Kann ein MotoGP-Rookie zu gut sein? Natürlich nicht, aber Diogo Moreira bringt seinen Arbeitgeber Honda mit zuletzt bärenstarken Auftritten ein bisschen in die Bredouille. Sollte ein solches Juwel nicht befördert werden?

Umsichtiger MotoGP-Schüler: Diogo Moreira arbeitet sich Schritt für Schritt weiter

"Das Rennen in Mugello war positiv und hier ist uns ein weiterer Fortschritt gelungen. Wir werden sehen, was in Brünn geht. Wir sollten diesen Schwung aufrechterhalten. Uns gelingen immer weiter kleine Schritte. Damit sind wir zufrieden und sollten jetzt einfach so weitermachen", gab der LCR-Pilot nach dem Wochenende in Ungarn an. Den zweiten Grand Prix in Folge hatte er die meisten Punkte aller Piloten einer RC213V gesammelt.

Diogo Moreira erkämpfte sich Rang sechs in Ungarn, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Diogo Moreira erkämpfte sich Rang sechs in Ungarn, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Moreira sorgt nicht unbedingt für Schlagzeilen, doch das ist gut so. Gravierende Rookie-Fehler sind nicht zu finden. Stattdessen lernt er Schritt für Schritt, zeigt Umsicht und versucht nicht das Unmögliche. Beim Startcrash am Balaton Park zeigte ausgerechnet der unerfahrene Brasilianer, wie es richtig gegangen wäre: "Ich war vorsichtiger in Kurve 1. Gestern [im Sprint, Anm. d. Red.] habe ich sehr spät gebremst und heute dachte ich mir: Das ist ein langes Rennen und ich muss einfach Kurve 1 überstehen. Erst danach beginnt das Rennen."

David Alonso direkt ins Werksteam? Moreira torpediert Honda-Pläne

Diese Weisheit hätte Crash-Verursacher Jorge Martin gut zu Gesicht gestanden. Doch auch bei Moreira lief nicht alles glatt, was dieser aber locker wegzustecken vermochte: "Danach [nach der Startkollision, Anm. d. Red.] lag ich auf Platz 3, aber ich konnte die Front [gemeint ist das Holeshot-Device, Anm. d. Red.] bis Kurve 4 nicht deaktivieren. Leider haben mich dann also noch viele Fahrer überholt. Aber wir haben ein gutes Rennen gezeigt." Obwohl das wohl nervigste Bauteil an einem MotoGP-Motorrad wieder einmal streikte, holte der Neuling mit Rang sechs sein bisher bestes Karriere-Resultat.

Martin löst Massencrash aus - Lüthi: Nur an Kurve 1 gedacht! (35:49 Min.)

Niemand im Paddock zweifelt, dass da in Zukunft noch mehr kommen wird. Honda hat sich ein großes Talent gesichert, aber damit auch ein Luxusproblem geschaffen. Mit David Alonso kommt 2027 ein weiteres Supertalent aus der Moto2 und offenbar wurde dem Kolumbianer sogar der Stammplatz im Werksteam neben Starverpflichtung Fabio Quartararo versprochen. Diese Pläne könnten nun aber wanken. Während Moreira immer besser wird, fährt Alonso bisher eine durchwachsene Saison.

Moto2-Pilot David Alonso
David Alonso wird mit Honda in die MotoGP aufsteigen, Foto: IMAGO / NurPhoto

Weg ins Werksteam offen für Diogo Moreira? LCR-Boss: Entscheidung liegt bei Honda

"Ich weiß es noch nicht. Ich habe einen Vertrag, also bin ich glücklich. Ich habe ein Motorrad für nächstes Jahr, aber wo weiß ich noch nicht. Wir werden es sehen", sagt Diogo Moreira zu seiner Zukunft. Wenn ein weiteres Jahr LCR für ihn bereits feststehen würde, dann könnte er dies ja auch offen so kommunizieren. Honda hat er mit seinen Leistungen offenbar bereits ins Grübeln gebracht.

Dass dies der Fall zu sein scheint, bestätigt auch LCR-Gründer Lucio Cecchinello. "Wir hoffen, weiterhin mit ihm zusammenzuarbeiten, aber sollte Honda beschließen, ihn ins Werksteam zu holen, wird dies unsere Beziehung zu Honda nicht beeinträchtigen, und wir freuen uns dann auf ein anderes Projekt", gibt er vielsagend an. Das andere 'Projekt', wie der Italiener es nennt, wäre dann natürlich David Alonso.

LCR würde Moreira gerne behalten, Foto: LCR Honda
LCR würde Moreira gerne behalten, Foto: LCR Honda

Auf die sportlichen Aussichten der Fahrer sieht Checchinello bei einem Wechsel der Pläne aber keinen Einfluss: "Wir arbeiten seit 20 Jahren mit Honda zusammen. Wir verfügen mittlerweile im Grunde über dasselbe Material und dieselben Teile, sodass es eigentlich keine Unterschiede zwischen dem Werksteam und LCR gibt. Es geht hier mehr um einen zweifellos prestigeträchtigeren Platz." Ob doch Moreira diesen bekommen könnte, liegt nun rein in den Händen von Honda. Der Brasilianer selbst will sein Bewerbungsschreiben dafür weiter aufpolieren: "Sie müssen das entscheiden. Wir machen nur unseren Job. Wir müssen jetzt so weitermachen und am Ende wird das etwas einbringen."

Nicht nur über sein eigenes Resultat durfte sich Moreira in Ungarn freuen. Ein guter Freund trumpfte als Ersatzfahrer groß. Iker Lecuona nutzte seine Leistung auch für einen Seitenhieb gegen Superbike-Kritiker: