Unverhofft lange mussten sich die MotoGP-Fans am Dienstag gedulden. Um 13:35 Uhr Ortszeit war es dann aber endlich soweit: Die erste Ausfahrt von Toprak Razgatlioglu in einer offiziellen Session der Königsklasse. Gleich zehn Runden spulte der amtierenden Superbike-Weltmeister in seinem ersten Run ab, steigerte sich dabei von 1:37.662 Minuten auf 1:33.062 Minuten. Erstmal nichts Weltbewegendes, war die Bestzeit von Raul Fernandez zu diesem Zeitpunkt doch schon knappe drei Sekunden schneller. Doch das sollte wahrlich nicht lange so bleiben.

Im zweiten Run fand 'Stoprak' sechs Zehntel, während der dritten Ausfahrt dann sogar weitere 1,2 Sekunden. Damit war Razgatliolgu bereits auf 1,7 Sekunden an die Spitze herankommen und schneller als Pramac-Teamkollege Jack Miller. Wahrlich kein schlechter Start also, auf den er im restlichen Tagesverlauf noch weiter aufbaute. Rund eine Stunde und 15 Minuten vor Toreschluss brannte Razgatlioglu seine beste Rundenzeit von 1:30.667 Minuten in den Asphalt, die ihn temporär sogar zum bestplatzierten V4-Piloten machte. Erst eine späte 'Timeattack' ließ Fabio Quartararo rund eine halbe Stunde vor Schluss noch mehr Zeit finden als die neue Nummer 7 der MotoGP.

Toprak Razgatlioglu gefällt beim offiziellen MotoGP-Test-Debüt

"Das war ziemlich gut. Er war nicht nervös und hat gute Arbeit geleistet. Wir konnten den gesamten Plan abarbeiten, den wir uns für ihn überlegt hatten", freute sich Yamaha-Teammanager Massimo Meregalli und sagte anschließend sogar: "Meiner Meinung nach hätte er keinen besseren Start haben können." Ein Blick auf das Endklassement des Valencia-Tests weist Platz 18 für Razgatlioglu aus. Definitiv kein schlechter Auftakt, zumal 'El Turco' nur 1,294 Sekunden auf die Tagesbestzeit verlor und sowohl Alex Rins (19.) als auch Miller (20.) hinter sich lassen konnte. "Wir können zufrieden sein", meinte daher auch Manager Kenan Sofuoglu.

Da Razgatlioglu noch bis Jahresende 2025 vertraglich an BMW gebunden ist, darf der dreimalige Superbike-Weltmeister aktuell noch nicht öffentlich über seine MotoGP-Tätigkeiten bei Yamaha sprechen. Auf die ersten Aussagen des 29-Jährigen gilt es also noch bis Januar 2026 zu warten. Sofuoglu teilte aber mit: "In Aragon [Privattest, Anm.] ging es für Toprak nur darum, das Team kennenzulernen und seinen Platz auf dem Motorrad zu finden. Das hier ist jetzt ein realistischer erster Test. Bei Yamaha verändert sich gerade viel, sie wechseln zum V4 und auch für sie ist vieles neu. Für Toprak geht es also erstmal nur darum, zu lernen und das macht er sehr gut."

Beachtliche 53 Runden spulte der Pramac-Neuling bis zum Testende um 17:30 Uhr Ortszeit insgesamt ab, einen Sturz gab es nicht zu verzeichnen. Das sah Sofuoglu zugleich positiv und negativ. "Wenn ich ihn mir [auf der Strecke, Anm.] ansehe, sehe ich nicht unseren Toprak. Er ist noch etwas ängstlich, weil er nur ein V4-Motorrad zur Verfügung hat und keinen Fehler machen will. Den richtigen Toprak werden wir wohl erst nach ein paar weiteren Tests sehen", kommentierte er und meinte daraufhin: "Auch ohne zu pushen, macht er das aktuell aber großartig. Es gibt noch viel Raum für Verbesserungen."

Toprak Razgatlioglu soll noch lange nicht am Leistungslimit fahren, Foto: Tobias Linke
Toprak Razgatlioglu soll noch lange nicht am Leistungslimit fahren, Foto: Tobias Linke

Ambitionierte Ziele: Toprak Razgatlioglu will 2026 bester Yamaha-Pilot sein

Worte, die allen Fans von 'Stoprak' gefallen werden. Nur 1,294 Sekunden Rückstand bei vorsichtiger Fahrt? Da dürfte also einiges gehen, sobald sich Razgatlioglu seinem vollen Potenzial nähert. Davon ist Sofuoglu jedenfalls überzeugt. "Er wird viele Leute im MotoGP-Paddock überraschen, denn er hat die nötigen Skills. Momentan pusht er noch nicht, er 'fährt' einfach nur, um nicht zu stürzen", unterstrich der viermalige Supersport-Weltmeister und ließ große Ambitionen für 2026 durchklingen: "Natürlich wird die MotoGP eine Herausforderung an sich, aber es gibt vier Yamahas und Toprak will der Beste von ihnen sein. Das wird nicht leicht, weil Fabio einer der besten Fahrer des Feldes ist. Aber mit ihm zu kämpfen, das wird unser Ziel für diese Saison."

Wahrlich kein leichtes, sammelte Fabio Quartararo in der gerade zu Ende gegangenen Saison 2025 doch alleine mehr Punkte als alle anderen Yamaha-Piloten kombiniert (201 zu 198 Punkte). Gänzlich aus der Welt gegriffen scheint das gesetzte Ziel aber auch nicht, denn 'El Diablo' zeigte sich am Dienstag bereits angetan von seinem Herausforderer. "Ich war ehrlich etwas überrascht, wie schnell er heute schon war. Ich glaube, dass er nächstes Jahr besser sein wird, als ich das ursprünglich gedacht hätte", meinte er und dem stimmte auch Alex Rins zu: "Ich war auch überrascht, als ich seine Rundenzeit gesehen habe. Sie haben mir dann gesagt, dass er zwei frische Softreifen aufgezogen hatte … aber du musst die Rundenzeit trotzdem erstmal fahren. Also ja, ich war schon überrascht, weil es erst sein zweites Mal auf einem MotoGP-Bike war."

Wie habt ihr Toprak Razgatlioglu beim Debüt im Valencia-Test wahrgenommen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Und keine Sorge, falls ihr nicht den ganzen Tag dabei sein konntet, dann könnt ihr hier nochmal alle wichtigen Geschehnisse vom Circuit Ricardo Tormo nachlesen: