Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Strietzel! Am heutigen 01. Januar 2026 wird Hans-Joachim Stuck 75 Jahre alt. Zum Ehrentag blicken wir zurück auf die weltweiten Erfolge des Bayers, der zweifellos zu den besten und vielseitigsten Rennfahrern der deutschen Geschichte zählt.

Stuck im Interview: Tolle Karriere, die ich auch überlebt habe (50:44 Min.)

Hans-Joachim Stuck bei den 24h Nürburgring

Stucks glorreiche Motorsport-Karriere nahm ihre Anfänge auf der Nordschleife des Nürburgrings, als er seinen Vater, den 'Bergkönig' Hans Stuck, zu Lehrgängen der Scuderia Hanseat in die Eifel begleitete. 1969 bestritt Strietzel sein allererstes Autorennen auf einem BMW 2002 TI des BMW-Tuners Hans-Peter Kopechen, das 300-Kilometer-Rennen auf der Nordschleife. "Mein Vater hat erst mal nein gesagt, weil er genau wusste: Wenn er einmal ja sagt, dann ist die Kacke am Dampfen! Ich konnte ihn aber überzeugen", erinnerte sich Stuck einst im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com zurück.

Eine gute Entscheidung und der Beginn einer großen Karriere auch auf dem Nürburgring: Stuck gewann das berühmte 24-Stunden-Rennen dreimal in den Jahren 1970, 1998 sowie 2004. Damit zählt er bis heute zu den erfolgreichsten Piloten beim Eifel-Klassiker. Stuck siegte stets auf BMW-Fahrzeugen und mit drei unterschiedlichen Teams: im Koepchen-BMW 2002 TI mit Clemens Schickentanz (1970 bei der ersten Auflage des 24h-Rennens), auf einem BMW 320d von BMW Motorsport zusammen mit Christian Menzel, Andreas Bovensiepen und Marc Duez sowie 2004 auf einem Schnitzer-BMW M3 GTR und Dirk Müller, Jörg Müller sowie Pedro Lamy als Teamkollegen.

Stuck nahm die 24h Nürburgring zwischen 1970 und 2011 insgesamt 20 Mal unter die Räder, zuletzt gemeinsam mit seinen Söhnen Johannes und Ferdinand sowie Motorsport-Manager Dennis Rostek. Das Quartett erreichte den 15. Gesamtplatz auf einem Lamborghini Gallardo GT3 von Reiter Engineering. Stuck: "Die letzten beiden Runden mit all den jubelnden Zuschauern werde ich nie vergessen. Nach Rennende lagen wir uns in den Armen und es sind auch ein paar Tränen geflossen. Das war schon brutal emotional und der Rückblick auf eine tolle Karriere - die ich auch überlebt habe."

BMW bei den 24h Nürburgring 2004
Hans-Joachim Stuck bei den 24h Nürburgring 2004 im Schnitzer-BMW, Foto: BMW AG

Hans-Joachim Stuck bei den 24 Stunden von Le Mans

Stuck ging beim berühmtesten Rennen der Welt zwischen 1972 und 1998 insgesamt 18 Mal an den Start. Sein Debüt gab der 'Blonde' einst auf einem Ford Capri 2600 RS an der Seite des verstorbenen Jochen Mass, bevor seine BMW-Jahre in Le Mans von mehreren Ausfällen geprägt waren. So auch sein letzter Einsatz im Jahr 1998 auf einem Schnitzer-BMW V12 LM zusammen mit 'Mister Le Mans' Tom Kristensen und Steve Soper.

Stucks Stern bei den 24 Stunden von Le Mans ging stattdessen mit Porsche auf und leitete eine wahre Erfolgsära der Zuffenhausener ein. Mit dem Rothmans-Porsche 962 und den Teamkollegen Derek Bell sowie Al Holbert siegte Stuck in den Jahren 1986 und 1987 bei den 24 Stunden von Le Mans. 1988 sowie 1989 folgten ein zweiter sowie ein dritter Platz an der Sarthe, unter anderem mit Klaus Ludwig als Teamkollegen.

Stuck gewann mit dem ikonischen Porsche 962 auch die Sportwagen-Weltmeisterschaft (1985), den ADAC Supercup (1986, 1987) sowie zweimal das 12-Stunden-Rennen in Sebring (1986, 1988). Auf dem Flugplatzkurs in Florida hatte er schon 1975 einen Gesamtsieg im BMW 3.5 CSL gelandet.

"Die Kombination aus Leistung, aerodynamischem Abtrieb, Reifenbreite, Aussehen, den Erfolgen und dass ich in die Entwicklung eingebunden war - der Porsche 962 war mein Lieblingsauto, gar keine Frage", so Stuck. Der heutige Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach sagte: "Hans-Joachim Stuck hat Großes für Porsche geleistet. Seine Leistungen auf der Langstrecke, insbesondere seine Erfolge am Steuer des Porsche 962, zählen bis heute zu den wegweisenden Momenten in der Motorsporthistorie von Porsche."

Hans-Joachim Stuck bei den 24 Stunden von Le Mans 1986 mit Porsche
Mit dem Porsche 962 gewinnt Strietzel Stuck 1986 die 24 Stunden von Le Mans, Foto: IMAGO/PRESSE SPORTS

Hans-Joachim Stuck in der DTM

Stuck stand schon 1984 beim allerersten DTM-Rennen in Zolder am Start, damals noch mit einem BMW 635 CSi. Unvergessen bleibt aber die Saison 1990, in der Strietzel die 'Vorstands-Limousine' namens Audi V8 quattro zur ersten Meisterschaft der Ingolstädter führte. Mit seinen 1.220 Kilogramm war der V8 ein wahres Dickschiff im Vergleich zu den rund 180 Kilo leichteren Fahrzeugen aus den Häusern von BMW und Mercedes.

Der Audi mit seiner Serienkarosserie auf Gruppe-A-Basis wurde von einem V8-Motor samt 3,6 Litern Hubraum befeuert - 420 PS standen offiziell zu Buche, wenngleich wenn über die wahre Leistung bis heute wild diskutiert wird. Großen Anklang beim Publikum fand Stucks spektakuläre Fahrweise im V8 quattro. Quer durch die Kurven driftend, halb übers Gras fahrend lieferte er eine perfekte Show ab: "Das habe ich von meinem Vater gelernt. War vielleicht nicht immer schneller, aber immer spektakulär!"

"Für mich ein ganz tolles Jahr mit vielen Emotionen und dem DTM-Titel, da bekomme ich heute noch Gänsehaut", erinnerte sich Stuck und verriet eine Anekdote vom damaligen Saisonfinale in Hockenheim: "Wenige Tage später kam raus, dass sich dabei ein Stein zwischen Kardanwelle und Kardantunnel eingeklemmt hatte. Audi sport-Werkstattleiter Franz Braun sagte, dass bei einer weiteren Runde die Kardanwelle, die ja aus Karbon war, gebrochen wäre. Wahnsinn, an welch seidenem Faden der Sieg und der Titel gehangen haben!"

Audi zog sich 1992 mitten in der Saison in Folge der Kurbelwellen-Affäre aus der DTM zurück und sorgte damit für einen der größten Skandale der Geschichte. Stuck kehrte 1996 noch einmal in die damalige ITC zurück und startete auf einem Opel Calibra. In 88 Rennen auf BMW, Audi und Opel erzielte er beachtliche 13 Siege, 22 Podestplätze und vier Pole Positions.

Hans-Joachim Stuck in der DTM 1990 mit Audi
Hans-Joachim Stuck mischt die DTM 1990 mit dem Audi V8 quattro auf, Foto: imago sportfotodienst

Hans-Joachim Stuck in der Formel 1

Stuck galt damals als Ausnahmekönner und absoluter Motorsport-Allrounder; egal ob mit Prototypen-Sportwagen, Tourenwagen oder Formelautos. In der Formel 1 blieben die großen Erfolge, die Stuck in anderen Kategorien feierte, jedoch aus. Zwischen 1974 und 1979 ging er bei 74 F1-Rennen für March, Bernie Ecclestones Brabham-Team, Shadow und den deutschen Rennstall ATS an den Start. Seine beiden Podestplätze bei den Heimrennen am Hockenheimring und in Spielberg erzielte Strietzel 1977 auf einem Brabham BT45B mit V12-Motor von Alfa.

Womöglich wäre Stucks Formel-1-Zeit anders verlaufen, wenn er 1975 ein Angebot des amtierenden Weltmeister-Rennstalls McLaren angenommen hätte. Stritzel: "Wir haben es allerdings nicht gemacht, weil Ende 1974 für BMW unter der Leitung von Jochen Neerpasch schon klar war, dass es mit dem ganzen Programm in die USA geht. Damit war auch klar, dass ich als Bayer und Tourenwagenfahrer mitgehe. Mit einer F1-Saison für McLaren hätte das zu einem Konflikt geführt. Im Nachhinein war das vielleicht schade. Andererseits hatte ich tolle Jahre mit BMW, das für mich immer ein sicherer Hafen war."

Hans-Joachim Stuck und James Hunt bei der Formel 1 1976
1976 in Zandvoort: James Hunt hat Spaß mit Strietzel Stuck, Foto: imago sportfotodienst

Hans-Joachim Stuck: Weitere Erfolge im Motorsport

Rennsport-Tausendsassa Stuck gewann 1972 zusammen mit Jochen Mass auf einem Ford Capri RS 2600 die 24 Stunden von Spa und stellte dabei einen bis heute geltenden Distanzrekord (4498,436 Kilometer) auf. Im selben Jahr gewann Stuck zudem die Deutsche Rennsportmeisterschaft mit dem Ford Capri. 1974 holte Stuck parallel zu seinem F1-Programm mit March die Vize-Europameisterschaft in der Formel 2 hinter Champion Patrick Depailler.

Hans-Joachim Stuck 1972 bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps
Bilder aus alten Zeiten: Stuck 1972 beim 24-Stunden-Rennen in Spa mit dem Ford Capri, Foto: IMAGO/PsnewZ

Stuck fuhr sich auch in den USA schnell in die Herzen der Motorsport-Fans und hatte seine Gaudi auf und neben der Strecke, unter anderem mit Walter Röhrl als Teamkollegen. 1993 gewann Stuck die IMSA-Supercar-Meisterschaft auf einem Porsche 911 Turbo 3.6. Weitere Erfolge: fünf Klassensiege in der VLN (heutige NLS) auf BMW Z4 und ein Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring auf VW Scirocco im Jahr 2008. Stuck wurde 1985 zum ADAC-Motorsportler des Jahres gewählt und diente nach seiner aktiven Karriere von 2012 bis 2020 als Präsident des Deutschen Motor Sport Bund (DMSB).