Sie hätten es kaum spannender machen können. Neun Punkte brauchte Honda im Valencia-Grand-Prix, um zur MotoGP-Saison 2026 Concession-Rang D zu verlassen und in Rang C aufzusteigen. Platz sieben musste es sein, und exakt Platz sieben wurde es auch, aber nur auf den letzten Drücker. 21 Runden lang war Luca Marini hinter Jack Miller auf Rang acht festgehangen, ehe ihm im sechstletzten Umlauf des Jahres endlich das entscheidende Überholmanöver gelang. Anspannung pur wich in der Honda-Garage euphorischem Jubel. Ein Horrorfilm mit Happy End, oder etwa nicht?

Was faktisch ein Aufstieg ist, muss nämlich nicht zwangsläufig so gedeutet werden. Manch einer könnte den Wechsel von Rang D zu Rang C vielmehr auch als Abstieg betiteln. Warum? Ganz einfach: Fortan in Rang C fahrend, muss Honda zumindest im ersten Halbjahr 2026 bis zur nächsten Neubewertung der Concession-Ränge auf einige Zugeständnisse verzichten, die ihnen Rang D in den letzten 24 Monaten noch zugesichert hatte. So darf HRC nun nicht mehr mit den Stammfahrern und nur noch auf drei ausgewählten GP-Strecken testen. Es gibt weniger Testreifen, nur noch ein erlaubtes Aero-Update innerhalb der laufenden Saison und der Freispruch vom Engine-Freeze wird ebenfalls aufgehoben. Motorenupdates fallen 2026 also auch weg.

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Keine Lust auf Rang C? Honda räumt entschieden mit MotoGP-Gerüchten auf

Drastische Einschränkungen bei der Entwicklungs- und Testarbeit, sodass sich da manch einer vor dem Saisonfinale in Valencia die Frage stellte: Will Honda überhaupt in Rang C? Wäre es nicht vielleicht sogar besser, absichtlich weniger als neun Punkte zu sammeln und in Rang D zu bleiben, um weiterhin maximale Freiheiten zu genießen? Eine berechtigte Frage, auf die Honda aber auch entschieden antwortete. "Keiner bei Honda will die Concessions behalten, wir wollen sie loswerden", gab Joan Mir bereits am Samstag vor dem Saisonfinale an und Johann Zarco bestätigte einen Tag später: "Platz sieben war das klare Ziel von Honda. Daher ist es gut, dass es ein Fahrer von uns geschafft hat. Gratulation an Luca! Das war super, dass er diese Punkte für uns geholt hat."

Marini selbst präsentierte sich nach dem Valencia-GP ebenfalls erleichtert. Er jubelte: "Das ist fantastisch. Wir hatten uns das schon zur Saisonhalbzeit als Ziel gesetzt. Da haben wir gesehen, dass es möglich sein könnte und seither haben wir so hart gearbeitet, um es auch erreichen zu können." Vor der Sommerpause lag Honda noch bei 12,5 Punkten im Schnitt, steigerte sich beginnend mit dem Österreich-GP aber auf durchschnittlich 14 Zähler pro Wochenende. Dank einigen Ausreißern nach oben wie beim Heimspiel in Motegi klappte es so punktgenau mit Rang C. "Das ist ein schönes Zeichen, dass wir dieses Jahr etwas geschafft haben, auch wenn die Ergebnisse nicht gut genug waren. Die Concessions haben uns in den letzten Jahren sehr geholfen, aber sie in Zukunft nicht mehr zu haben, das kann nur eine gute Nachricht für uns sein", kommentierte Mir und auch Testfahrer Aleix Espargaro stimmte zu: "Das ist gut. Verbesserung ist immer gut und Honda muss sowieso bald in Rang A kommen."

2026 keine Motorenentwicklung mehr! Eine Gefahr für Honda?

Dort thronen aktuell nur die langjährigen Dominatoren von Ducati. Würde es Honda irgendwann ebenfalls dorthin schaffen, würde das also bedeuten, dass auch die Japaner wieder um Rennsiege und Weltmeisterschaften kämpfen können. Doch würde das nicht vielleicht schneller gehen, wenn man eine weitere Halbserie in Rang D hätte fahren können? "Wir konnten zuletzt extrem viel testen, auch mit Luca und Joan. Wir konnten dieses Jahr drei Motorenupdates bringen. Wenn Luca und Joan heute noch mit dem Motor vom Saisonstart fahren müssten, würden sie nicht einmal um die Top-Ten kämpfen", musste Espargaro gestehen, dass die großen Zugeständnisse von Rang D zuletzt eine gewichtige Rolle bei der geglückten Wiederbelebung des einstigen MotoGP-Giganten gespielt hatten. Ohne sie wäre die Trendwende im Jahr 2025 wohl nicht möglich gewesen.

Luca Marini ließ Honda den Aufstieg in Concessions-Rang C bejubeln, Foto: Honda Racing Corporation
Luca Marini ließ Honda den Aufstieg in Concessions-Rang C bejubeln, Foto: Honda Racing Corporation

Birgt also speziell die Rücknahme des Freispruchs vom Engine-Freeze eine große Gefahr für Honda? Nein, findet zumindest Marini. Denn 2027 werden die aktuellen 1.000ccm-Motoren ohnehin von 850ccm-Antrieben abgelöst. Selbst mit der Entwicklungsfreiheit aus Concession-Rang D hätte sich 2026 bei Honda also nichts mehr getan, der Fokus liegt längst auf der neuen Ära: "Der Motor wird sich nicht mehr ändern. Es gibt keinen Grund mehr, noch viel mehr Zeit und Geld in ein weiteres Motorenupdate zu stecken. Wir sind zufrieden mit unserem aktuellen Motor. Wir haben für den Sepang-Test noch nach ein paar kleinen Details gefragt, aber danach wird er sowieso [bis zum Saisonende 2026, Anm.] gleich bleiben."

Hätte Honda den Sprung in Rang C schon Ende 2024 geschafft, wäre die Antwort möglicherweise anders ausgefallen. So scheint das Verlassen von Rang D aber ausschließlich positive Auswirkungen für den MotoGP-Giganten aus Asaka zu haben. "Für uns Werksfahrer ist das schön, während der Saison weniger [Privattests] zu haben. Denn in den letzten zwei Jahren haben wir dafür schon viel Energie aufwenden müssen", gab Marini erleichtert an. "Das sieht manchmal nach einem Vorteil aus, [kurz vor Grands Prix noch auf jener Rennstrecke testen zu können, Anm.], aber das ist es nicht immer. Das bedeutet auch einen weiteren Flug und zwei bis drei weitere Tage fernab von Zuhause. Das ist nicht einfach. So ist das viel besser."

Honda-Piloten sicher: Weniger MotoGP-Concessions nur gut, nicht schlecht

Ob sich der 28-Jährige keine Sorgen mache, dass Hondas Entwicklungsarbeit durch weniger Testmöglichkeiten etwas gebremst werden könnte? "Nein, ich bin da ziemlich entspannt", winkte er ab. Warum? "Weil wir, verglichen mit den letzten Jahren, jetzt ein sehr starkes Testteam haben. Wir haben uns da in diesem Jahr sehr verbessert. Nicht, weil Stefan [Bradl, Anm.] kein großartiger Fahrer wäre, überhaupt nicht. Aber einfach, weil wir unsere Arbeitsweise merklich verbessert haben." Dem stimmte auch Stallgefährte Mir zu: "Dass die Privattests während der Saison wegfallen, ist kein großes Drama. Denn wir haben jetzt eine funktionierende Basis, auf der wir aufbauen können. Wir werden natürlich versuchen, weitere Fortschritte zu machen und noch konkurrenzfähiger zu werden, aber selbst mit dieser Basis funktioniert unser Motorrad jetzt überall gut."

Abschließend gibt es auch noch einen weiteren Mutmacher für Honda: die italienische Konkurrenz aus Noale. Denn Aprilia zeigte 2025, dass man mit guter, durchdachter Arbeit auch in Concession-Rang C während einer Saison große Performance-Fortschritte erzielen und konstant um Rennsiege kämpfen kann. "Die Aprilias war in der zweiten Saisonhälfte sehr schnell, vielleicht sogar die Schnellsten. Das hat bei allen anderen etwas Angst erzeugt, dass sie so stark wurden", erkannte auch Mir. Diesem Beispiel will Honda 2026 nun folgen.

Was glaubt ihr: Kann es Honda Aprilia im kommenden Jahr gleichtun und ebenfalls zum regelmäßigen Anwärter auf MotoGP-Siege werden? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!

965 Stürze & 311.797 Fans: MotoGP 2025 – Rekord-Saison (06:33 Min.)