Aprilia ist derzeit obenauf in der MotoGP. Die RS-GP scheint ein rundum starkes Paket zu bieten. Das gilt auch für eine einstige Problemdisziplin: Die Starts. Vor einigen Jahren fielen die Piloten noch viele Plätze zurück, jetzt machen sie oft so richtig Boden gut. Doch der Boss aus Noale deutet pikanterweise an, dass das auch am alten Fahrerpersonal gelegen haben könnte. Über die Tücken der Starts der modernen Königsklasse.
Massimo Rivola vielsagend zu Starts: Manche Fahrer kommen besser klar als andere...
Angesichts der zahlreichen Siege der letzten Monate wurde Massimo Rivola auf die massiven Startprobleme der Vergangenheit angesprochen, mit denen diese Erfolge unmöglich gewesen wären. Vor allem Maverick Vinales hatte damals eine katastrophale Startbilanz vorzuweisen. Normalerweise kennen wir den Italiener so, dass er die nun klar erkennbaren Fortschritte auf die konsequente Arbeit seiner Mannschaft zurückführt. Doch bei diesem Thema sind andere Töne zu vernehmen.

"Es ist immer eine Kombination aus dem, was der Fahrer macht, und wie wir verstehen, ihm dabei helfen zu können. Das ist aber keine Neuigkeit. Manchmal wechselst du den Fahrer und du bist sofort gut in dieser Prozedur. Manche Fahrer kommen besser klar als andere. Es gibt kein Geheimnis", gab er vielsagend an. Im Nachhinein also eine wenig schmeichelhafte Beurteilung der Startfähigkeiten von Vinales und Aleix Espargaro, während es sich bei Marco Bezzecchi und Jorge Martin offenbar um gute Starter handelt. Besonders der Spanier war schon während seiner Pramac-Zeit für diese Stärke bekannt. In Le Mans zeigte er dies dann auch auf Aprilia mit einem unglaublichen Sprint-Start von acht auf eins.
Komplexe MotoGP-Prozedur: Ein Fehler reicht für schwachen Start
Die Analyse des Faktors Fahrer gibt uns die Gelegenheit, in die hochkomplexe Startprozedur der aktuellen MotoGP einzutauchen. Diese wird mit dem Verbot der Ride-Height-Devices 2027 zum Glück wieder ein wenig einfacher werden, doch im Jahr 2026 muss da immer noch einiges beachtet werden.
"Um einen Start hinzubekommen, musst du mit vielen Dingen spielen. Es gibt einen Modus, das ist bei uns ein blauer Knopf, der stellt das gesamte Bike auf Seiten der Elektronik ein. Gleichzeitig musst du aber mit einigen Hebeln hantieren. Damit senkst du die Front und das Heck ab, um den Schwerpunkt des Motorrads für maximale Beschleunigung so niedrig wie möglich zu bekommen", erklärt Stefano Romeo, leitender Elektronik-Ingenieur bei Aprilia, im Interview mit motogp.com.

Bei einem 'handelsüblichen' Start muss der Fahrer das beste Gefühl für das Zusammenspiel aus Kupplung, Gas und Hinterradbremse finden. In der hochgerüsteten modernen Königsklasse ist dieser aber nur der letzte Schritt, dem eine lange Liste an Vorbereitungen vorrausgeht. "Wenn du einen Fehler machst und einen dieser Schritte verpasst, dann kann dein Start ziemlich schwach sein", warnt Romeo.
Enorme Startvorbereitung: Wenn ein Problem zum nächsten führen kann
Das geht schon am Freitag mit den Probestarts los. Die Fahrer und Ingenieure müssen je nach Grip-Niveau die Start-Elektronik richtig einstellen. Prinzipiell gilt, dass die Motorräder stets zu viel Kraft haben. Das Drehmoment muss also elektronisch an die Grenze des Machbaren runtergeregelt werden. Deswegen sind bei Probestarts häufig durchdrehende Reifen und Quersteher zu sehen, weil die Limits noch zu hoch angesetzt wurden.

Ist das passende Elektronik-Setup gefunden, so muss der Fahrer auch noch mit hydraulischen Hebeln das Front- und Heck-Device zur Absenkung des Motorrads betätigen. Dies darf per Reglement nicht durch die Elektronik geschehen, daher muss der Pilot dies stets manuell handhaben. Bei all diesen Vorgängen kann ein Fehler auch zum nächsten führen. "Manchmal siehst du, wie sie den Knopf nicht drücken und die Drehzahl des Motors schießt in den Himmel. Vielleicht verpassen sie dann auch den Druckpunkt der Kupplung, was dann in einem großen Wheelie oder stark durchdrehenden Reifen mündet", berichtet Stefano Romeo.
Moderne MotoGP gnadenlos: Bloß nicht ins Feld zurückfallen!
Nur wer alle Punkte der Liste ordnungsgemäß abhakt, kann gut starten. Dank der technischen Hilfen gilt das dann meist für einen Großteil des Feldes gleichermaßen. Wer jedoch versagt, wird dadurch nur umso weiter durchgereicht. Das Rennen kann damit im Prinzip schon vorbei sein. "Bei einem schlechten Start fällst du vielleicht in eine Gruppe zurück. Du musst das gesamte Rennen lang die Reifentemperatur managen. Wenn du in eine Kampfgruppe zurückfällst, dann bekommst du keine frische Luft auf den Vorderreifen. Dann wird der Grip geringer und du gerätst in Probleme. Dann kannst du dort steckenbleiben", erklärt der Aprilia-Ingenieur.

Genau dies ist Maverick Vinales in seinen Jahren bei den Italienern häufig passiert. Marco Bezzecchi hingegen beherrscht diese Starts und kann die Rennen mit den Vorteilen der Führungsposition besser kontrollieren, während Jorge Martin sogar noch aus Reihe drei um die Spitze fahren kann. Im Endeffekt braucht es vor allem Fehlervermeidung in einem komplexen Vorgang mit mehreren Parametern. Wenn einer dieser nicht sitzt, wird der Rückwärtsgang eingelegt. Dafür ist dann in vielen Fällen der Fahrer selbst verantwortlich.
Als die hydraulischen Geräte zur Absenkung der Motorräder aufkamen, haben wir auch ein Video zur Erklärung der Systeme gedreht. Hier könnt ihr es ansehen:



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