Jubiläum beim 24h-Rennen Nürburgring: An diesem Wochenende feiert ein Teilnehmer der ersten Stunde des Langstreckenklassikers auf der legendären Nordschleife seinen 75. Geburtstag: Lothar Christen, den kaum einer bei seinem Vornamen nennt, weil er in der Rennszene als "Moritz" viel bekannter ist.

Christen ist seit mehr als 50 Jahren mit dem Motorsport verbunden und dabei zählt das 24h-Rennen auf dem Eifelkurs zu seinem Highlight des Jahres. "Eigentlich wollte ich Rennfahrer werden", betont Christen im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Aber bekanntlich kostet Motorsport - damals wie heute - viel Geld", was für den gelernten Kfz-Mechaniker und -Elektriker bedeutete, sich einen anderen Job im Rennsport außerhalb eines Cockpits zu suchen.

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Lothar Christen bei 24h Nürburgring: Mit BMW fing es an

Dabei hat Christen als großes Organisationstalent seinen eigenen Weg gefunden und ist auch heute noch bei Top-Teams ein geschätzter Mitarbeiter. "Irgendwann bekam ich 1982 einen Anruf von Auto Budde mit der Anfrage: "Wir fahren das 24h-Rennen am Ring mit einem BMW, möchtest du mit dabei sein?" Überhaupt keine Frage, "Moritz" sagte spontan zu.

"Das war eine verrückte Zeit", meinte er. "Damals war das Rennen noch sehr puristisch. Mit dem Auto, einem BMW 2002 ti, konntest du montags auch beim Bäcker deine Brötchen kaufen. Ohne Auflieger und das ganze Equipment, das du heute benötigst, um erfolgreich zu sein, sind wir damals an den Ring gekommen."

Bei der Wiederaufnahme des Rennbetriebs nach der Ölkrise im Jahr 1984 feierte das Auto Budde Team mit einem BMW 635 CSi den Gesamtsieg, u. a. mit Nürburgring-Haudegen Axel Felder, der auch ein Jahr später zur siegreichen Mannschaft gehörte, die 1986 sogar für den Hattrick sorgte.

"Das Besondere bei diesem Rennen ist vor allem die Atmosphäre. Konkurrenten sind wir auf der Rennstrecke, in der Box helfen sich die Teams gegenseitig untereinander. Vom Schrauber bin ich irgendwann in die Organisation und Teamleitung gewechselt und war dabei lange der Marke BMW treu."

Manthey zeigt seine Siegerautos bei den 24h Nürburgring
Manthey versammelt seine Sieger-Porsche am Nürburgring, Foto: Gruppe C Photography

Christen: "Von Charly Lamm konnte ich viel lernen"

So war Christen beispielsweise auch 2010 mit dabei, als das BMW Team Schnitzer mit dem M3 GT2 bereits den fünften Gesamtsieg feierte. Tausendsassa Christen bezeichnete die für ihn sehr lehrreiche Zusammenarbeit mit dem leider viel zu früh verstorbenen Schnitzer-Teammanager Karl "Charly" Lamm als herausragend. "Von ihm konnte ich viel lernen. Er hatte alles im Griff und deshalb war Schnitzer auch für BMW Motorsport so wichtig."

Jetzt, mehr als fünf Jahrzehnte später, ist Lothar Christen immer noch bei dem Rennen zweimal rund um die Uhr mitten im Geschehen. "Immer noch frisch und fit wie damals", fügt er auf seine charmante Art und Weise hinzu. "Ich freue mich, noch dabei sein zu können."

Sechs Siegerautos von Manthey Porsche im Showrun auf dem Nürburgring
Manthey blickt auf sieben Gesamtsiege beim 24h-Rennen Nürburgring zurück, Foto: Gruppe C Photography

Nürburgring 2026: Christen für Manthey im Einsatz

Und das nicht bei irgendeinem Team: Bei seinem 75. Geburtstag an diesem Samstag (16.05.) trägt er einmal mehr die Team-Kleidung des Rekordsiegers Manthey (7 Gesamtsiege seit 2006, den letzten 2021, d. Red.).

"Es wird Zeit für einen weiteren Erfolg, denn mit dann acht Gesamterfolgen wären wir alleiniger Rekordhalter", erklärt Christen stolz. Aktuell teilt sich Manthey Racing mit Standort-Konkurrent Scherer Sport PHX, vormals Phoenix Racing, die Führung in der ewigen Bestenliste.

Die Entwicklung des Rennens sieht Christen durchaus positiv: "Ein Sprichwort sagt, wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Der Charakter des Rennens ist noch der gleiche wie zu den Anfangszeiten - es geht vor allem ums Racing. Die Fans freuen sich über die große Markenvielfalt in allen Kategorien."

Neben der starken GT3-Klasse seien auch viele kleinere und leistungsschwächere Sport- und Tourenwagen am Start. "Das ist toll anzusehen, denn mit diesen Autos können sich die Fans identifizieren", meint Christen, der aktuell bei Manthey Racing Bestandteil der Teamleitung ist und dabei vielfältige Aufgaben verantwortet - und das schon seit vielen Jahren, von 2004 bis zur Übernahme durch die Raeder-Brüder 2013, für die er zuvor schon tätig war.

Passend zum persönlichen Ehrentag von Christen feiert auch Manthey Racing in diesem Jahr zwei Jubiläen: Das 30-jährige Bestehen des von Teambesitzer Olaf Manthey gegründeten Unternehmens und auch der "Grello" hat Geburtstag: Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums tritt Manthey Racing mit Publikumsliebling "Grello" mit einer Sonderlackierung an, in der die Elemente historischer Fahrzeuge aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander vereint wurden.

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