Vor gut einem Jahr schlitterte KTM in die Insolvenz. Der österreichische Motorradbauer hatte Schulden in Milliardenhöhe angehäuft. Ein Produktionsstopp und der Verlust von hunderten Arbeitsplätzen waren die Folge. Eine Situation, in der natürlich auch die zahlreichen Motorsportprojekte von KTM einer ungewissen Zukunft entgegenblickten. Monatelang etwa hielt sich die Vermutung, die Marke in Orange könnte Ende 2026 die MotoGP verlassen.

KTM-Boss mit klarem MotoGP-Bekenntnis

Ein derartiger Ausstieg ist mittlerweile vom Tisch. KTM wurde vom langjährigen indischen Partner und jetzigen Mehrheitseigentümer Bajaj gerettet. Auch unter der Schirmherrschaft aus Asien bleiben die Rennaktivitäten Kern der Identität, wie der neue CEO Gottfried Neumeister im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com klarstellt: "Der Motorsport hat für KTM eine ganz besondere Bedeutung. Gewisse Hersteller aus Japan oder Deutschland beantworten die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Motorsport sicher anders. Für uns ist 'Ready to Race' aber mehr als ein Slogan. Dadurch hat sich KTM über die letzten 40 Jahre differenziert. Und deswegen ist der Motorsport für die Marke KTM wichtiger als für jede andere Motorradmarke der Welt. Das ist unser Herz. Unsere Motorräder sind im Vergleich mit anderen Herstellern nicht günstig. Diesen Preis kann man nur über beste Performance rechtfertigen - und die zeigt man im Motorsport."

Klar ist aber auch: Motorsport ist teuer. Ein MotoGP-Projekt, wie es KTM betreibt, verschlingt zig-Millionen Euro pro Jahr. Seit einigen Monaten ist man in Mattighofen und Munderfing deshalb auf der Suche nach einem Investor, der einen Teil des finanziellen Aufwands stemmen soll. Derartige Geschäftsmodelle sind in der Formel 1 seit einigen Jahren üblich und werden nun - vor allem durch die Übernahme von MotoGP-Promoter Dorna durch F1-Rechteinhaber Liberty Media - auch in der Königsklasse auf zwei Rädern Einzug halten.

KTM sucht Investor: Wer steigt im MotoGP-Projekt ein?

KTM-Motorsportchef Pit Beirer sprach erstmals bei der Teampräsentation im Januar 2025 von einem Investorendeal. Seither wurden zahlreiche große Namen mit dieser Rolle in Verbindung gebracht, etwa Formel-1-Superstar Lewis Hamilton. Zuletzt schrieben Medienvertreter eine Übernahme des KTM-Projekts in der MotoGP durch den chinesischen Hersteller CFMoto, mit dem es seit Jahren eine strategische Partnerschaft gibt, herbei.

Maximo Quiles
Mit CFMoto verbindet KTM eine jahrelang Partnerschaft, Foto: IMAGO / Goal Sports Images

Eine CFMoto-Delegation sei deshalb bereits Anfang November nach Oberösterreich gereist, war da zu lesen. Eine Übernahme durch die Marke aus Fernost ist allerdings kein Thema, wie CEO Neumeister klarstellt: "Das kann ich ausschließen, denn es würde bedeuten, dass wir das Projekt komplett verkaufen. Es gibt viele Interessenten, die die Mehrheit übernehmen und unser Team selbst managen wollen. Das kommt für uns aber nicht in Frage. Motorsportchef Pit Beirer macht einen unglaublichen Job und soll das auch weiterhin tun. Wir haben eine Partnerschaft mit CFMoto. Nach der EICMA (Motorradmesse in Mailand, Anm.) habe ich den CEO und Eigentümer Lai Minjie, der eben schon in Europa war, eingeladen, hierherzukommen. Von diesem Besuch gab es ein Foto und daraus wurde dann konstruiert, dass wir an CFMoto verkaufen. Es ist unglaublich, wie solche Gerüchte entstehen."

KTM will sich nun im Idealfall in den kommenden Wochen für einen Investor entscheiden. Die Rahmenbedingungen dafür sind klar. "Wir fokussieren uns auf jene Gruppe an Finanzinvestoren, die damit einverstanden sind, eine Minderheit zu halten. Bei der Auswahl geht es nicht in erster Linie um Geld, sondern einen Mehrwert in Form von technischem Know-How oder Sponsoren. Zusammengefasst: Wir sind interessiert, jemanden in einer Minderheit dazuzuholen, aber wir werden die Kontrolle sicher nicht aufgeben", so CEO Neumeister.

Das ausführliche Interview mit KTM-CEO Gottfried Neumeister zur Rettung des Unternehmens und der Zukunft im Motorsport erscheint in unserer nächsten Printausgabe Nummer 106. Bestellen kannst du das Magazin ganz bequem hier.