Die MotoGP hat in der Saison 2025 drei neue spanische Sieger hervorgebracht. Alex Marquez, Fermin Aldeguer und Raul Fernandez gelang der Premierenerfolg in der Königsklasse. Doch ausgerechnet derjenige, der wohl bei fast allen ganz oben auf der Liste des möglichen nächsten Siegers stand, ist bisher leer ausgegangen: Pedro Acosta. Nach einem frustrierenden Start ins Jahr hat das aber längst nichts mehr mit seiner Leistung zu tun. Einem Kollegen bei KTM tut die Sieglosigkeit des 'Hais' besonders leid.
Pol Espargaro sicher: Acosta würde auf anderem Motorrad siegen
"Es tut weh, das zu sehen. Seine Konstanz ist schön, aber es schmerzt, dass er auch konstant außerhalb des Podiums landet. Er ist eigentlich viel schneller als das. Auf einem anderen Motorrad würde er Rennen gewinnen, aber wir haben ihm diese Leistungsfähigkeit mit unserem Bike noch nicht liefern können", seufzte Test- und Ersatzfahrer Pol Espargaro, als er auf das Supertalent seines Arbeitgebers angesprochen wurde. Zwar hat Acosta mittlerweile immerhin vier Grand-Prix-Pokale sammeln können, doch stehen da ansonsten viele Zielankünfte zwischen Rang vier und acht zu Buche.

Dennoch ist längst klar, welches Niveau der 21-Jährige erreicht hat. Das konnte Espargaro beim letzten Rennen in Malaysia hautnah beobachten: "Er fährt sehr gut. Diese 57.3, die er am Morgen [im Qualifying, Anm. d. Red.] gefahren ist...als er noch besser sein wollte, führte das zum Sturz. Diese Rundenzeit war irrsinnig schnell. Ich habe das auch versucht, aber selbst meine Idealzeit [die besten Sektoren des Tages kombiniert, Anm. d. Red.] wäre irgendwo bei 57.6 gewesen. Und ich schätze mich hier als schnell über eine Runde ein. Er nimmt mir drei bis vier Zehntel ab. Er ist also sehr schnell und es tut weh, dass er nicht in jedem Rennen auf dem Podium steht."
Pedro Acosta mit Abstand bester KTM-Pilot, aber: "Das sind nicht meine Ziele"
Dabei schlug sich der Ersatzpilot im Vergleich noch verhältnismäßig gut. Brad Binder und Enea Bastianini verloren im Qualifying fast eine Sekunde auf die viel jüngere Speerspitze. Acosta ist dem Rest des Kaders mittlerweile deutlich entwachsen. 260 Punkte hat er bisher auf sein Konto geschaufelt. Die anderen drei Motorräder - aufgrund der Verletzungspausen von Maverick Vinales von vier Piloten gefahren - kommen zusammen mit 334 Zählern nicht auf viel mehr. Eine ähnlich große Diskrepanz kannte die MotoGP in den letzten Jahren nur von Fabio Quartararo bei Yamaha und Marc Marquez, als dieser noch für Honda fuhr.

Acosta erkennt seine Fortschritte. "Selbst mit weniger Podien habe ich mehr Punkte als letztes Jahr. Ich bin konstanter, besonders seit der Sommerpause. Wir verlieren nur wenige Punkte und werfen unsere Chancen kaum weg", konstatiert der Spanier. Alles läuft aber auch nicht glatt: "Es war nicht einfach, den Sturz im Sprint in Ungarn zu akzeptieren. Es war nicht schön, wie wir die Kette in Misano verloren haben und es war auch nicht toll, wie wir in Japan die Reifen zerstört haben." Und so verwundert es angesichts seines Ehrgeizes kaum, dass das Fazit zum Jahr 2025 erstmal wenig erfreulich klingt: "Am Ende ist es keine schöne Saison. Wir kämpfen um nichts. Das sind nicht meine Ziele."
Warten und Leiden vor dem Durchbruch: "Jeder musste harte Momente durchmachen"
Doch im Gegensatz zu vielen Tiraden und Beschwerden zu Beginn des Jahres, bleibt er nun besonnener. Obwohl das Ausnahmetalent längst seinen ersten Sieg verdient hätte, will er das Geduldsspiel auch nicht als vergeudete Zeit abtun: "Aber es stimmt auch, dass wir viele Dinge erreicht haben, die zuvor gefehlt haben. Dazu zählt die Konstanz und auch das Verständnis, was du in der MotoGP als Komplettpaket brauchst. Das ist auch wichtig. Jeder in der MotoGP hat schonmal harte Jahre erlebt." Der Blick zu seinen beiden Kollegen in der Pressekonferenz in Malaysia machte ihm Hoffnung: "Ich kann mich an Joan [Mir] in der Moto2 oder Alex [Marquez] bei LCR erinnern. Jeder muss auch diese harten Momente durchmachen, um noch diesen letzten Schritt zu gehen."
Letztlich kann aber auch ein noch so guter und gestählter Fahrer nichts machen, wenn das Motorrad einfach nicht schnell genug ist. Die KTM hat sich im Verlauf des Jahres verbessert, doch ein Fortschritt in einem Ausmaß wie etwa bei Aprilia ist noch nicht gelungen. Pol Espargaro sieht sich und sein Testteam im Sinne Acostas in der Pflicht: "Wir werden versuchen, das Motorrad wenigstens für nächstes Jahr schneller zu machen, damit er öfter glänzen kann."
Lange bevor Acosta zum Hoffnungsträger bei KTM wurde, musste das Werk seine ersten Schritte in der Königsklasse gehen. 10 Jahre ist es nun her, dass der erste Prototyp auf die Strecke ging. Wir haben auf die Geburtsstunde der RC16 zurückgeblickt:



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