Seit 18. November ist es offiziell. Der indische Automobil- und Motorradbauer Bajaj übernimmt alle Anteile am KTM-Mutterkonzern Pierer Mobility AG und erwirbt somit 'indirekt die Kontrolle' über das Unternehmen, wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt. Ein Schritt, der sich bereits seit längerer Zeit abgezeichnet hat.

Bajaj-Interview sorgt für Bangen bei KTM

Mit der Einflussnahme aus Indien gehen in Oberösterreich Ängste um die Zukunft der Standorte in Mattighofen und Munderfing einher. Vor einigen Wochen befeuerte Vorstandschef Rajiv Bajaj diese mit Aussagen in einem indischen Fernsehinterview zusätzlich. "Die europäische Fertigung ist tot", sagte er da.

Nun konnte Bajaj seine damalige Einschätzung klarstellen. Eine oberösterreichische Wirtschaftsdelegation reiste dieser Tage nach Indien, wo es auch zum Treffen mit dem Firmenchef kam. "KTM wird immer ein österreichisches Unternehmen bleiben, das führend in Forschung, Design, Entwicklung, Engineering, Racing sowie in der Produktion und dem Vertrieb erstklassiger großer und spezialisierter Motorräder in bevorzugten Märkten sein wird", so Bajaj. Seine ursprüngliche Aussage sei lediglich auf die Massenproduktion bezogen gewesen, wo man die KTM-Stärken mit "kostenwettbewerbsfähigen Großserienaktivitäten in Indien und den Vertrieb in aufstrebenden Märkten ergänzen" will.

Indische Fertigung als Vorbild für KTM

Dass die Massenfertigung in Indien für das Unternehmen interessant ist, liegt auf der Hand. Ein Getriebe etwa könne man dort um 78 Prozent günstiger produzieren als in Österreich, rechnet Vorstandsmitglied Pradeep Shrivastava vor. Im von der Wirtschaftsdelegation besuchten Werk in Pune produzieren 1000 Mitarbeiter schon jetzt monatlich 20.000 Motorräder der Marken KTM, Husqvarna und Triumph - dank Sechs-Tage-Woche, aber auch modernster Automatisierungstechnik.

Gottfried Neumeister posiert vor Pokalen
Als KTM-CEO zieht Gottfried Neumeister die Fäden in Österreich, Foto: KTM / Tschann E.

Diese soll nun auch zum Vorbild für die Produktion in Mattighofen werden. Ebenso steht der beträchtliche Verwaltungsapparat auf dem Prüfstand. Hierbei vertrauen die Inder allerdings vollends auf die Einschätzung des neuen CEOs Gottfried Neumeister, der im vergangenen Winter dem langjährigen Firmenchef Stefan Pierer nachgefolgt war.

Ein Ende für den KTM-Standort Österreich scheint angesichts der neuesten Entwicklung äußerst unrealistisch. Komplexe Bereiche - und damit auch die Rennsportabteilung rund um das MotoGP-Projekt - werden im Stammhaus bestehen bleiben. Und selbst eine Verlegung der Produktion nach Indien dürfte vom Tisch sein. Bajaj sah gegenüber der oberösterreichischen Wirtschaftsdelegation dort großes Potenzial für neue KTM-Produkte und verwies gleichzeitig auf eigene Wachstumspläne, womit in Indien gar keine Kapazitäten für eine zusätzliche KTM-Fertigung frei wären.

Ebenfalls in Österreich produziert werden die neuen MotoGP-Motoren für 2027 mit 850ccm. Einen ersten Eindruck des KTM-Triebwerks gibt es hier: