Drei Siege in den letzten vier Grands Prix - Marc Marquez ist nach seinem Verletzungscomeback längst wieder der Mann der Stunde in der MotoGP. Auch wenn er sich selbst nur unter einer Bedingung wieder im Rennen sieht, scheint der WM-Titel auch 2026 nur über ihn zu gehen. Doch es gibt auch Widerstand. Denn das Team der Stunde ist nicht etwa Marquez' Ducati-Truppe, sondern Trackhouse Racing. Das jüngste Team der MotoGP ist seit Wochen ebenfalls in Topform und auf bestem Weg, im Paddock immer mehr Anhänger für sich zu gewinnen.

Stefan Bradl und Alex Hofmann schwärmen: Trackhouse hat den Gresini-Spirit

"Ich glaube, dass dort so ein bisschen die Gresini-Stimmung reingekommen ist", schwärmt etwa Stefan Bradl in seiner Rolle als Experte bei 'ServusTV'. Die italienische Mannschaft von Nadia Padovani hatte in den letzten Jahren mit kleinen Mitteln ebenfalls sehr große Erfolge gefeiert, landete 2025 in Fahrer- und Team-WM etwa auf Rang zwei. "Sehr familiär, da ist Euphorie drin. Man hat nicht die gleiche Arbeit wie im Werksteam, Teile zu entwickeln und auszuprobieren. Man kann einfach drauf losfahren und das Momentum liegt jetzt bei ihnen", erklärt Bradl und freut sich: "Das ist schön, dass sie mit Raul Fernandez und Ogura über die letzten Rennen so stark performt haben. Das Werksteam steht sich dagegen gerade etwas selbst im Weg."

Ogura als WM-Anwärter? Lüthi: Aprilia will Werksteam vorn haben (33:49 Min.)

Tatsächlich sprechen die Zahlen der letzten vier Grands Prix eine deutliche Sprache. Während Marco Bezzecchi und Jorge Martin seit Ungarn nie über Platz drei (2x) hinauskamen, waren Ai Ogura und Raul Fernandez im gleichen Zeitraum acht Mal auf dem Podium vorzufinden. In Assen wurde Trackhouse dank ihnen nach der Ducati-Werkstruppe sogar zum erst zweiten Team der MotoGP-Geschichte, das am gleichen Wochenende Doppelsiege in Sprint und Grand Prix erzielen konnte. Am Sachsenring schaffte es Trackhouse dann auch noch als erstes Privatteam seit Pramac 2023, zweimal in Folge mit beiden Piloten auf dem Grand-Prix-Podium zu landen.

"Trackhouse macht unter Davide Brivio, was sie schon damals bei Suzuki gemacht haben. Sie haben etwas limitiertes an Technik und daraus machst du das Beste", lobt auch der zweite ServusTV-Experte und Ex-MotoGP-Pilot Alex Hofmann. "Du konzentrierst dich nur darauf, dass die Fahrer Spaß haben, dass sie die richtigen Reifen reinstecken und das Setup passt. Dass sie einfach nur Moped fahren. Das hört sich so lapide und leicht an, aber genau das ist die Herangehensweise. Im Werksteam bist du gefordert, Entwicklungsarbeit zu leisten und Teile zu testen, bessere Strategien zu haben. All das. Und das muss nicht immer ein Vorteil sein."

Trackhouse hatte zuletzt häufig Grund zur Freude, Foto: Trackhouse Media
Trackhouse hatte zuletzt häufig Grund zur Freude, Foto: Trackhouse Media

Ohne den Druck eines dahinterstehenden Werkes zu haben, kann Trackhouse befreit auffahren - und das macht die US-Amerikanische Truppe aktuell in Perfektion. Kein anderes MotoGP-Team hat seit dem Frankreich-GP Anfang Mai mehr Punkte gesammelt. In der Team-Weltmeisterschaft - in der bislang nur die Plätze neun (2024) und sieben (2025) zu Buche standen - liegt Trackhouse zur Sommerpause auf Rang zwei, nur 41 Punkte hinter dem Aprilia-Werksteam. Kann die aktuelle Form auch in der zweiten Saisonhälfte aufrechtgehalten werden, ist der erste Titelgewinn schon im dritten MotoGP-Jahr durchaus möglich. Mit Ogura und Fernandez sind auf dem Papier auch beide Piloten noch im Rennen um die Fahrer-Weltmeisterschaft.

Übersicht: Die Punkteausbeute der MotoGP-Teams seit Le Mans

PlatzTeamPunkte seit Le Mans
1.Trackhouse251
2.Ducati242
3.Aprilia203
4.VR46134
5.KTM118
6.Gresini99
7.Honda74
8.Yamaha62
9.Tech356
10.LCR49
11.Pramac30

"Die Aprilia RS-GP scheint das rundeste Bike zu sein und die beiden machen jetzt das, was Gresini früher immer bei Ducati gemacht hat", stimmt Hofmann Bradl zu. "Sie bekommen gutes, erprobtes Material. Sie wissen, dass es funktioniert und gut ist. Das ist vielleicht nicht immer die letzte Stufe, die neuste Software, aber du kannst dich nur auf das Motorradfahren konzentrieren und das ist manchmal, bei diesen vielen Optionen in der MotoGP, eine tolle Variante. Du hast nicht den Werks-Druck, du musst nicht performen. Du kannst aber."

Alex Hofmann sieht Chance auf MotoGP-WM-Titel für Ai Ogura

"Du hast nicht viel Auswahl, weißt aber ganz genau, was du zur Verfügung hast und somit wird oftmals der erste Trainingstag leichter. Du hast dann schon den besseren Reifen gefunden, den besseren Rhythmus. Du musstest nichts testen, dein Motorrad ist nicht stehen geblieben. Und so kommst du über das Wochenende in eine positive Spirale rein und bist dann am Sonntag da und performst", so Hofmann weiter.

Speziell Ogura traut er im weiteren Saisonverlauf deshalb noch einiges zu: "Er hat gar nichts mehr zu verlieren. Er weiß, wo es 2027 für ihn hingeht [zu Yamaha, Anm.] und er wird mit jedem Sieg noch selbstbewusster. Er weiß mittlerweile, dass er auf jeder Strecke um das Podium fahren kann. Ich will deshalb am Ende des Jahres einen Zweikampf zwischen Marc und Ogura nicht mehr ausschließen. Weil wenn sie so weiter machen, müssen sie den Moment nutzen. Was nächstes Jahr kommt, weiß keiner. Aber wir wissen, was wir dieses Jahr haben und das machen sie sehr gut. Gresini hat es früher vorgemacht und jetzt macht es Trackhouse halt nach."

Was meint ihr: Kann Trackhouse Racing in diesem Jahr bis zum Ende um einen oder sogar beide WM-Titel mitfahren? Sagt es uns in den Kommentaren!

Was das Gresini-Team so besonders macht und warum sie ein Geschenk für die MotoGP sind, verrät euch unterdessen Tobias in diesem Artikel: