden ist. Denn mit den vier Ringen errang er sieben Siege in Le Mans und fünf seiner sechs Siege bei den 12 Stunden von Sebring. Heute greift er bei historischen Rennevents immer noch gerne ins Lenkrad, ist offizieller Markenbotschafter von Audi und tritt auch als Botschafter für die Formel 1 auf. Beim Grand-Prix-Wochenende in Ungarn hat sich Motorsport-Magazin.com mit ihm zusammengesetzt und über die illustre Karriere der Langstrecken- und DTM-Ikone geredet sowie über seine aktuelle Sicht auf die Motorsport-Welt.
MSM: Wir befinden uns gerade in der Hospitality von Audi bei einem Formel-1-Wochenende. Sie sind seit 25 Jahren eng mit dieser Marke verbunden, fühlt es sich nicht ein bisschen surreal an, Audi in der Formel 1 zu sehen?
Tom Kristensen: Nein, gar nicht surreal. Audi gehört gewissermaßen hierher und ich denke, ihr und eure Kollegen und viele Menschen rechneten schon lange damit, dass es passieren würde. Diskussionen darüber, ob und wann Audi in die Formel 1 kommen würde, gab es ja schon in der Vergangenheit öfters. Oder allgemein über jemanden aus der Volkswagen-Gruppe, wie etwa Porsche. Jetzt ist es so weit und die neue Ära von Audi in der Formel 1 hat in dieser Saison gerade erst begonnen. Audi hat viele brillante Ären im Motorsport gehabt. Wenn wir an Rallye denken, mit dem Quattro. An die DTM, die IMSA in Amerika, die Rallye Dakar, den Langstrecken-Rennsport oder Sportwagen mit Le Mans und der WEC, oder an unser eigenes Straßenauto, den Audi R8, in allen GT-Programmen rund um die Welt. Jetzt ist es also die Formel 1. Man kann natürlich jetzt über den Zeitpunkt reden oder man kann sich darüber freuen.
MSM: Wie würden Sie die bisherige Saison von Audi in der Formel 1 bewerten?
Es ist schon falsch, nach einem halben Jahr eine Bewertung abzugeben, weil sich die Dinge so schnell entwickeln. In der Sommerpause geht es weiter. Auch wenn die Leute am Strand liegen, Urlaub machen – alles dreht sich weiter. Ich finde, Audi macht sich wirklich gut. Ich habe mich sehr über die Upgrades in Barcelona gefreut. Und seitdem sehe ich auch, dass die Umsetzung und die Abläufe besser geworden sind. Was ich noch hinzufügen möchte, ist das Pech, insbesondere bei Hülkenberg. Die Sache mit dem Kill-Switch im Rennen dort und dann noch die anderen Situationen, bei denen es zu kleinen Missgeschicken zum falschen Zeitpunkt gekommen war.
Es gefällt mir zu sehen, wo sie performancemäßig stehen. Hier [in Ungarn, d. Red] mischen sie definitiv im Kampf um den Best of the Rest mit, zusammen mit den Racing Bulls, die sich ebenfalls verbessert haben. Aber das sind die beiden Teams, die jetzt das Mittelfeld bilden. Weit vor allen anderen und ganz dicht hinter Red Bull – und dann gibt es natürlich noch die drei Topteams, Mercedes, Ferrari und McLaren an der Spitze. Aber das ist die erste in Deutschland hergestellte Power Unit in der Formel 1. Es gibt auch andere Teams mit neuen Motoren, und man sieht, wo sie stehen. Es ist nicht einfach, und obwohl die anderen auch viel Erfahrung hatten, hat Audi es von der ersten Stunde an sehr respektabel gemacht. Und was ich noch weiß, ist, dass die anderen Teams großen Respekt vor dem haben, was Audi leistet, und das ist es, was mehr zählt.
Reden wir über Ihre eigene Karriere. Sie hatten ja auch einige Chancen, in die Formel 1 zu kommen. Etwa einmal mit Minardi oder später, als sie viel für Williams testeten…
TK: Ja, diese hatte ich. Es war natürlich immer mein großer Traum, als ich Meisterschaften im Go-Kart gewann. Damals fuhr ich gegen Leute wie Zanardi, McNish, Fittipaldi, all diese Fahrer. Und ich besiegte Mike Häkkinen in der skandinavischen Meisterschaft, der damals schon von Marlboro unterstützt wurde. Seit damals hat sich vieles geändert. Ich hatte selbst [F1]-Ambitionen. Aber ich schätze mich wirklich glücklich und bin froh, dass ich schließlich zu Audi gekommen bin.
Als ich damals von BMW zu Audi wechselte, habe ich dort wirklich mein Zuhause gefunden. Und das ist auch heute noch mein Zuhause, denn was wir als Team erreicht haben – mit der Unternehmenskultur, mit dem Produkt, mit den Rennwagen und mit den Menschen, die sich in einer sehr flachen Hierarchie weiterentwickeln -, das ist wirklich etwas, worauf ich stolz bin, dass ich in all diesen Jahren ein Teil davon war. Ich habe vor einigen Jahren noch ein Formel-1-Auto getestet, als mich Zak Brown auf den Red Bull Ring eingeladen hatte. Aber ich habe damals [Ende 90er-Jahre bis Anfang 2000er-Jahre, d. Red] viel getestet, insbesondere mit Michelin. Damals war ich ganz nah dran. Das war eine Zeit, in der Williams ein sehr beliebtes Team war. Zu meiner Zeit gab es noch keine Juniorakademien wie heute. Es ist großartig ist, dass heutzutage Talente gefördert werden, wie es etwa Audi mit Freddie Slater tut. Auch Gabriel Bortoleto wurde als junger Fahrer unter Vertrag genommen.
Tom Kristensen über Formel-1-Chance: "Hätte es einfach tun sollen..."
Wieso hat es bei Ihnen letztendlich nicht geklappt mit der Formel 1?
TK: Wenn wir etwa mit Williams anfangen. Damals gab es Montoya, es gab Zanardi, es gab Ralf Schumacher, es gab Jenson Button, es gab [Bruno] Junqueira und dann war da ich. Ich war mit BMW im Le-Mans-Programm dabei, aber Williams drängte mich dazu, Testfahrten zu absolvieren. Frank Williams rief mich ein paar Mal an, um mich zu Testfahrten einzuladen, aber ich war zu dieser Zeit kommerziell wahrscheinlich noch etwas zu schwach. Ich hatte nichts, das für mich sprach, außer meiner Performance. Aber ich denke, meine Performance war ziemlich gut und es war knapp. Ich habe ein paar Tests gemacht, aber letztendlich haben sie sich zunächst für Ralf Schumacher entschieden. Wahrscheinlich auch wegen der deutschen Marke und des deutschen Fahrers – und er war gut. Und dann nahmen sie Montoya.
Dann entschied ich mich, zu Audi zu gehen und ich blickte nie wieder zurück. Aber natürlich war es mehrmals sehr knapp. Minardi bot mir einmal eine halbe Saison an, aber das kam nicht zustande, denn nach einer halben Saison hätte ich zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Dollar mitbringen müssen. Heute wäre das nicht so viel Geld, aber damals hatte ich dieses Geld nicht und es wäre peinlich gewesen, die zweite Saisonhälfte nicht zu fahren. Aber im Nachhinein hätte ich es einfach tun sollen, oder? Denn nach einem halben Jahr ist man gut genug, dass sie dich für den Rest des Jahres wollen. Aber das waren die beiden Momente, in denen ich am nächsten dran war. Genau diese beiden. Und jetzt bin ich natürlich immer sehr nett zu Allan McNish, weil er hier bei Audi für die Fahrerentwicklung zuständig ist. Und er sagt immer: "Man ist nie zu alt." Und ich sage immer: "Du hast recht, Allan." (lacht)
Tom Kristensen: Die größten Erfolge seiner Rennfahrer-Karriere
| Jahr / Zeitraum | Wettbewerb | Erfolg | Fahrzeug / Hersteller |
|---|---|---|---|
| 1991 | Deutsche Formel-3-Meisterschaft | Meister | |
| 1993 | Japanische Formel-3-Meisterschaft | Meister | |
| 1997, 2000-2005, 2008, 2013 | 24 Stunden von Le Mans | Neun Gesamtsiege | |
| 1999, 2000, 2005, 2006, 2009, 2012 | 12 Stunden von Sebring | Sechs Gesamtsiege | |
| 2002 | American Le Mans Series | Meister | |
| 2004–2011 | DTM | Vier Rennsiege | |
| 2013 | FIA World Endurance Championship | Weltmeister |
MSM: Im Langstrecken-Rennsport hatten Sie ja Ihre ganz großen Erfolge. Sprechen wir deshalb einmal kurz über die WEC, denn im Langstrecken-Sport hat sich ja seitdem viel verändert. Wir haben in der Hypercar-Klasse ein großes Feld mit vielen Teilnehmern, gleichzeitig gibt es aber auch eine BOP, die ja nicht allen gefällt. Wie sehen Sie den Zustand des Langstrecken-Rennsports heute?
TK: Ich mag diese Kritik nicht. Mir gefällt einfach die Infrastruktur – das gesamte Ökosystem rund um den Motorsport ist gewachsen. Die Formel 1 ist gewachsen, man schaue sich nur einmal an, wie beliebt sie ist, und die WEC ist gewachsen. Ich bin sehr froh, dass wir mit Allan [McNish] und Loic [Duval] 2013 tatsächlich die Langstrecken-Weltmeisterschaft gewinnen konnten. Denn in all den Jahren, in denen wir Sportwagen gefahren sind, gab es noch keine Langstrecken-Weltmeisterschaft.
Damals sind wir die schnellsten Sportwagen der Welt gefahren. Aber es war nicht sehr nachhaltig, denn in Bezug auf das Reglement konnte man frei entwickeln. Jahr für Jahr wurde ein neuer Distanzrekord in Le Mans aufgestellt, wenn es nicht die Hälfte der Zeit regnete. Das war also eine großartige Zeit, Rennen zu fahren. Heute hat es viele Hersteller angezogen und die Rennen sind absolut großartig. Die Autos sind nicht so schnell wie wir damals, sie sind schwerer, aber das sorgt für wirklich sehr spannende Rennen, und man kann nie so richtig vorhersagen, wer gewinnen wird. Abgesehen davon, dass Ferrari in den letzten Jahren in Le Mans ziemlich stark war. Aber dieses Jahr war es Toyota, BMW hat Siege gefeiert und Cadillac hat schon gewonnen – das ist ziemlich schön anzusehen. Das gesamte Ökosystem funktioniert also und ich liebe es auch, diese Art Motorsport zu verfolgen.

MSM: Hat sich auch die Philosophie des Langstrecken-Rennsports geändert? Denn in Ihrer Zeit war es möglich Le Mans mit ein paar Runden Vorsprung zu gewinnen, heute wirkt es eher wie ein 24-Stunden-Sprintrennen…
Nein, es war schon immer ein Sprintrennen, auch wenn es mitunter mehrere Runden Vorsprung gab. Heute ist es so, dass die Autos wieder in derselben Runde zusammenkommen, was man zwar als interessant bezeichnen kann, für die Fahrer ist es aber manchmal auch frustrierend, weil sie nicht zu weit in Führung liegen wollen. Sie wollen nicht zu viel Energie in die Führung zu stecken, denn durch die nächste gelbe Flagge kommt das Feld wieder enger zusammen. Das ist also die Mentalität. So muss man diese komplexen Rennen fahren. Aber es war schon immer ein Sprintrennen. Es wurde immer Vollgas gefahren. Dann wechselt man zum nächsten Fahrer, zum nächsten Reifensatz, und schon geht es wieder los.
MSM: Wie hat Ihnen als Fahrer diese Philosophie gefallen, wenn in der Safety-Car-Phase alles wieder zusammengeschoben wurde?
Ich bin mit sechs Siegen ja auch Rekordsieger in Sebring, und das war frustrierend, weil dort auch das Feld immer wieder zusammenkam und man dann erneut liefern musste. Es ist also nicht so, dass ich so noch nie gefahren wäre. Da ist sozusagen ein bisschen vom amerikanischen Rennsport übernommen worden. Ich kenne das also sehr gut, nicht nur vom Zuschauen, sondern auch vom Fahren.
MSM: Welche Art von Rennen haben Sie bevorzugt?
Ich bevorzuge nichts, ich liefere einfach. Wenn man unter Druck ist, muss man seine Leistung abrufen.
MSM: In den letzten Jahren fahren Sie viel mit historischen Autos, etwa in Goodwood. Was ist der Reiz daran? Geht es Ihnen darum, doch nochmal Rennen zu fahren oder ist es einfach die Leidenschaft für historische Autos?
Soll ich einfach auf dem Sofa niederliegen und sterben? Es macht natürlich Spaß, Autos zu fahren, mit denen Rennen gefahren wurden, bevor ich geboren wurde. Ich finde das fantastisch, und die Veranstaltungen sind absolut unglaublich. Ich bin Hauskapitän in Goodwood - schon seit einigen Jahren bin ich auch bei den Mitgliederversammlungen - und ich bin dort schon so viele verschiedene Autos gefahren. Alles von einem 7-Liter-V8-Ford bis hin zu einem Auto Union Typ C, den ich letzte Woche gefahren bin, und dann wieder den neuen Nuvolari, der gerade erst auf den Markt gekommen ist - diese ganze Mischung. Ich habe die Zeit. Also sage ich "Ja", zu den Dingen, die ich gerne mag. Es ist ein Privileg, gefragt zu werden, etwa hier zu Audi zu kommen, die Interviews mit den Fahrern zu führen. Ich bin ein F1-Botschafter und darf im Paddock Club mit einigen leidenschaftlichen Leuten über die Formel 1 reden. Das alles ist schön.

MSM: Sie sind gefühlt alles gefahren, was man fahren kann. Was ist Ihr Lieblingsauto?
Wir sagen immer, dass man Autos, die gewinnen können, mehr mag und sie erscheinen einem schöner. Aber ich würde sagen, der eleganteste Rennwagen, den ich je gefahren bin, ist ein Bentley Speed 8. Zufälligerweise hat er einen Audi-Motor, der in der Nähe der Produktionsstätte gebaut wurde, wo der Antriebsstrang für die F1-Autos hergestellt wird. Aber es ist ein wunderschönes Auto aus einer Zeit als Bentley in den Volkswagen-Konzern integriert wurde. Das aggressivste Auto ist der R18, mit dem Duval, ich und McNish die Langstrecken-Weltmeisterschaft gewannen. Aber mein Lieblingsauto ist der Audi R8, denn der Audi R8 LMP1 hat fünf Mal in Le Mans gewonnen – und es mag zwar Zufall gewesen sein, aber ich war jedes Mal, wenn er gewann, einer der Fahrer. Und dann beschloss Audi, ein straßenzugelassenes Modell zu entwickeln, dessen Produktion erst letztes Jahr eingestellt wurde. Vielleicht gibt es da eine Zukunft…
"Das hat wehgetan:" Kristensen denkt an seine DTM-Zeit zurück
MSM: Um zu einer anderen Rennserie zu kommen: Sie sind ja auch über fünf Jahre in der DTM gefahren…
Es tut weh, darüber zu sprechen, weil ich die Meisterschaft nie gewinnen konnte. Das hat mir damals in der WEC so gefallen, als ich [2014] in Interlagos mein letztes Rennen beendete. Da stand ich auf dem Podium. Das war gut, denn danach konnte ich mich entspannen. Natürlich vermisste ich es, aber ich war wirklich glücklich. In der DTM ist es anders. Denn 2006 hätte ich gewinnen sollen. Ich wurde hinter zwei Mercedes Dritter. Wir lagen in Führung, hatten aber einige Pannen. Wir hatten einmal einen komischen Aufhängungs-Defekt, als ich mit einem Vorsprung von 17 Sekunden auf dem Brands Hatch Indy Circuit führte. Das ist viel - eine halbe Runde - und dann habe ich schließlich die Meisterschaft in diesem Jahr knapp verpasst. Das hat wehgetan.

MSM: Viele Fahrer, die in dieser Generation in der DTM gefahren sind, erinnern sich noch mit Freude an jene Autos. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Es war eine großartige Meisterschaft. Die Autos sahen aus wie Straßenautos, aber es waren Silhouettenfahrzeuge mit ziemlich schmalen Reifen. Man war immer am Limit, rutschte die ganze Zeit. Es war eine tolle Meisterschaft.
MSM: Sie sagen, dass die DTM eine großartige Meisterschaft war. Heutzutage sieht die Rennserie natürlich anders aus. An die Stelle der Silhouetten-Fahrzeuge sind GT3-Autos getreten. Was denken Sie über die aktuelle DTM?
Ich habe die DTM nicht mehr so genau verfolgt. Erst in letzter Zeit, weil ich mich wirklich sehr darüber freue, dass Nicki Thiim gewonnen hat. Nach meinem letzten Sieg hat also endlich wieder ein Däne gewonnen. Und das ist schon sehr, sehr lange her. Deshalb freue ich mich wirklich sehr. Und es gibt noch einen anderen dänischen Fahrer, der ebenfalls das Potenzial dazu hat: Bastian Buus. Ich verfolge das ein bisschen, aber die Zeiten ändern sich. Damals ging es um die Hersteller, die lagen wirklich dicht beieinander. Jetzt sind es die Teams, es sind die GT-Fahrzeuge - eine großartige Meisterschaft. Ich möchte niemals negativ sein, aber ich möchte die Dinge realistisch betrachten, und das ist wahrscheinlich der Unterschied. Damals war es eine Zeit, in der BMW, Opel, Mercedes und Audi mit vielen guten Leuten reinkamen und mit einem großen Budget voll durchstarteten.
MSM: Also wenn Sie realistisch sind, hat die DTM ein bisschen ihre Einzigartigkeit verloren?
Ich will dem Ganzen nichts absprechen. Wir sind mit einem Ökosystem großartiger Meisterschaften gesegnet. Die IMSA ist gut, die DTM ist gut, die SRO ist immer gut, wo es sowohl Sprint- als auch Langstreckenrennen gibt. Das gesamte Ökosystem läuft also wirklich, wirklich gut. Aber ich muss einfach sagen: Ich habe meine Zeit in der DTM genossen und wer alt genug ist, um das damals gesehen zu haben, wird erkennen, dass sie ein bisschen anders war. Aber trotzdem will ich die Leistungen der heutigen Sieger und der damaligen Siegern nicht mindern.
MSM: Sie haben vorhin ein bisschen über die Beziehung zu Allan gescherzt und gesagt, dass Sie ein Fahrer sein möchten. Aber mal im Ernst: Warum tragen Sie kein Audi-Shirt? Denn es gibt ja auch andere Jobs in einem Formel-1-Team, nicht nur den des Fahrers.
Ich habe ein Audi-Shirt, allerdings von der Audi AG. Ich bin kein Teammitglied von Audi F1, sondern Audi-Markenbotschafter.
MSM: Könnten Sie sich vorstellen, im F1-Zirkus für Audi zu arbeiten?
Mit Allan? Unmöglich! Natürlich nur ein Scherz. Ich könnte es mir durchaus vorstellen, aber ich schätze mich auch glücklich, dass ich ziemlich viele Möglichkeiten habe. Ich arbeite fürs Fernsehen, sowohl für Le Mans als auch für die Formel 1. Ich habe viele kleine Rollen, aber ich könnte mir das durchaus vorstellen, denn ich denke, es ist das Nächstbeste, wenn man nicht selbst in einem Rennwagen sitzt. Aber ich habe auch großen Respekt vor der harten Arbeit, die diese Männer hier leisten. In einer perfekten Saison sind es 24 Grand Prix pro Jahr. Ich habe enormen Respekt davor und vor der Leidenschaft und dem Engagement, die Allan – neben anderen – an den Tag legt, sowie vor dem Aufbau der Kultur bei Audi. All diese Dinge versuche ich natürlich zu unterstützen, aber die Leute, die das umsetzen, leisten sehr gute Arbeit und sind keineswegs faul. Ich will damit nicht sagen, dass ich faul bin, aber ich fühle mich wahrscheinlich etwas wohler und habe die Möglichkeit, verschiedene Dinge zu tun. Ich bin auch ein Botschafter für andere Marken. Aber Audi trage ich tief in meinem Herzen. Was auch immer ich also tun kann, um zu helfen, werde ich tun.
MSM: Man nennt Sie gerne Mr. Le Mans, aber sie haben ja auch eine Zeit lang in der Nähe des Nürburgrings gelebt…
Vielleicht bin ich dann ja auch Mr. Bitburg…
MSM: Mr. Bitburg oder Mr. Bitburger? (lacht)
Ich habe ein goldenes Bierfass. Das habe ich damals bekommen, als ich mit Bertram Schäfer Racing die deutsche Formel-3-Meisterschaft gewonnen habe. Das Team hatte seinen Hauptsitz in Bitburg. Wenn der Hopfen geerntet wurde, konnte man es die ganze Zeit riechen. Alles war voller Hopfen, vor allem für Bitburger. Das hat mir sehr gefallen. Es war mein erstes Jahr als Profi. Er [Bertram Schäfer] war der Erste, als ich bei meinem ersten Formel-3-Rennen in Zolder auf dem Podium stand, der mir gratulierte. Ich hatte das Rennen von der Pole Position gewonnen und er ist ein kleiner Mann, ein bisschen bescheiden, aber ein wirklich, wirklich entschlossener Typ. Und er flüsterte mir in Deutsch zu: 'Sehr gut, Tom. Du wirst das schaffen als Profi im Rennsport.' Das werde ich niemals vergessen. Ich weiß, heute leidet Bertram Schäfer an Demenz. Er erinnert sich noch an mich. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, erinnere ich ihn daran. Er weiß, wie viel mir das bedeutet hat, als er das gesagt hat. Das stärkt einen jungen Fahrer ungemein.
MSM: Noch eine schnelle Frage zum Abschluss: Was ist Ihre absolute Lieblingsstrecke auf der Welt?
Die nächste Kurve - als ich gefahren bin. Aber ich würde sagen: Suzuka, Spa, Le Mans, Sebring, Road America, Oulton Park, um nur ein paar zu nennen.



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