Die Strecke kannte er bereits. Gleich drei Podien gelangen Nicolo Bulega beim Abstecher der Superbike-WM nach Portimao Ende März 2025, ein Jahr zuvor noch ein weiteres. Wie man ein Motorrad schnell um das Autodromo Internacional do Algarve bewegt, wusste der 26-jährige Ersatzmann von Marc Marquez also schon länger. An diese Erfolge anknüpfen konnte Bulega bei seinem MotoGP-Debüt am vergangenen Wochenende natürlich nicht, aber das war ja auch gar nicht das Ziel.
"Für mich war es heute nur wichtig, das Rennen zu beenden, nachdem ich gestern einen Anfängerfehler gemacht hatte", begann Bulega am Sonntagabend seine Rennanalyse. Im Sprint am Samstagnachmittag war er zum Ende der vierten Runde in Kurve 13 zu Sturz gekommen, hatte die Front seiner Desmosedici beim Anbremsen verloren. Der wohl einzige echte Schönheitsfleck seines Debüt-Wochenendes in der MotoGP. "Ich war in den ersten Runden dann sehr vorsichtig und habe mich nur darauf konzentriert, die Front aufzuwärmen und richtig zu bremsen. Ich musste mich das ganze Rennen daran erinnern, dass ich nicht wie mit einem Superbike bremsen darf. Die ersten Runden waren dadurch etwas schwierig."
Verbremser als Blockadenlöser: Nicolo Bulega gast in der Schlussphase an
Lokalmatador Miguel Oliveira fungierte in dieser Phase als eine Art Fahrlehrer, Bulega hing dem Pramac-Piloten zwischen Runde 2 und 16 permanent am Hinterrad. Im 17. Umlauf dann jedoch ein Patzer in der Haarnadelkurve fünf. "Als wir gerade angefangen haben, wieder auf die Jungs vor uns aufzuholen, habe ich einen Fehler gemacht. Ich hatte mit dem [Ride-Height-]Device zu kämpfen und habe es zwar noch rechtzeitig deaktiviert bekommen, dann aber zu aggressiv gebremst", beschrieb der Superbike-Vizechampion. "Ich hatte Angst, wieder zu stürzen und habe es deshalb vorgezogen, weitzugehen. Ich habe dadurch drei oder mehr Sekunden verloren, aber danach war meine Pace gut."
2,457 Sekunden waren es exakt, die Bulega bei seinem Fauxpas in Runde 17 flöten gingen. Ein unnötiger Zeitverlust, den er bis zum Rennende aber fast vollständig wieder wetmachen konnte. Bis zur Zielankunft am Ende von Runde 25 hatte sich der Ersatzmann von Marquez nämlich wieder bis auf 0,451 Sekunden an Oliveira herangefahren. Besonders beachtlich aber: In den letzten acht Umläufen verlor Bulega nur 3,538 Sekunden auf Rennsieger Bezzecchi, weniger als eine halbe Sekunde pro Runde im Schnitt also.
"Ich konnte meinen Fahrstil in den letzten Runden immer besser anpassen und habe einige Dinge verstanden, die mir helfen werden, in Valencia besser loszulegen. Ich habe die Jungs vor mir eingeholt, leider war das Rennen dann aber schon vorbei. Ich bin meine schnellste Runde zwei Runden vor Schluss gefahren, als der Reifen schon am Ende war. Das freut mich", bilanzierte Bulega daher zufrieden. Mit Platz 15 reichte es so auch gleich zum ersten WM-Punkt in der MotoGP. "Die Platzierung sieht vielleicht etwas gering aus, aber das ist sie überhaupt nicht", lobte auch Ducati-Teammanager Davide Tardozzi bei 'Sky Italia'. Sein Schützling sei durch den Fehler vom Samstag schließlich etwas gehemmt gefahren, es wäre folglich noch mehr drin gewesen: "Er wollte keinen weiteren Fehler machen und war anfangs dadurch sehr vorsichtig. Am Ende ist er aber 1:39.3 gefahren, das war die Pace der Top-Fünf. Er war heute also wirklich gut."

Nicolo Bulega noch nicht im MotoGP-Groove: Was geht in Valencia?
Tatsächlich wurde Bulegas 1:39.391 in Runde 23 nur von Alex Marquez, Pedro Acosta, Fermin Aldeguer und Fabio Di Giannantonio unterboten. Darf man also bereits kommendes Wochenende in Valencia (14.- 16.11.) mit einem deutlich konkurrenzfähigeren Ducati-Piloten rechnen? "Ich kann mich noch deutlich verbessern", gab Bulega selbst an, warnte im Anschluss aber: "Ich musste mich das ganze Rennen daran erinnern, dass ich nicht wie mit einem Pirelli-Reifen bremsen darf. Ich fahre noch nicht natürlich. Ich denke noch zu viel darüber nach, was ich alles zu tun habe. So ist es schwierig, wirklich schnell zu fahren. Denn du bist normalerweise nur dann schnell, wenn du beim Fahren nicht nachdenken musst."
Genau dieses umfangreiche Nachdenken beim Fahren könnte Bulega aber auch Valencia wieder bevorstehen, denn dort betritt er quasi Neuland. "Ich bin seit 2021 nicht mehr in Valencia gefahren, es könnte also schwierig werden. Das wird mein erstes Mal auf dem MotoGP-Bike in Valencia sein und auch erst das zweite Mal überhaupt auf einem MotoGP-Bike", merkte der 26-Jährige aus Montecchio Emilia an. Eine Zielsetzung für das Saisonfinale in Form von Resultaten oder Platzierungen wird es daher nicht geben. Die Priorität liegt aber ohnehin auf etwas anderem: "Wir haben nach dem Rennen noch einen Test und der wird sehr wichtig für mich werden."
Die erste Härteprüfung in der MotoGP scheint Bulega in Portimao dennoch erfolgreich gemeistert zu haben. Wie habt ihr das Debüt der Startnummer 11 wahrgenommen? Guter Anfang oder doch etwas arg viel Luft nach oben? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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