Das elektrisierende Duell zwischen Marc Marquez und Pedro Acosta, dazu die von Jorge Martin ausgelöste Massenkarambolage in Kurve eins - die MotoGP hatte am Sonntagnachmittag gleich zwei bestimmende Themen. Komplett unter ging dadurch, welch fantastische Leistung ein Fahrer gezeigt hatte, der sieben Tage zuvor noch gar nicht wusste, dass er überhaupt am Ungarn-Grand-Prix teilnehmen würde.

Iker Lecuona feiert großartiges MotoGP-Comeback in Ungarn

Die Rede ist natürlich von Iker Lecuona. Der 26-Jährige aus Valencia sprang im Gresini-Team spontan als Ersatz für den verletzten Alex Marquez ein, nachdem VR46 Racing wohl ein Veto gegen einen Auftritt ihres zukünftigen Stammfahrers Nicolo Bulega eingelegt hatte. Ohne Vorbereitung ging es für Lecuona deshalb an den Balaton Park, wo er immerhin erst vor fünf Wochen mit der Superbike-WM am Start gewesen war. Auf einem MotoGP-Bike saß er aber zuletzt im Herbst 2023, damals noch bei LCR Honda als Ersatz für Alex Rins.

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"Was für eine großartige Rückkehr in dieses Paddock", strahlte Lecuona am Sonntagabend deshalb nicht schlecht, nachdem er im Ungarn-GP wenige Stunden zuvor als Siebter (!) über die Ziellinie gefahren war. Ja, richtig gelesen: Als Siebter. "Ich bin so, so glücklich und freue mich sehr, mich so weit vorne zu sehen. Das war natürlich nicht das Ziel. Ich möchte mich nochmal bei Ducati, Gresini und Nadia [Padovani, Anm.] für diese großartige Chance bedanken. Ich denke, ich konnte zeigen, welchen Speed und welches Potenzial ich habe."

Während seiner zwei Jahre als MotoGP-Stammfahrer bei Tech3-KTM in den Jahren 2020 und 2021 war ihm das leider noch sehr selten gelungen, ein sechster Platz im chaotischen Österreich-GP 2021 [den Brad Binder im Regen auf Slicks gewann, Anm.] blieb damals sein bestes Resultat. Deshalb fand die Nummer 27 zur Saison 2022 dann auch keinen Platz mehr in der Königsklasse und musste zum Honda-Werksteam in die Superbike-WM wechseln. Nun egalisierte Lecuona mit Platz sieben in Ungarn aber mal eben sein bislang zweitbestes Ergebnis als MotoGP-Pilot.

Iker Lecuona beeindruckt in Ungarn: Superbike-WM doch nicht so schlecht!

Was das ganze noch beeindruckender macht: Um ein ähnliches gutes Resultat eines Ersatzfahrers zu finden, müssen wir bis zum Portugal-GP 2020 und zu Stefan Bradl zurückgehen. Auch er wurde als Vertreter von Marc Marquez damals Siebter. Besser schnitt ein Ersatzfahrer letztmals sogar beim Saisonfinale 2012 in Valencia ab, damals fuhr Katsuyuki Nakasuga als Zweiter auf das Podium. Rein auf dem Papier war das also die beste Leistung eines Ersatzfahrers seit Jahren. Natürlich muss auch erwähnt werden, dass Lecuona am Sonntag massiv vom Startcrash profitierte. Aber auch er selbst weiß: "Ohne diesen Unfall wäre ich Zwölfter geworden und das ist immer noch sehr gut. Ich war in keiner einzigen Session Letzter."

Iker Lecuona mischte in Ungarn problemlos im Mittelfeld mit, Foto: Gresini Media
Iker Lecuona mischte in Ungarn problemlos im Mittelfeld mit, Foto: Gresini Media

Tatsächlich legte die Gresini-Aushilfe schon am Freitag stark los, schrammte im Training nur um 0,289 Sekunden an der direkten Q2-Qualifikation vorbei. Im Qualifying wurde es dann Startplatz 17, im Sprint nach rundenlangem Zweikampf mit Fabio Quartararo Platz 18. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass Lecuona dank der Desmosedici auch einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Ersatzfahrern der letzten Jahre gehabt hätte, die beispielsweise bei Honda oder Yamaha einspringen mussten. Aber die Ducati steht beispielsweise auch Franco Morbidelli zur Verfügung und der war das gesamte Ungarn-Wochenende über langsamer als Lecuona.

Kein Wunder also, dass der 26-Jährige nicht auf eine kleine Lobrede auf sich und seine Superbike-Kollegen verzichten konnte. Denn die WorldSBK war in den letzten Jahren immer mal wieder als eine Art MotoGP-Resterampe bezeichnet worden. Doch dem ist ganz offensichtlich nicht so. "Das Level in der Superbike-WM ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Nicolo [Bulega] und ich fahren auf einem fantastischen Niveau. Das Level ist nicht so schlecht, wie die Leute immer sagen. Ich kam hier ohne Erfahrung her. Ich saß seit drei Jahren nicht mehr auf einem MotoGP-Bike und noch nie auf einer Ducati. Alles war neu für mich", erinnerte Lecuona und streute sich deshalb selbst Rosen: "Ich habe einfach richtig gute Arbeit geleistet und gezeigt, welches Niveau wir in der Superbike-WM haben."

Nicolo Bulega (#11) und Iker Lecuona (#7) sind in der WorldSBK das Maß der Dinge, Foto: IMAGO / Orange Pictures
Nicolo Bulega (#11) und Iker Lecuona (#7) sind in der WorldSBK das Maß der Dinge, Foto: IMAGO / Orange Pictures

Noch mehr MotoGP-Auftritte für Iker Lecuona in Sicht?

Dort geht es für Lecuona nun auch erstmal weiter, am Wochenende (12. bis 14. Juni) steht das Event in Misano auf dem Programm. Primäre Aufgabe dort: Endlich Bulegas Siegesserie unterbrechen und selbst den ersten Sieg als Ducati-Werkspilot einfahren. Wie es danach dann weitergeht, ist noch unklar. Vielleicht warten in Brünn (19. bis 21. Juni) und/oder Assen (26. bis 28. Juni) weitere MotoGP-Auftritte. "Wir werden sehen. Ich hoffe jetzt aber erstmal, dass Alex wieder vollständig gesund wird. Bis jetzt weiß ich von nichts", meint Lecuona. Zeit hätte er jedenfalls. Die Superbike-WM fährt nach Misano erst Mitte Juli wieder im Donington Park.

Wie habt ihr die Leistung von Iker Lecuona im Ungarn-GP wahrgenommen? Stimmt ihr im zu, dass die Superbike-Piloten etwas 'underrated' sind? Und würdet ihr Lecuona gerne nochmal in der MotoGP sehen? Sagt es uns in den Kommentaren!

Für Gesprächsstoff sorgt derweil weiterhin der von Jorge Martin ausgelöste Startunfall. Unser Experte Tom Lüthi gibt in der neusten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins seine Einschätzung ab. Hier könnt ihr sie euch ansehen:

Martin löst Massencrash aus - Lüthi: Nur an Kurve 1 gedacht! (35:49 Min.)