2026 wird die MotoGP gleich um zwei Nationen bereichert. Während beim Türken Toprak Razgatlioglu die fantastischen Leistungen aus der Superbike-WM allseits bekannt sind und große Vorfreude bei den Motorrad-Fans wecken, tönen Diogo Moreira von manchen Seiten Unkenrufe entgegen, er würde als Brasilianer vor allem Aufgrund des südamerikanischen Marktes in die Königsklasse geholt. Gegen diese Stimmen wehrt sich der baldige Honda-Pilot. Wir sind der Meinung: Er muss sich das völlig zurecht nicht bieten lassen!
Diogo Moreira macht Ansage: Bin in der MotoGP, weil ich gewinne!
Auch nach seinem Titelgewinn in der Moto2 sah sich Moreira genötigt, seinem Unmut Luft zu machen. "Viele Leute sagen, ich komme in die Meisterschaft, weil ich Brasilianer bin. An alle Leute, die das sagen: Ich habe die [Moto2-]Meisterschaft gewonnen. Ich komme in die MotoGP, weil ich Rennen gewinne", stellte er klar.

Natürlich kommt es äußerst gelegen, dass die MotoGP 2026 mit der Rückkehr nach Brasilien auf das Autodromo Internacional Ayrton Senna in Goiana einen Lokalmatador im Wachstumsmarkt am Start hat. Aber manchmal gibt es eben auch glückliche Fügungen, ohne dass dahinter Marketing oder gar eine Verschwörung stecken muss. Der Fehlschlag des Thailänders Somkiat Chantra hat wohl einige zu sehr auf die Idee gebracht, dass der zweite Pilot bei LCR Honda ausschließlich anhand von wirtschaftlichen Gesichtspunkten gewählt wird. Das ist dahingehend Unsinn, da Chantra von vornherein nur eine Notlösung darstellte. Wunschkandidat Ai Ogura ging lieber zu Trackhouse Racing und Honda wollte das hauseigene Nachwuchsprogramm nicht als obsolet dastehen lassen.
Verwechslungsgefahr: Diogo Moreiras Pass ist kein Marketing-Instrument
Im Zuge dieser Unterstellungen verbreitet sich dann noch gefährliches Halbwissen. Auch auf unserer Facebook-Seite von Motorsport-Magazin.com war in der Kommentarspalte bereits zu lesen, dass Moreira 'gar kein richtiger Brasilianer' sei. Dieses Phänomen gibt es für den südamerikanischen Markt tatsächlich. Moto2-Supertalent David Alonso startet für Kolumbien, ist aber in Madrid geboren. Auch Moto3-Pilot Valentin Perrone stammt aus Spanien und geht unter argentinischer Flagge an den Start.

Bei Diogo Moreira ist das aber ausdrücklich NICHT der Fall. 2004 in bescheidenen Verhältnissen in Sao Paulo geboren, hat er sich den Weg nach Europa und durch die einzelnen Klassen hart erarbeiten müssen. Er ist das genaue Gegenteil eines PR-Gags, er ist ein 'Selfmade Man'. Keine spanische Nachwuchsförderung, keine reichen Eltern, eine Jugend weitab der Heimat: Seine Herkunft war nie ein Privileg.
Großes Talent schon früh zu sehen: Marc Marquez, Francesco Bagnaia & Co. irren nicht
Aufgrund dieses steinigen Weges hatte er vor dem Moto2-Titel von 2025 auch noch wenig Beeindruckendes in der Vita stehen. Moreiras großes Potential war aber schon lange vor dem sportlichen Durchbruch in der abgelaufenen Saison bekannt. Bereits zum ersten Rennen 2023 wurden die MotoGP-Stars nach ihren damaligen Weltmeistertipps gefragt. Fünf von zehn befragten Fahrern nannten für die Moto3-Klasse den Namen Diogo Moreira. Und das sagte nicht irgendwer: Marc Marquez, Francesco Bagnaia, Joan Mir, Aleix Espargaro und Enea Bastianini dürfen wir ein Auge für Talent durchaus zutrauen. Oder glauben wir wirklich, dass sie alle nur brasilianische Sponsoren erfreuen wollten?
Letztlich wurde es damals nichts mit dem WM-Titel in der Moto3. Erst in der Moto2 startete Moreira so richtig durch. Honda und Yamaha rangen um seine Gunst und lockten mit mehrjährigen Verträgen, die in Zukunft bereits den Werksplatz zusicherten. Bemühen sich diese MotoGP-Giganten derart aufgrund eines Quotenfahrers, der nur Glück hat, den richtigen Pass zu besitzen? Rhetorischer kann eine Frage kaum sein. Sie wollten sich einen der kommenden Stars sichern. So wie es KTM mit Pedro Acosta tat oder Ducati mit Fermin Aldeguer. An letzterem wurde vor einem Jahr - wenn auch aus anderen Grünen - ebenfalls kräftig herumgemeckert. Jetzt ist er MotoGP-Sieger.

Honda macht alles richtig: MotoGP-Vertrag beflügelt Diogo Moreira nur umso mehr
Honda setzte sich am Ende im Werben um das nächste Talent durch und musste dies bisher nicht bereuen. Als der MotoGP-Aufstieg fixiert war, fuhr Moreira nur noch stärker. Standesgemäß steigt er nun als Moto2-Weltmeister auf. Und da sind wir auch beim Punkt: Einen berechtigen Aufschrei sollte es geben, wenn der Champion der mittleren Klasse nicht in die MotoGP käme. Dass er dann auch noch gut vermarktbar ist, stellt die Kirsche auf der Torte dar und kann für die europäisch und vor allem spanisch dominierte Klasse nur ein Gewinn sein. Manche Menschen suchen so lange mit der Lupe nach dem Haar in der Suppe, bis sie kalt wird. Diogo Moreira ist aber ein heißes Talent und hat den MotoGP-Aufstieg vollkommen verdient. Wir sollten uns auf den Motorrad-Samba freuen!
Dass der Aufstieg von der Moto2 in die MotoGP trotz allem Talent eine riesige Herausforderung darstellt, ist selbstredend. Hier könnt ihr die ersten Eindrücke Moreiras von seinem neuen PS-Monster lesen:



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