Die Frage nach dem derzeit besten Moto2-Piloten ist schnell beantwortet. Manuel Gonzalez hat die letzten drei Rennen in Serie gewonnen und befindet sich voll auf Titelkurs. Dennoch ist es weiterhin sehr unsicher, ob er 2027 eine Chance in der MotoGP erhalten wird. Im Paddock und bei den Fans herrscht dafür großes Unverständnis, ebenso wie bei unserem Experten Tom Lüthi. Der Schweizer arbeitet als Rider-Coach bei Intact GP mit 'ManuGass' zusammen und kennt seine Qualitäten.

MotoGP-Experte Tom Lüthi begeistert von Manu Gonzalez: Ist extrem gereift!

"Das fragt er sich wie wir alle und das gesamte Umfeld um ihn herum natürlich auch", entgegnete Lüthi auf die Frage, warum Gonzalez nicht längst den MotoGP-Vertrag in der Tasche hat. "Der Manuel ist unglaublich, was er leistet. Er ist vom letzten Jahr zu diesem Jahr nochmals extrem gereift. Er ist im letzten Jahr Vize-Weltmeister geworden. Die zweite Saisonhälfte war nicht mehr ganz so konstant und nicht mehr ganz so gut wie die erste Saisonhälfte. Und dieses Jahr setzt er einfach alles um, was schiefgegangen ist im letzten Jahr. Er lernt aus Fehlern, er ist fokussiert und konzentriert. Er ist ein richtiger Arbeiter", lobte der Lehrer seinen Schüler in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins. Die gesamte Folge könnt ihr hier sehen:

Martin löst Massencrash aus - Lüthi: Nur an Kurve 1 gedacht! (35:49 Min.)

2025 war der lange fast sicher wirkende Titel noch in sich zusammengebrochen. Diogo Moreira übertrumpfte den Spanier und fährt nun in der Königklasse. Andere wären an diesem Rückschlag vielleicht zerbrochen, doch Gonzalez schlägt stärker denn je zurück. "Ich bin wirklich beeindruckt von ihm, wie er das auch mit einer extremen mentalen Stärke durchziehen kann. Er hat uns das auch im letzten Rennen in Ungarn gezeigt, wo er wirklich großen Druck hatte von Filip Salac", berichtet Lüthi.

Füße immer auf dem Boden: Arbeiter Manu Gonzalez hat das Zeug für die Königklasse

Die richtige Einstellung sei der große Trumpf des WM-Führenden: "Er musste wirklich am Limit fahren, schnell fahren, aber trotzdem keine Fehler machen. Das ist eine extreme mentale Belastung. Der Manu hat nach dem Rennen auch gesagt, er sei kaputt, sei fertig. Das war ein hartes Stück Arbeit. Aber das bekommt er immer wieder hin. Er ist ein fokussierter Arbeiter, mit beiden Füßen am Boden."

Manu Gonzalez und Tom Lüthi in der Boxengasse
Tom Lüthi (l.) arbeitet eng mit Manu Gonzalez (m.), Foto: Intact GP

Genau dank dieser Grundlage traut Tom Lüthi seinem Schützling daher auch eine Karriere in der Königklasse zu: "Er hebt nicht ab und das ist das, was ihn auszeichnet. Ich bin überzeugt, wenn er den Platz bekommt in der MotoGP-Klasse, wird er sicher seine Zeit brauchen, aber dann wird er auch dort seinen Weg gehen und wird sich über eine gewisse Zeit nach vorne arbeiten können."

Dabei käme bei einem Debüt im Jahr 2027 noch erleichternd hinzu, dass ein bestimmtes Stück Arbeit wegfallen oder zumindest deutlich leichter werden würde: "Das technische Reglement ändert sich. Die Reifen werden anders sein in der MotoGP-Klasse. Es werden Pirelli-Reifen sein und die Jungs in der Moto2 Klasse sind bereits mit Pirellis unterwegs. Zurzeit ist die Moto2-Klasse so ein bisschen zusammen mit der World Superbike Meisterschaft die Entwicklungsklasse für die Reifen der MotoGP für das nächste Jahr. Das heißt natürlich ein Rookie aus der Moto2 kennt die Reifen schon. Es ist ein technisches Bauteil weniger, das er kennenlernen muss. Und deshalb ist es wirklich ein idealer Moment für den Schritt in die MotoGP-Klasse als Rookie im Jahr 2027."

Manu Gonzalez macht einfach weiter, denn: Es gibt nichts Neues...

Nur wer bietet Manu Gonzalez diesen Schritt an? Zuletzt gab es nur Gerüchte um Trackhouse, doch nach seinem erneuten Sieg in Ungarn konnte der Spanier weiter nichts zu seiner Zukunft sagen: "Ich bin in derselben Lage wie in Mugello. Ich würde euch gerne etwas mitteilen, aber ich kann nicht, weil es nichts gibt." Zumindest wächst der öffentliche Druck, denn Morosport-Magazin.com berichtet bei Weitem nicht als einziges Medium davon, dass dieser Mann eine Chance in der Königsklasse bekommen muss.

Derweil zeigt Gonzalez selbst einfach weiter die Einstellung, welche Tom Lüthi so an ihm schätzt. "Ich mache einfach nur meinen Job und tue das, was in meiner Hand liegt. Das Team leistet perfekte Arbeit", gibt er bescheiden an. Wenn der Intact-Pilot das weiter durchzieht, dann führt der Moto2-Titel nur über ihn. Und wenn er dann wirklich keinen Platz in der MotoGP bekommen sollte, während mindestens drei der von ihm geschlagenen Konkurrenten (David Alonso, Dani Holgado und Izan Guevara gelten bereits als sicher) aufsteigen dürfen, dann wäre das nichts anderes als ein klares Versagen des Systems.

Wenn ihr den Überblick haben wollt, wo die Reise im MotoGP-Fahrermarkt hingeht, dann empfehlen wir euch unsere letzte Zusammenfassung der Lage: