Francesco Bagnaia, Marc Marquez, Marco Bezzecchi, Fabio Di Giannantonio, Pedro Acosta, vielleicht sogar Fabio Quartararo. Der MotoGP-Sprint in Le Mans war am Samstag so offen wie schon lange nicht mehr. Einen klaren Favoriten gab es nicht, fast jeder Pilot in den ersten beiden Startreihen konnte sich berechtigte Hoffnungen auf den Sieg machen. Eingefahren wurde dieser aber letztlich von einem, den zuvor wohl niemand so richtig auf dem Zettel hatte: Jorge Martin.

Mit Platz acht hatte der Aprilia-Werksfahrer einige Stunden zuvor schließlich das schwächste Qualifying seiner bisherigen MotoGP-Saison 2026 abgeliefert. Jegliche Hoffnungen auf ein Topresultat im Sprint schienen damit verpufft, doch nicht mit dem 'Martinator'. Aus der Mitte der dritten Startreihe legte er einen - das Prädikat zweifellos verdienenden - Raketenstart hin und fand sich schon vor der Dunlop-Schikane auf Platz vier wieder. Dort zog er auf der Außenbahn dann auch noch an Marquez, Bagnaia und Bezzecchi vorbei, um schon in Kurve drei in Führung zu liegen. Seht hier selbst:

Jorge Martin gesteht: Raketenstart eine Mischung aus Talent und Glück

Der Grundstein für Sprintsieg Nummer zwei in diesem Jahr war damit gelegt. In seiner Medienrunde am Samstagnachmittag dann danach befragt, wie viel von diesem Megastart Talent und wie viel pures Glück gewesen sei, gab Martin eine ehrliche Antwort. "Schwierig zu sagen", begann er und bilanzierte dann: "Vielleicht war es glücklich, weil du von Startplatz acht niemals korrekt vorhersagen kannst, was all die anderen Fahrer vor dir machen werden. Aber ich bin wirklich gut gestartet, das war sicher mein Talent. Danach habe ich dann die perfekte Route gefunden, das war vielleicht eher Glück. Aber ich hatte schon geplant, auf der Außenbahn anzubremsen."

Letztlich also wohl eine Mischung aus beidem, die den MotoGP-Weltmeister von 2024 in Führung spülte. Vom Boss gab es aber dennoch großes Lob. "Diesen Start sollte sich jeder Motorsportfan nochmal anschauen, das war unglaublich", feierte Aprilias Racing-CEO Massimo Rivola am Mikrofon von 'ServusTV'. Und auch Teamkollege Marco Bezzecchi analysierte anerkennend: "Ich hatte jemanden neben mir gehört, daher rechnete ich mit einem Überholmanöver. Aber ich hatte natürlich nicht gedacht, dass es Jorge sein würde. Er startet immer verdammt stark. Ich bin auch gut weggekommen, habe in Kurve eins dann aber einen kleinen Fehler gemacht und Tempo verloren. Aber das soll seine Leistung nicht schmälern, das war ein fantastischer Start von ihm."

Marco Bezzecchi lag nach Kurve zwei plötzlich hinter Jorge Martin, Foto: IMAGO / MAXPPP
Marco Bezzecchi lag nach Kurve zwei plötzlich hinter Jorge Martin, Foto: IMAGO / MAXPPP

Aprilia RS-GP plötzlich gut beim Start - Jorge Martin: Liegt am Fahrer!

Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass die Aprilia-Piloten beim Start positiv auf sich aufmerksam gemacht haben. Schon mehrfach war in der laufenden Saison zu sehen, wie die RS-GPs nach Erlöschen der Ampel nach vorne schossen. Gibt es da inzwischen womöglich einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz? Schließlich neigte die Aprilia in den vergangenen Jahren gerne eher dazu, am Start Positionen zu verlieren. Martin winkt ab, macht vielmehr den Faktor 'Fahrer' dafür verantwortlich: "Ich denke nicht. Ich war beim Start auf den ersten Metern schon immer super schnell. Da geht es einfach auch um das Gefühl für die Kupplung."

Wahnsinn am Fahrermarkt: MotoGP plant fixes Transferfenster (06:31 Min.)

Beweisen kann der gebürtige Madrilene seine Theorie schon am Sonntag, denn dann wird es von Platz acht erneut einen Topstart brauchen, um ein Wörtchen um den Grand-Prix-Sieg mitreden zu können - zumindest im Falle eines Trockenrennens. Regen ist rund um das MotoGP-Rennen ja ebenfalls möglich, und dann würde sich das Kräfteverhältnis gewiss auf den Kopf stellen. Martin sieht sich dank der Fortschritte im Jerez-Test vergangene Woche aber für beide Fälle gerüstet. "Ja, sie haben mir hier geholfen", gab er an. "Oder ich hoffe es zumindest. Ich bin das alte Motorrad hier gar nicht mehr gefahren, ich habe direkt auf das neues Motorrad mit den zusätzlichen Teilen gesetzt. Wir haben damit noch etwas Luft nach oben, aber wir sind definitiv auf dem richtigen Weg."

Während Martin im Titelkampf 2026 also immer formstärker wird, könnte ein anderer am Samstag bereits ausgeschieden sein. Marc Marquez verletzte sich bei seinem Sturz im Sprint schwerer, muss operiert werden. Alle Infos dazu gibt es hier: