Unverkommt kommt oft! Eigentlich sollte Pol Espargaro in der MotoGP-Saison 2025 nicht einen Renneinsatz bestreiten, weil sich Arbeitgeber KTM im Frühjahr bewusst zum Verzicht aller sechs möglichen Wildcard-Einsätze entschied. Da sich Tech3-Pilot Maverick Vinales am Sachsenring schwer an der Schulter verletzte, reichte es in der zurückliegenden Saison dann aber doch zu insgesamt fünf Auftritten in der Königsklasse - und Espargaro zeigte dabei mit starken Vorstellungen einmal mehr, welch großes Talent noch immer im Moto2-Champion von 2013 schlummert.
Welche Plätze die Nummer 44 in Brünn, am Balaton Park, auf Phillip Island, Sepang und Portimao einfuhr? Ganz einfach: 9, 9, 10, 8, 9, 10, 11, 10 und nochmal 10. "Wenn man den einen Sturz und den elften Platz im Sprint in Malaysia ausklammert, haben wir es immer in die Top-Zehn geschafft", erkannte auch Espargaro selbst. Besonders beeindruckend: Im Qualifying raste er in vier von fünf Versuchen direkt in Q2, war damit genauso oft im zweiten Qualifying-Segment vertreten wie Tech3-Stammfahrer Enea Bastianini und nur einmal weniger wie Ex-Teamkollege Brad Binder.

Pol Espargaro sicher: Bin ein Top-10-Fahrer in der MotoGP!
"Ich denke, dass das aktuell mein wahres Leistungsvermögen ist: Die Plätze acht, neun, zehn. Mal etwas besser, mal etwas schlechter. Damit kann ich sehr zufrieden sein", meinte Espargaro weiter. Wohl wahr, hätte ihn sein Schnitt von sechs Punkten pro Rennwochenende bei einigen erwartbaren Ausreißern nach oben doch tatsächlich um einen Platz in den Top-Zehn der Fahrer-Weltmeisterschaft kämpfen lassen, wenn wir die Bilanz des inzwischen 34-jährigen Spaniers auf die gesamte Saison 2025 als Stammfahrer für Tech3-KTM hochrechnen. Etwas, dass Bastianini beispielsweise nicht schaffte. Er landete nach dem Valencia-GP nur auf WM-Rang 14.
Da fragt man sich doch umso mehr: Wieso fährt dieser Kerl aus Granollers eigentlich nicht mehr Vollzeit Motorrad-Rennen? Gut, in der MotoGP haben sich mittlerweile alle Türen geschlossen, nachdem Espargaro Ende 2023 freiwillig für Pedro Acosta Platz machte. Eine Rückkehr mit einem dritten KTM-Team zerschlug sich schnell und die übrigen Stammplätze wurden fast alle schon im Verlauf der Saison 2024 bis Ende 2026 vergeben. Nur Superbike-Champion Toprak Razgatlioglu und Moto2-Weltmeister Diogo Moreira konnten sich für die kommende MotoGP-Saison neu in die Startaufstellung kämpfen. Alles andere bleibt unverändert.
Superbike-Wechsel fällt flach: Warum Pol Espargaro kein Stammfahrer mein sein will
Doch in anderen Rennserien hätte Pol Espargaro mit diesen in der MotoGP gezeigten Leistungen doch problemlos einen Platz finden können, nicht? Ja, durchaus - und genau danach sah es im Sommer 2025 auch kurzzeitig aus. Rund um seinen zweiten Ersatzauftritt für Vinales am Balaton Park gab der KTM-Testfahrer zwischen den Zeilen zu, mit einem Wechsel in die Superbike-WM zu kokettieren. "Ich will gerne Rennen fahren. Dafür bin ich immer noch schnell genug und das sieht man auch", meinte er damals und wurde mit einem Platz in den Werksteams von Ducati, BMW und Honda in Verbindung gebracht. Zu einem Wechsel kam es aber nie, stattdessen wird Espargaro auch 2026 Test- und Ersatzfahrer bei KTM bleiben. Wieso?
Die Antwort lieferte Espargaro nach seinem bislang letzten MotoGP-Auftritt in Portimao. Ob ihn eine Rückkehr als Stammfahrer nicht reize, fragte einer der anwesenden Journalisten. "Nein, Kumpel", antwortete die Nummer 44 daraufhin und begründete: "Ich sage dir, ich habe Malaysia genossen, ich habe Australien genossen. Portimao habe ich dann aber schon nicht mehr so sehr genossen. Wegen der Verletzung [aus 2023, Anm.], aber auch, weil ich meine Töchter vermisse. Weil ich mein Leben außerhalb dieses Paddocks vermisse."
Espargaro ist seit 2018 mit Jugendliebe Carlota Bertran Crous verheiratet, gemeinsam haben die beiden zwei Töchter: Alexandra (fünf Jahre) und Nicole (vier Jahre). "Früher war ich alleine, jetzt bin ich das nicht mehr", fuhr er fort. Das Risiko des Rennfahrens ist dem 34-Jährigen Familienvater schlicht zu groß geworden. "Das ist wirklich hart, diesen Druck jedes Wochenende zu haben. Zu wissen, dass … es hört sich schlimm an, aber es kann mit jedem Augenblick vorbei sein. Als ich noch jung war, habe ich über diese Dinge nicht nachgedacht, aber jetzt höre ich vor jedem Rennstart die Hymne und denke mir: 'Fuck, das kann die letzte sein.' Das ist ziemlich hart", kommentierte Espargaro sichtlich emotional und bewegt weiter. Eine Rückkehr als Vollzeitfahrer ist daher vom Tisch: "Ich will nur noch mehr Zeit mit meiner Familie verbringen."
Wer kann es ihm verübeln? Ein Comeback als Stammfahrer ist natürlich auch bei KTM-Testfahrerkollege Dani Pedrosa kein Thema mehr, aber zumindest einmal würde der 'kleine Samurai' schon gerne noch MotoGP fahren. Wie realistisch das ist, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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