KTM hat in der zweiten MotoGP-Saisonhälfte von 2025 einen klaren Aufwärtstrend hingelegt. Obwohl der lang ersehne Sieg immer noch nicht gelang, ist Pedro Acosta mittlerweile ein Stammgast der Siegerehrungen geworden. Doch woher kommt diese Steigerung? Vor dem Saisonfinale in Valencia zeigt sich Acosta nicht gerade begeistert von der Entwicklungsabteilung in Mattighofen.

Pedro Acosta mahnt KTM: Konstanz gefunden, aber Ducati und Aprilia besser

"Der erste Teil der Saison war zum Vergessen. Wir waren in Schwierigkeiten und wir wussten nicht, warum. Danach haben wir den Kopf freigemacht und unsere Ziele verändert. Wir erkannten, dass wir mehr Konstanz brauchen", erinnert sich der junge Spanier. In dieser Problemphase fiel er häufig mit Beschwerden gegenüber seinem Arbeitgeber auf und Wechselgerüchte machten die Runde. Auch wir bei Motorsport-Magazin.com diskutierten damals, ob seine ständigen Schimpftiraden der richtige Weg sind.

Acosta muss sich hinter Aprilia und Ducati anstellen, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Acosta muss sich hinter Aprilia und Ducati anstellen, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Diese Zeiten sind vor dem letzten Rennen des Jahres längst verflogen. Pedro Acosta scheint sichtlich gereift und liefert stets die klar besten Resultate der KTM-Fahrer ab. Seinen Ansprüchen genügt das aber immer noch nicht: "Natürlich gab es auch nach der Sommerpause noch Aufs und Abs, aber wir konnten viel konstanter unter den ersten Fünf oder sogar auf dem Podium sein. Darüber können wir glücklich sein, aber es fehlt immer noch eine Menge, um wirklich konkurrenzfähig zu sein. Aprilia hat sich stark verbessert und Ducati ist immer noch der Hersteller, den es zu schlagen gilt."

Woher kommen KTMs Fortschritte? Acosta: Am Motorrad ist nicht viel anders...

Indirekt machte der 'Hai' dann auch klar, an wem das liegt: "Um ehrlich zu sein, das Motorrad hat sich nicht sehr verbessert. Wir haben nicht viel verändert. Ja, der neue Rahmen half und auch ein Schwungarm ein bisschen, aber wir haben immer noch eine Menge Probleme wie beim Reifenverschleiß." Ein klarer Fingerzeig in Richtung Entwicklungsabteilung. Das operative Limit der RC16 sei nun durch ihn ausgeschöpft: "Momentan denke ich nicht einmal an den Traum der Weltmeisterschaft. Ich will einfach nur 100 Prozent aus meinem Paket herausholen. Auf manchen Strecken heißt das dann Top-Fünf, auf anderen ein Bisschen mehr."

Pedro Acosta in der Startaufstellung in Malaysia
Pedro Acosta sieht sich am Limit der KTM angelangt, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

So betreibt die Speerspitze in Mattighofen ein wenig Eigenlob und macht Druck: "Vermutlich habe ich mich im Kopf am meisten gesteigert. Ich fühle mich auch besser auf dem Bike, aber viele Änderungen auf mechanischer Ebene gab es nicht. Da ist es schwierig zu behaupten, das Motorrad hätte sich so sehr verbessert. Vielleicht habe ich einfach Dinge herausgefunden, auch nach meiner Armpump-Operation in Jerez. Das Motorrad ist aber nicht viel anders [als zu Saisonbeginn, Anm. d. Red.]."

Der Wunsch eines jeden Rennfahrers: KTM braucht mehr Grip

Die Theorie, dass nur er besser wurde und nicht das Motorrad, bröckelt allerdings im statistischen Vergleich mit den anderen KTM-Piloten, vom lange verletzten Maverick Vinales abgesehen. Auch Brad Binder und Enea Bastianini haben in der zweiten Saisonhälfte eindeutig mehr Punkte geholt. Das Hauptaugenmerk von Acosta wiederum kann als Argument dienen: Die Konstanz. Der Jüngste im Kader kann sie als einziger vorweisen. Bei den Anderen wechseln sich stetig Highlights und Leerlauf ab. Komplett falsch sind die Eindrücke der Nummer 37 also ebenfalls nicht.

Letztlich bleibt aber bei einem sieglosen Hersteller eines festzuhalten: "Wir sind nicht gut genug." Auf die Frage, was Pedro Acosta von den KTM-Ingenieuren gerne unter den Weihnachtsbaum gelegt haben würde, entgegnete der Spanier nur entschieden ein Wort: "Grip!" Vielleicht kann er von diesem ja bereits am Dienstag beim ersten Test mit den neuen Motorrädern für 2026 mehr finden.

Mit seiner Einschätzung steht Acosta nicht allein da. Auch Test- und Ersatzfahrer Pol Espargaro gibt offen zu, dass die Sieglosigkeit von KTM nicht am Spitzenpiloten liegt: