Nachdem wir uns am ersten Advent bereits Yamaha zugewandt haben, geht es nun in unserer Reihe der MotoGP-Jahreszeugnisse weiter mit dem zweiten einstigen japanischen Giganten: Honda. Vor dem größten Motorradhersteller der Welt liegt noch ein langer Weg, doch die ersten Schritte wurden 2025 trotz eines Totalausfalls getan.

MotoGP-Saison 2025: Mit Impulsen von außen gelingt Honda die Trendwende

Wie tief können sie noch fallen? Eine Frage, die nun endlich nicht mehr gestellt werden muss. Nach der katastrophalen Saison 2024 hat Honda die rote Laterne an Yamaha abgegeben. Aus 75 Punkten in der Konstrukteurswertung wurden deren 285. So sehr erfreute man sich über diese beachtliche Steigerung, dass erstmals eine eigens erstellte Pressemitteilung mit den in Zahlen gegossenen Fortschritten ausgeschickt wurde. Der durchschnittliche Rückstand auf die Sieger wurde von knapp 30 Sekunden auf 13,5 Sekunden reduziert. Daraus errechnen die Japaner, dass sie um 57% schneller geworden sind.

Die Statistik zeigt Hondas Fortschritte in der MotoGP-Saison 2025 im Vergleich zu 2024
Hondas Steigerung in der Saison 2025 laut Honda, Foto: HRC

Ob der erfolgreichste Hersteller der Motorrad-Geschichte sich für einen vierten Platz in der Konstrukteurswertung derart selbstbeweihräuchern muss, sei dahingestellt. Die klare Steigerung im Vergleich zum absoluten Tiefpunkt des Jahres 2024 ist aber schlichtweg Fakt. Einen großen Anteil daran hatten sicherlich neu angeworbene Impulse von außen. Romano Albesiano wurde als neuer Technischer Direktor verpflichtet und mit ihm kam auch Aleix Espargaro als neuer Testfahrer aus dem Hause Aprilia.

Die Herangehensweise des Technikchefs aus Italien trägt immer mehr Früchte. Früher spuckte die Fabrik in Japan pausenlos neue Teile aus und diese wurden sofort an die RC213V geschraubt. Selbst Moto2-Hersteller Kalex durfte sich im Zuge der Verzweiflung des gefallenen Giganten mit Basteleien versuchen. Dieser Ansatz im Sinne von 'viel hilft viel' ist Geschichte. Schrittweises Vorgehen und Verstehen ist nun die Devise. Qualität hat Quantität klar hinter sich gelassen. Die (Werks-)Fahrer zeigen sich davon angetan und haben im Saisonverlauf klar profitiert. Blicken wir nun auf ihr Jahr 2025.

Aleix Espargaro kam als neuer Testfahrer, Foto: Honda Racing Corporation
Aleix Espargaro kam als neuer Testfahrer, Foto: Honda Racing Corporation

Joan Mir: Der Crashpilot lächelt wieder

Stellen wir eines zu Beginn gleich einmal fest: Joan Mir hat auch 2025 eine unzureichende Leistung gezeigt, denn der Ex-Weltmeister stürzte im Rennen wieder einmal deutlich zu oft. Dennoch könnte es das entscheidende Jahr in der Karriere des Spaniers gewesen sein. Die Tristesse der letzten beiden Saisons ließ immer stärker werdende Spekulationen über ein frühes Karriereende aufkommen. Doch jetzt hat Mir den Spaß an seinem Beruf zurückgefunden. Er kann wieder um das Podium kämpfen und hat dieses in Japan und Malaysia erreicht. Das ewige Lamentieren und Ärgern über den mangelnden Fortschritt seines Arbeitgebers ist einem Lächeln und Optimismus gewichen. Mirs Karriere kann doch noch einmal eine Wende zum Guten nehmen, das bleibt trotz zu geringer Punkteausbeute die wichtigste Erkenntnis.

Joan Mir durfte endlich wieder jubeln, Foto: IMAGO / SOPA Images
Joan Mir durfte endlich wieder jubeln, Foto: IMAGO / SOPA Images

Luca Marini: Mr. Zuverlässig liefert ab

Blicken wir auf den Punkteschnitt pro Rennen, so war Luca Marini gar der beste Honda-Fahrer der Saison. Nach einem schweren Sturz zur Vorbereitung auf die acht Stunden von Suzuka musste er drei Rennwochenenden auslassen. Danach fuhr er, als wenn nie etwas passiert wäre. Marini ist die Zuverlässigkeit in Person. Sein erster Sturz des Jahres in der MotoGP unterlief ihm am drittletzten Wochenende in Malaysia durch eine selbstverschuldete Kollision mit Pol Espargaro. Dazu liefert er weiterhin wichtigen Input für die Entwicklung. Es fehlten einzig die Highlights, denn das Podium blieb ihm trotz zahlreicher Platzierungen unter den ersten acht verwehrt. Dennoch war seine Vertragsverlängerung keineswegs kontrovers: Marini lieferte das, was Honda im aktuellen Zustand braucht und erwarten kann.

Luca Marini lieferte seinen Job ab, Foto: Tobias Linke
Luca Marini lieferte seinen Job ab, Foto: Tobias Linke

Johann Zarco: Vom Triumphzug ins Formloch

Johann Zarco hat sich in diesem Jahr Legendenstatus bei seinen Landsleuten erarbeitet. Die Gala im Regen von Le Mans war nicht nur die Fahrt des Jahres, sondern der erste Heimsieg eines Franzosen seit über 70 Jahren. Es war der Höhepunkt eines sensationellen Saisonbeginns mit durchweg großartigen Leistungen des Routiniers von LCR. Doch genau, als weitere Updates die Honda und das Werksteam erstarken ließen, konnte Zarco daran nicht weiter anknüpfen und verlor den Faden. Das Vertrauen fehlte plötzlich, das Setup-Fenster konnte nicht mehr getroffen werden und das Punktekonto stagnierte. Ordentliche Leistungen in den letzten drei Rennen deuteten aber bereits auf eine Befreiung aus dem Formtief hin. Dass Zarco die Vertragsverlängerung bis 2027 trotzdem verdient hat, muss nach seiner Gesamtleistung in den ersten beiden Honda-Jahren ohnehin nicht in Frage gestellt werden.

Johann Zarco sorgte für den Gänsehautmoment des Jahres, Foto: MotoGP Press
Johann Zarco sorgte für den Gänsehautmoment des Jahres, Foto: MotoGP Press

Somkiat Chantra: Wenn die MotoGP zwei Nummern zu groß ist

Leider gilt der Aufwärtstrend bei Honda nur zu drei Vierteln. Es gibt nichts schönzureden: Rookie Somkiat Chantra war schlichtweg nicht MotoGP-tauglich. Der Thailänder konnte die Honda zwar bewegen, ohne eine Gefahr für sich und andere darzustellen, aber vom Niveau der Königsklasse war er weit entfernt. Seine mickrigen sieben Punkte hat der stets freundliche Asiate allesamt in Rennen mit hoher Ausfallquote abgestaubt. So schön es für die motorradbegeisterten thailändischen Fans zum Saisonauftakt auch war, einen der ihren in der Königsklasse zu bejubeln: Mehr als seinen Vermarktungswert konnte Chantra nie bieten. Mit Diogo Moreira löst ihn nun folgerichtig ein großes Talent ab, das nicht nur aus Marketinggründen interessant ist.

Somkiat Chantra war von der MotoGP überfordert, Foto: LCR Honda
Somkiat Chantra war von der MotoGP überfordert, Foto: LCR Honda

Fazit: Der Weg scheint gefunden, doch der Star fehlt Honda noch

Böse Zungen würden wohl behaupten, dass es schlechter als 2024 gar nicht mehr laufen konnte. Das wird der Steigerung von Honda in der Saison 2025 aber nicht gerecht. Natürlich entsprechen die häufigen Platzierungen im Bereich von Platz sechs bis zwölf nicht dem eigentlichen Anspruch der größten Marke der Motorrad-Geschichte, aber die Tendenz ist erstmals seit Jahren wieder positiv, ebenso wie die Stimmung. Der Aufstieg in Concessions-Rang 'C' wurde als Bestätigung dieses Trends gefeiert, obwohl nun ein paar Privilegien wegfallen. Testfahrer Aleix Espargaro versprühte im Ausblick auf das Motorrad von 2026 trotzdem bereits Optimismus.

Es scheint eigentlich alles angerichtet für einen weiteren Fortschritt. Nur der absolute Spitzenfahrer des Formats eines Marc Marquez, Fabio Quartararo oder Pedro Acosta fehlt dafür noch. Joan Mir will beweisen, dass er dieser doch noch werden kann, und in Neuverpflichtung Diogo Moreira setzt Honda große Hoffnungen für die Zukunft. Dennoch könnte der Blick im nächsten Jahr nicht nur auf der weiteren technischen Verbesserung liegen. Auch auf dem Fahrermarkt könnte der Motorrad-Gigant mit einem klar verbesserten Motorrad wieder zuschlagen.

Was meint ihr? Wie bewertet ihr die Saison Hondas? Sagt es uns in den Kommentaren.