Andreas, mit dem BMW M3 Touring 24H habt ihr im Vorfeld des 24h-Rennen Nürburgring für reichlich Furore gesorgt. Was wollt ihr beim Rennen mit dem Projekt erreichen?
Andreas Roos: Wir haben in der Entwicklung ganz klar gesagt: Ziel ist, dass das Auto auf GT3-Niveau fahren kann. Wir wussten, dass das aufgrund der Karosserieform schwierig ist. Das größte Problem ist die Aerodynamik. Wenn du nur auf die Zahlen schaust, ist das Auto etwas langsamer als der normale BMW M4 GT3 Evo. Aber die Nordschleife ist eine spezielle Rennstrecke. Dort muss mehr als nur die pure Rundenzeit zusammenpassen. Es geht auch um Fahrbarkeit und andere Dinge. Das Auto hat bisher bewiesen, dass es auf einem sehr hohen Niveau fahren kann. Unser Ziel war ganz klar, dass das Auto nicht irgendwo um Platz 50 herumfährt. Es gab es auch einmal die Idee, vielleicht einen BMW GT4 Touring zu entwickeln. Ich habe aber immer gesagt: Wenn wir so ein Auto bauen, dann muss es ein richtiges Rennauto werden.

Gibt es ein klares Ziel mit dem Touring?
Andreas Roos: Wenn wir in den Top-10 ankommen würden, wäre ich schon sehr happy. Das wäre ein Mega-Erfolg.

Das klingt sehr ambitioniert in einem Feld mit 41 GT3-Autos...
Andreas Roos: Aber wie viele von den 41 GT3-Autos kommen ins Ziel? Wahrscheinlich fällt ein Drittel aus, wenn es schlecht läuft. Dann bist du schon bei unter 30 Autos. Wenn wir es dann schaffen, in die Top-10 zu kommen, wäre das schon cool.

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Der Touring ist in der SP-X-Klasse eingeschrieben und trifft dort auf die drei HWA EVO. Seht ihr dieses Projekt als direkten Gegner oder ist euch der Klassensieg schon sicher?
Andreas Roos: HWA verfolgt ein ganz anderes Konzept als wir. Ich finde dieses Projekt sehr cool. Aber der Ansatz dieses Autos war nicht, die Rundenzeiten von GT3-Fahrzeugen zu fahren. Das ist so einfach auch nicht möglich. Vom reinen Speed her ist unser Touring schneller als der HWA. Aber trotzdem müssen wir erst einmal ins Ziel kommen. Die haben drei Autos, wir haben nur ein Auto.

Der BMW M3 Touring 24H fuhr bisher schneller als von vielen Experten angenommen. Habt ihr nicht die Sorge, dass das Auto die normalen M4 GT3 Evo in den Schatten stellt und sich das negativ aufs Kundengeschäft auswirken könnte? Lasst ihr die Autos frei gegeneinander fahren?
Andreas Roos: Wir lassen alle unsere Autos frei gegeneinander fahren. Aber man muss realistisch sein: Auf dem Papier ist das Auto nicht auf dem gleichen Level wie ein normaler M4 GT3 Evo. Unser Ziel war, dass das Auto möglichst auf diesem Level fahren kann, obwohl ein bisschen Aero fehlt. Wir haben den Heckflügel schon weiter hinten und weiter oben platziert. Das Auto ist ein Stück höher als der normale GT3. Aber trotzdem ist die Performance sehr gut.

BMW M3 Touring 24H bei NLS auf dem Nürburgring
Der BMW M3 Touring 24H auf dem Nürburgring, Foto: BMW/Julian Kroehl

Hat sich der technische Stand des Autos seit dem ersten NLS-Einsatz noch mal verändert?
Andreas Roos: Nein, das Auto ist genauso geblieben, wie wir es auf die Räder gestellt haben. Die Technik basiert auf unserem BMW M4 GT3 Evo. Der Touring hat den gleichen Radstand, den gleichen Unterboden und den gleichen Heckflügel, nur an anderen Positionen. Natürlich ist die Grundkarosserie eine andere. Da gibt es schon ein paar technische Details, die anders sind. Der Frontscheibenwinkel ist zum Beispiel ein anderer als beim M4.

Die hinteren Türen sind nur Attrappen, oder?
Andreas Roos: Stimmt. Und die vorderen Türen sind kürzer, weil beim Coupe die Türen länger sind. Deswegen sieht es so aus, als würde der Fahrer weiter hinten sitzen. Er sitzt natürlich schon hinter der B-Säule, aber das ist der Proportion des Autos geschuldet. Die Technik ist eigentlich nahezu identisch. Ein paar Dinge haben wir aber in dem Auto aber gemacht, die im normalen M4 GT3 Evo nicht drin sind.

Zum Beispiel?
Andreas Roos: Es gibt die Möglichkeit, einen Beifahrersitz einzubauen. Wenn wir so ein Auto bauen, wollen wir auch die Möglichkeit haben, es später gegebenenfalls für Taxifahrten oder Ähnliches zu nutzen. Wir wollen unseren Fans einmal das Gefühl geben können, in einem GT3-Auto mitzufahren. Das können wir beim normalen Auto nicht, weil der Käfig auf der rechten Seite keinen Platz dafür lässt.

Es gab Gerüchte, dass mit dem M3 Touring weitere Rennen geplant sind. Was kannst du dazu sagen?
Andreas Roos: Das Auto passt in keine Homologation hinein. Darüber muss man nicht reden. Aber es gibt andere Gelegenheiten, bei denen wir Auto zeigen können. Das wird mit Sicherheit noch kommen.

Die Entwicklung des BMW M3 Touring 24H war sicherlich nicht günstig. Wir haben gehört, dass sich ein privater Investor maßgeblich beteiligt hat. Was kannst du dazu sagen?
Andreas Roos: Wir haben uns überlegt, wie wir das Projekt gemeinsam mit unseren Partnern realisieren können. Darauf bin ich sehr stolz. Es gibt nicht nur einen Partner, der daran beteiligt war. Aber es gibt jemanden, in dessen Besitz das Auto übergehen wird. Der hatte ein großes Interesse und eine Begehrlichkeit nach solch einem One-Off-Fahrzeug.

Als Piloten habt ihr eure Werksfahrer Jens Klingmann, Neil Verhagen, Connor De Phillippi und Ugo de Wilde nominiert. Was führte zu dieser Wahl?
Andreas Roos: Jens war von Anfang an in das Projekt involviert. Er hat den ersten Shakedown und den Rollout mit dem Auto gemacht. Jens ist ohnehin einer unserer Haupt-Test- und Entwicklungsfahrer für das GT3-Projekt. Viele der Erfolge des GT3 und des GT3 Evo muss man auch auf seine Entwicklungsarbeit zurückführen. Jens hat dort einen super Job gemacht. Deswegen war es ein No-Brainer, dass er von Anfang an in die Entwicklung dieses Autos eingebunden war. Dann haben wir geschaut, wer noch dazu passt.

Gab es Überlegungen, gewisse Star-Fahrer oder Motorsport-Promis aufs Auto zu setzen anstelle eurer Werksfahrer?
Andreas Roos: Nein, das war für uns nie eine Diskussion. Alle unsere Werksfahrer sind Topfahrer. Alle haben es verdient, auf der Nordschleife zu fahren. Das Projekt ist auch unser Dank an die Fans. Wenn die Reaktion auf den Aprilscherz damals nicht so positiv gewesen wäre, wäre das Auto wahrscheinlich nie gekommen. Der Ansatz war aber auch klar: Das Auto muss im Wettbewerb kompetitiv sein. Wir fahren nicht einfach nur mit, sondern wir wollen zeigen, was das Ding kann. Deswegen haben wir von Anfang an gesagt, dass wir schnelle Fahrer aus unserem Kader auf das Auto setzen.

BMW-Aufgebot bei den 24h Nürburgring 2026

Nr.TeamFahrerAuto
1Rowe RacingAugusto Farfus/Raffaele Marciello/Jordan Pepper/Kelvin van der LindeBMW M4 GT3 Evo
77Schubert MotorsportMarco Wittmann/Philipp Eng/Charles Weerts/Robin FrijnsBMW M4 GT3 Evo
99Rowe RacingDan Harper/Max Hesse/Sheldon van der Linde/Dries VanthoorBMW M4 GT3 Evo
81Schubert MotorsportJens Klingmann/Neil Verhagen/Connor De Phillippi/Ugo de WildeBMW M3 Touring 24H

Der M3 Touring ist das eine Thema, der Kampf um den Gesamtsieg das andere. 2025 habt ihr das Rennen gewonnen, obwohl nur ein einziger BMW M4 GT3 von Rowe Racing am Start stand...
Andreas Roos: (lacht) Unser Controlling war super happy damit! Die haben gesagt: 'Weiter so. Sehr effizient und kostengünstig!' Nur Spaß. Du kannst nicht davon ausgehen, dass du mit einem Auto an den Start gehst und wirklich die Chance hast, um den Sieg zu kämpfen. Bei den großen 24-Stunden-Rennen sagt man: Du brauchst eigentlich mindestens drei Autos. Eines hat einen Unfall, bei einem geht technisch etwas kaputt, und das dritte gewinnt.

Dieses Jahr kommt Rowe mit zwei Autos und Schubert Motorsport kehrt mit einem weiteren BMW zurück...
Andreas Roos: Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass der Ein-Auto-Einsatz im vergangenen Jahr dem Terminkalender und Überschneidungen geschuldet war. Unser Ziel war immer, wieder mehr Autos am Nürburgring an den Start zu bringen. In der Vergangenheit hatten wir dort eigentlich immer drei oder vier Autos. Dadurch, dass es dieses Jahr keine Überschneidung gibt, konnten wir das sehr gut umsetzen. Wir haben Top-Autos, Top-Teams und Top-Fahrer dort oben am Start.

BMW M3 Touring 24H bei NLS auf dem Nürburgring
Was geht für den M3 Touring beim 24h-Rennen Nürburgring?, Foto: IMAGO/Fotostand

Ist ein Datenaustausch zwischen Rowe und Schubert geplant?
Andreas Roos: Wir arbeiten generell zusammen. Natürlich ist es kein reinrassiger Werkseinsatz, sondern werksunterstützt. Die Autos sind zum Beispiel nicht unsere, sondern gehören den Teams. Aber natürlich sind wir mit BMW-Leuten vor Ort und stehen mit beiden Teams im ständigen Austausch. Damit haben wir einen Informationsaustausch. Wenn wir an einem Auto oder bei einem Team etwas sehen, dann gibt es diesen Austausch auch zum anderen Team. Letztendlich wollen wir, dass ein BMW gewinnt. Welcher BMW gewinnt, ist uns am Ende egal.

Porsche und Mercedes-AMG gehen mit einem Großaufgebot beim 24h-Rennen an den Start. Wie schätzt die die Chancen von BMW ein?
Andreas Roos: Sehr hoch. Wenn du dir unsere Teams und Fahrer-Lineups anschaust, müssen wir uns nicht verstecken. Ich könnte mir nichts Besseres wünschen als die Fahrerbesetzungen, die wir dort an den Start bringen.

Wäre der Sieg dieses Jahr noch etwas schöner, weil ihr damit auch Formel-1-Superstar Max Verstappen und seinen Mercedes geschlagen hättet?
Andreas Roos: Klar, allein schon deswegen, weil wesentlich mehr mediale Aufmerksamkeit auf dem Rennen liegt. Warum machen wir Motorsport? Motorsport ist ein Marketing-Tool. Letztendlich wollen wir zeigen, dass unser Produkt das beste Produkt ist. Je mehr Reichweite du generierst und je mehr Leuten du zeigst, dass dein Produkt das beste ist, desto besser ist es. Logisch, der Ansporn ist riesig.

Wie bewertest du das Debüt von Verstappen?
Andreas Roos: Ich finde es super. Letztendlich hilft es uns allen. Ich habe auch nichts anderes erwartet, als dass Max dort oben super-wettbewerbsfähig ist. Er ist ein Ausnahmefahrer. Er hat immer bewiesen, dass er ganz vorne mit dabei sein kann. Er wird alles daransetzen, möglichst ganz oben auf dem Podium zu stehen.

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