Es überrascht wenig: Die Schlagzeilen dominierte am Dienstag Toprak Razgatlioglu. Der dreimalige Superbike-Weltmeister gab in Valencia schließlich sein langersehntes MotoGP-Debüt in einer offiziellen Testsession. Wie würde er sich schlagen? Das wollte wohl die gesamte Motorrad-Welt wissen. Doch im Schatten von 'Stoprak' feierte am Dienstag auch noch ein zweiter Stammfahrer der Saison 2026 sein Königsklassen-Debüt: Diogo Moreira.

Erst am Sonntag Moto2-Weltmeister geworden, ging der 21-Jährige aus Brasilien einen ganz anderen Karriereweg als der bereits 29 Jahre alte Razgatlioglu und konnte - im Gegensatz zum ehemaligen Superbike-Superstar - bis zur ersten MotoGP-Ausfahrt am Dienstagmittag natürlich noch keinerlei Erfahrung auf derart leistungsstarken Motorrädern vorweisen. Wie seine ersten Eindrücke also ausfielen? LCR-Teamchef Lucio Cecchinello berichtete lachend: "Er sagte mir: 'Lucio, ich hab mir in die Hose gemacht! Diese Motorräder sind so kraftvoll und sie sind nicht nur schnell, sie sind wirklich, wirklich, wirklich schnell! Das ist überwältigend'."

Diogo Moreira musste sich erst an die leistungsstarken MotoGP-Bikes gewöhnen, Foto: LCR Honda
Diogo Moreira musste sich erst an die leistungsstarken MotoGP-Bikes gewöhnen, Foto: LCR Honda

MotoGP-Angst verfliegt schnell: Diogo Moreira mit gutem Debüt

Moreira selbst bestätigte diese Aussagen am Dienstagabend in seiner ersten Medienrunde als MotoGP-Pilot. "Während meiner ersten Ausfahrt habe ich mich fast nicht getraut, auf der Geraden das Gas komplett zu öffnen. Das war anfangs schon etwas beängstigend", gab er offen zu. Beschleunigung und Topspeed eines MotoGP-Bikes sind schließlich auch nicht mit Moreiras altem Arbeitsgerät aus der Moto2 zu vergleichen. Am Sonntag im Valencia-GP noch mit 278 km/h geblitzt, erreichte der 21-Jährige aus Sao Paulo nun eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h. Ein dezenter Unterschied also, doch die Angst wich der Freude zum Glück schnell: "Am Ende habe ich es sehr genossen, die letzte Ausfahrt lief schon ziemlich gut."

Eine beste Rundenzeit von 1:31.197 Minuten brachte Moreira am Ende zu stande. Damit landete er im im Klassement zwar auf dem vorletzten Platz - einzig VR46-Ersatzmann Celestino Vietti war noch langsamer - doch ein Rückstand von lediglich 1,824 Sekunden nach erst vier Stunden auf einem MotoGP-Bike kann sich zweifellos sehen lassen. Zur Einordnung: Ai Ogura büßte im Vorjahr bei seinem Königsklassendebüt 2,143 Sekunden ein, Fermin Aldeguer 1,761 Sekunden - und das bei fast doppelter Streckenzeit.

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"Ich denke, dass wir letztlich einen guten Job gemacht haben", bilanzierte Moreira daher. "Das Schwerste war heute wohl, die Bremsen zu verstehen. Du musst sie wirklich sehr gut aufwärmen. Da hatte ich anfangs Probleme, den richtigen Bremspunkt zu finden. Aber hintenraus hat das schon ganz gut geklappt." Der erste MotoGP-Test kann also als 'erfolgreich gemeistert' abgehakt werden. Die nächste Herausforderung bis zum Shakedown (29. - 31. Januar 2026) in Sepang? "Ich muss jetzt hart trainieren [und Muskeln aufbauen, Anm.]. Denn heute sind wir nicht allzu viele Runden gefahren."

"Werden Spaß haben" - Diogo Moreira bereits angriffslustig für MotoGP-Saison 2026

Kühle Temperaturen und nasser Asphalt hatten den Valencia-Test erst um 13:20 Uhr so richtig beginnen lassen. Knapp drei Stunden Testzeit gingen verloren, sodass am Tagesende 'nur' 55 abgespulte Runden für Moreira zu Buche standen. Da dürften 2026 noch ganz andere Hausnummern warten, in teils deutlich fordernderen Bedingungen. Angst hat der Moto2-Champion davor aber nicht. "Das wird gut werden nächstes Jahr. Die Honda sieht konkurrenzfähig aus, wir werden Spaß haben", offenbarte er bereits eine breite Brust. Keine Überraschung, findet Cecchinello: "Er ist zweifellos ein schneller Fahrer und es sind alle Anzeichen da, dass er auch in der MotoGP schnell sein wird. Wir müssen ihm natürlich Zeit geben, aber ich freue mich jetzt schon auf die Zusammenarbeit mit ihm!"

Was traut ihr Diogo Moreira 2026 zu? Kann er Toprak Razgatlioglu im Kampf um den 'Rookie des Jahres' fordern? Sagt es uns in den Kommentaren! Wie das MotoGP-Debüt von Letzterem verlief, könnt ihr derweil hier nachlesen: