Dass Franco Morbidelli aufgrund mangelnder Leistung keine Zukunft in der MotoGP über die Saison 2026 hinaus haben wird, ist seit Langem bekannt. Doch was dem Römer in Ungarn widerfuhr, schlug dem Fass den Boden aus. An jedem Tag erlebte er neue Tiefschläge und blieb ratlos zurück. Über den Tiefpunkt einer Karriere in drei Akten.

Akt 1 - Freitag: Der MotoGP-Ersatz ist auf Anhieb schneller

Bereits beim Heimrennen in Mugello eine Woche zuvor hatte der VR46-Pilot eine herbe Klatsche hinnehmen müssen. Das konnte doch nicht schlimmer werden? Doch! "Furchtbar, das Gefühl war einfach furchtbar, wie schon im Rennen in Mugello. Damals war ich nur drei Zehntel schneller als Michele Pirro. Heute hatte ich gehofft, dass wir das wenden können, aber es war noch schlimmer als in Mugello. Ich konnte nichts tun und der Tag ging den Bach runter. Es gab keinerlei Grip und ich konnte nichts tun", lamentierte Morbidelli am Freitag nach dem Training.

Am Sonntag zuvor war er wenigstens noch schneller als der Ersatzpilot bei Gresini gewesen. Diesen gefallen tat ihm der neue Vertreter des verletzten Alex Marquez nicht mehr. "Wenn ich mich mit den Topfahrern von Ducati vergleiche, bin ich zwei Sekunden langsamer. Wenn ich mich mit Iker [Lecuona, der Ersatzfahrer bei Gresini, Anm. d. Red.] vergleiche, der heute erst auf das Bike gesprungen ist, dann bin ich drei Zehntel langsamer. Das ist sehr frustrierend", musste der Italiener schlucken.

"Ich kann auf dem Motorrad keine Performance rausholen. Ich kann keine Geschwindigkeit in die Kurven mitnehmen, weil das Limit so früh da ist, da das Heck sofort kollabiert. Ich kann nicht pushen", beschreibt er sein Elend. Überstunden sollten helfen: "Wir müssen arbeiten und das aussortieren. Es gibt keinen anderen Weg. Wir werden in der Nacht viel Zeit in der Garage verbringen müssen."

Schon am Freitag fuhr Morbidelli hinterher, Foto: VR46 Media
Schon am Freitag fuhr Morbidelli hinterher, Foto: VR46 Media

Akt 2 - Samstag: Franco Morbidelli 1,2 Sekunden langsamer als 2025

Harte Arbeit soll sich bekanntlich auszahlen, doch davon war in der Garage von Franco Morbidelli keineswegs etwas zu spüren. Der Samstag erwies sich als noch größeres Debakel. Wie schlimm? Lassen wir ihn am besten selbst sprechen: "Heute Morgen war ich 1,2 Sekunden langsamer als im Qualifying des letzten Jahres. Eins Komma zwei! Und heute Nachmittag hatte ich einen komplett anderen Sprint im Vergleich zum letzten Jahr. Da war ich hier auf dem Podium im Sprint. Damals fuhr ich das gesamte Rennen hinter Marc [Marquez]. Dieses Jahr fahre ich das gesamte Rennen hinter Quartararo, der große Probleme mit seinem Motorrad hat."

Morbidelli fuhr hinter den Yamahas, Foto: Yamaha Motor Racing Srl
Morbidelli fuhr hinter den Yamahas, Foto: Yamaha Motor Racing Srl

Morbidelli zeigte nicht einfach nur eine enttäuschende Leistung, sondern fuhr für Ducati-Verhältnisse wirklich gnadenlos hinterher. Platz 20 mit einem Rückstand von 20 Sekunden war eines MotoGP-Piloten mit einem der besten Motorräder im Feld schlicht unwürdig. Das weiß er auch selbst: "Wenn dir der Grip am Heck so sehr fehlt, dann hast du Probleme am Kurveneingang, am Ausgang, einfach überall. In diesem Feld sind zwei Zehntel bereits eine Menge. Dann stellt euch mal eine Sekunde vor." Tatsächlich verlor er sogar 1,5 Sekunden pro Runde auf Sieger Marc Marquez.

Akt 3 - Sonntag: Vom abgeschossenen Teamkollegen gedemütigt

Doch es ist bereist zu erahnen: Der Sonntag sollte dann noch die ultimative Demütigung bereithalten. Diese kam durch Teamkollege Fabio Di Giannantonio, der den 31-Jährigen ohnehin bereits die gesamte bisherige Saison über deklassiert. Diesmal wurde es aber richtig heftig. 'Diggia' war im von Jorge Martin ausgelösten Startcrash abgeräumt worden, konnte aber wieder aufsteigen und dem Feld hinterherfahren. Am Ende der ersten Runde betrug sein Rückstand auf den Teamkollegen daher 15,3 Sekunden. Am Ende wurde Di Giannantonio Zwölfter und Morbidelli kam drei Sekunden dahinter auf Platz 14 ins Ziel. Der teaminterne Klassenunterschied wurde brutal aufgezeigt.

MotoGP-Massencrash in Ungarn: Martin-Strafe für Diggia zu wenig (09:07 Min.)

Ohne auf die Demütigung direkt einzugehen, blieb Morbidelli nur noch Galgenhumor: "Noch ein schöner Tag, noch einmal Platz 14. Ich scheine mittlerweile in gutem Rhythmus auf Rang 14 zu landen." Bereits in Austin, Frankreich und eben in Mugello war er auf dieser Position ins Ziel gekommen. Und vermutlich könnten da noch weitere hinzukommen: "Ich fahre herum wie auf Eis. Es ist mit jedem Motorrad, auf jedem Setup und unter allen Bedingungen so. Wir arbeiten lange mit den Ingenieuren, um zu verstehen, was los ist. Aber momentan finden wir einfach keine Lösung." Dass dieser Mann einst MotoGP-Vizemeister war, ist heutzutage nurmehr schwer zu glauben. Es sieht nach einem mehr als unwürdigen Abschiedsjahr für ihn aus.

Was mit einer Ducati eigentlich gehen kann, bewies Weltmeister Marc Marquez eindrucksvoll. Ist er nun sogar wieder im WM-Kampf? Das sagt der Spanier: