Fünf Tage noch, dann ist es endlich soweit: Im Rahmen des Valencia-Tests am Dienstag wird Toprak Razgatlioglu sein heißersehntes MotoGP-Debüt geben. Wie wird sich der amtierende Superbike-Weltmeister schlagen? Diese Frage beschäftigt derzeit die gesamte Motorrad-Welt. Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits.
Während die aktuellen MotoGP-Stars am vergangenen Wochenende in Portimao ihre Runden drehten, nutzte Yamaha nämlich die eigenen Concessions-Vorteile und absolvierte an Sonntag (09.11.) und Montag (10.11.) einen zweitägigen Privattest in Aragon. Am Sonntag waren dabei noch die Testfahrer Augusto Fernandez und Andrea Dovizioso an der Reihe, um die V4-Motorräder für das bevorstehende Rennwochenende und den offiziellen MotoGP-Test in Valencia vorzubereiten, ehe am Montag dann Razgatlioglu ran durfte. Yamaha achtete dabei sehr auf Geheimhaltung, offizielle Informationen wurden nicht an die Öffentlichkeit weitergegeben. Es gab lediglich ein Posting in den Sozialen Medien mit zwei Bilder Razgatlioglus in der Garage.
Toprak Razgatlioglu überzeugt in privatem MotoGP-Test in Aragon
In den letzten zwei Tagen drangen dann aber doch noch einige Informationen durch. 'Motorsport.com' berichtete etwa, dass Razgatlioglu den kompletten Montag auf einem der beiden V4-Motorräder von Fernandez' letztem Wildcard-Auftritt in Sepang absolvierte und insgesamt 33 Runden drehte. Die beste Rundenzeit, die der künftige Pramac-Pilot dabei anschrieb: Eine 1:49.176 Minuten.
Verglichen mit Marc Marquez' Polezeit (1:45.704 Minuten) aus dem Aragon-Grand-Prix im Juni erstmal ernüchternd, war Razgatlioglu damit in seinem schnellsten Versuch doch knapp dreieinhalb Sekunden langsamer. Doch ein reiner Zeitenvergleich zeigt hier bei Weitem nicht die ganze Wahrheit. Honda-Pilot Aleix Espargaro, der Sonntag und Montag ebenfalls im Motorland testete, ordnete am Donnerstag vor seinem nächsten Wildcard-Auftritt in Valencia ein: "Ich habe ihn auf der Strecke gesehen und ich kann euch sagen, die Bedigungen waren extrem herausfordernd. Wir hatten vielleicht 14 oder 15 Grad Asphalttemperatur, in Turn 2 konnte ich mich nicht einmal mit dem Motorrad in die Kurve lehnen."
Zur Einordnung: Im Aragon-Qualifying waren es unter Sonnenschein noch 40 Grad Streckentemperatur gewesen, ganz andere Welten also. Selbst im FP1 am Freitagvormittag wurden noch 38 Grad am Asphalt gemessen - und verglichen mit den dortigen Zeiten liest sich Razgatlioglus Bestwert dann plötzlich auch gar nicht mehr so schlecht. Hier fehlen auf Marquez' Bestmarke nur noch 2,202 Sekunden, auf die beste Yamaha-Rundenzeit von Alex Rins lediglich 1,178 Sekunden. Keine Überraschung, dass Espargaro also meinte: "Er war sehr schnell. Ich denke, dass Yamaha mit seiner Verpflichtung eine gute Entscheidung getroffen hat."
Augusto Fernandez sicher: Toprak Razgatlioglu schon auf gutem Weg
Einer, der am Montag noch näher dran war, bestätigte diese Kommentare am Donnerstag. "Ganz ehrlich: Ich denke, dass das ein sehr positiver erster Tag für ihn war", ließ Augusto Fernandez wissen und begründete: "Ich konnte seine Daten sehen, wie er das Motorrad fährt und das hat mich überrascht, auf eine positive Weise. Wir alle kennen sein Talent, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber ein MotoGP-Bike ist ganz anders [als ein Superbike, Anm.], du musst ganz anders fahren. Er war dennoch nicht weit weg, das war wirklich nicht schlecht."
Es sieht also gut aus für 'Stoprak', doch Restzweifel bleiben. Schließlich hatte zuletzt auch Superbike-Rivale Nicolo Bulega viel Lob für Rundenzeiten in einem privaten Test erhalten, bei seinem MotoGP-Debüt in Portimao hinkte er dann aber doch lange hinterher. Erst in den letzten Runden des Grand Prix setzte ein sichtbarer Aufwärtstrend ein. "Ich fahre noch nicht natürlich. Ich denke noch zu viel darüber nach, was ich alles zu tun habe", klagte er am zurückliegenden Sonntagabend. Schon kommenden Dienstag könnte es für Razgatlioglu also ganz anders aussehen. "Warten wir mal ab, wie er sich auf einem neuen Kurs und mit anderen Fahrern auf der Strecke schlagen wird", stimmte letztlich auch Fernandez zu.
Toprak Razgatlioglu verrät: Guter Start, aber noch viel Arbeit vor der Brust
Razgatlioglu selbst scheint aber ganz positiv gestimmt zu sein. In einem Interview mit dem türkischen YouTuber 'MotoEtkinlik', der in Aragon vor Ort war, verriet der 29-Jährige aus Alanya: "Auf dem MotoGP-Bike hast du ein ganz anderes Gefühl als mit dem Superbike. Wenn du einen Fehler machst, merkst du das direkt. Es ist sehr sensibel. Ich wurde auch gewarnt, dass man die Michelins in kalten Temperaturen nicht zu aggressiv behandeln darf. Ich war daher vorsichtig, bin aber gute Zeiten gefahren. Im letzten Stint war ich neun Runden lang im 1:49er-Bereich unterwegs. Hätte ich noch einen frischen Reifen gehabt, hätte ich sicherlich 1:48 fahren können."
Je nach exakter Rundenzeit hätte Razgatlioglu das im Aragon-FP1 schon einen Platz in oder knapp außerhalb der Top-10 bescheren können - in wie erwähnt deutlich schlechteren Bedingungen. Kein Wunder also, dass 'El Turco' gut gelaunt weiter zu Protokoll gab: "Alles lief gut. Das Wichtigste ist, dass ich nicht gestürzt bin und das Bike schonmal etwas besser kennengelernt habe. In Valencia warten jetzt weniger Unbekannte auf uns. Ich kenne das Limit der Front noch nicht, aber dafür habe ich schonmal gesehen, dass das Motorrad auf den Geraden fliegt, es ist sehr schnell." Worte, die den Yamaha-Ingenieure gefallen dürften, war Starpilot Fabio Quartararo mit Blick auf das V4-Motorrad doch zuletzt deutlich weniger positiv gestimmt. Auch Razgatlioglu weiß aber: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns.
Das gilt auch für Jorge Martin. Der entthronte MotoGP-Weltmeister will in Valencia den Grundstein für ein besseres 2026 legen. Alle Infos zu seinem Comeback findet ihr in diesem Artikel:



diese MotoGP Nachricht