Pedro Acosta bestimmt die MotoGP-Schlagzeilen dieser Tage wie kaum ein anderer Pilot. Einzig das Wechseldrama um Jorge Martin und Aprilia generierte in den letzten Wochen wohl noch mehr Aufmerksamkeit als die regelmäßigen Schimpftiraden des KTM-Youngsters. Gleich dreimal klopfte Acosta während dem Silverstone-Wochenende auf seinen Arbeitgeber ein: "Wir sind nicht gut genug", "Das ist nicht das, was ich mir von meiner Karriere erhoffe" oder auch "Wir brauchen jetzt Magie" war vom 21-Jährigen aus Mazarron zu hören.
Ungewohnt heftige und öffentlich geäußerte Kritik, welche den Wechselgerüchten um seine Person natürlich nur noch mehr einheizten. Zwar beteuerte Acosta auch immer wieder, dass er den Glauben an KTM noch nicht verloren habe, aber auch vor dem Aragon-GP ließ er am Donnerstag wieder mit mürrischen Kommentaren aufhorchen. "Sie hatten 12 Tage, um mich zu überraschen. Das ist genug Zeit", antwortete er sichtlich schlecht gelaunt auf die Frage eines Journalisten, ob KTM seit dem Rennsonntag in Silverstone etwas gefunden hätte, um die Performance der RC16 zu verbessern.
Die Antwort darauf werden wir beginnend mit dem Trainingsfreitag in Aragon erhalten. Schon jetzt stellt sich aber die Frage: Wenn Acosta wirklich noch an das KTM-Projekt glaubt, befindet er sich mit seinen Schimpftiraden dann auf dem richtigen Weg? Lässt sich wirklich Performance finden, indem nur auf die Arbeit der Ingenieure eingeklopft und ungeduldig neues Material eingefordert wird? Oder sollte er nicht einen zurückhaltenderen, einfühlsameren Ansatz wählen? Motorsport-Magazin.com diskutiert:
Pro: Manchmal muss es eben krachen!
Okay, ich gebe zu: So langsam kann ich das ständige Gejammere von Pedro Acosta auch nicht mehr hören. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Dinge klar angesprochen werden müssen, wenn etwas nicht nach Wunsch läuft. Und genau das macht der Spanier aktuell eben in aller Regelmäßigkeit und Deutlichkeit. Das Austauschen von Höflichkeiten oder das Schönreden gewisser Entwicklungen bringen dich nicht nach vorne. Sie helfen dir nicht, Verbesserungen in die Wege zu leiten. Nur wer auf Fehler hingewiesen wird, kann sie künftig abstellen, so hart es sich im Moment der Aussprache auch anfühlen mag. Heftige Kritik muss erlaubt sein, denn manchmal muss einfach auf den Tisch gehauen werden, damit Botschaften deutlich genug beim Adressaten ankommen.
Wir wissen schließlich nicht, wie lange Acosta seinen Arbeitgeber intern schon auf gewisse Dinge hingewiesen hat. Uns bekannt ist einzig: KTM hat vor Saisonstart klare Ziele ausgegeben, wollte sich Ducati und der MotoGP-Spitze annähern. An diesen Zielen muss man sich nun messen lassen. Die Zahlen sprechen vor dem Aragon-GP eine deutliche Sprache - und zwar gegen den Hersteller aus Mattighofen. Die Ziele wurden nicht erreicht, Versprechungen an die Fahrer nicht eingehalten. Da darf es nur ihr gutes Recht sein, ihren Unmut zu äußern. Das passiert bei anderen Konstrukteuren genauso, ob nun öffentlich oder hinter verschlossenen Türen ist für die Betroffenen dann auch egal. Die Kritik schmerzt gleichermaßen, ist aber notwendig, um Verbesserungen zu schaffen.
Außerdem: Vielleicht legt sich KTM so ja nur noch mehr ins Zeug, um das eigene Motorrad auf Vordermann zu bringen, wenn ihnen deutlichst vor Augen geführt wird, dass der eigene Goldjunge zunehmend unzufriedener wird und womöglich abspringen könnte, wenn Fortschritte auf Sicht ausbleiben. Acosta will ja offensichtlich nicht von KTM weg, würde gerne in Orange um Rennsiege und Weltmeisterschaften kämpfen. Aber aktuell ist das nun mal nicht möglich. Den Frust dann nur in sich hineinzufressen und KTM irgendwann vor vollendete Wechseltatsachen zu stellen, wäre auch nicht der richtige Weg. Vielmehr zeigt Acostas öffentliche Wut, dass das Projekt dem 21-Jährigen noch immer am Herzen liegt. Und wie könnte man einen Fahrer dafür an den Pranger stellen?
Yannik Grafmüller
Contra: Pedro Acostas Verhalten hilft niemandem!
Pedro Acostas Aufstieg verlief kometenhaft: Moto3-Weltmeister auf Anhieb, dann Moto2-Weltmeister, eine fantastische Rookie-Saison in der MotoGP und dann gleich der Aufstieg in das Werksteam von KTM. Jetzt erlebt er den ersten Rückschlag seiner Karriere. Da darf ein junger Mann auch enttäuscht und frustriert sein. Ehrgeiz und Erfolgsanspruch zu zeigen ist auch etwas Gutes - am Anfang.
Denn tatsächlich befinden wir uns bereits vor dem achten Rennen dieser bisher wenig erfreulichen Saison und alles, womit Acosta derzeit auffällt, ist meckern, fordern und sprücheklopfen. Als professioneller Rennfahrer muss auch irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem man sich mit der Realität arrangiert und konsequent daran arbeitet, wieder aus dem Sumpf zu kommen, in dem KTM momentan steckt. Diese Aufgabe hat aber derzeit Maverick Vinales übernommen.
Acosta ist oftmals nicht einmal der beste KTM-Pilot und führt sich trotzdem auf, als hätte er eine Art Anrecht auf ein Siegerbike und den WM-Titel. Ein Gefühl für Eigenverantwortung? Fehlanzeige! Ein Fahrer, der noch nicht einmal ein MotoGP-Rennen gewonnen hat, hält sich für einen Superstar und hilft damit absolut niemandem. Gäbe es eine Art Charaktertest für Rennfahrer, dann fiele 'der Hai' momentan gnadenlos durch. Solche Krisen überwindet man gemeinsam mit seiner Mannschaft und nicht gegen sie.
Und selbst wenn er sich bald von KTM verabschiedet, was sagt das aktuelle Verhalten möglichen Interessenten? Da schwingt gerade sehr viel von Jorge Martin mit, der bekanntermaßen ebenfalls von Albert Varela gemanagt wird. Wollen Teams wirklich einen Fahrer verpflichten, der beim ersten Gegenwind nurmehr meckert und unmögliches fordert? Großes Talent hin oder her: Acosta soll sich jetzt einmal zusammenreißen, denn genau Situationen wie die aktuelle bieten auch die Chance, als Fahrer und Charakter zu reifen. Das hat er derzeit viel nötiger als ein besseres Motorrad.
Tobias Mühlbauer
Wie fällt eure Meinung zu dieser gesamten Schimpf-Thematik um Pedro Acosta aus? Seht ihr den KTM-Youngster mit seiner Herangehensweise im Recht oder auf dem Holzweg? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

diese MotoGP Kommentar