2023 beendete Pol Espargaro seine Karriere als Stammfahrer in der MotoGP. Nach seiner schweren Verletzung in Portimao trat er in die zweite Reihe zurück und wurde Testfahrer bei KTM. "Ich fühlte mich damals körperlich nicht gut genug, um Vollzeit MotoGP zu fahren", sagt Espargaro heute. Dass er aber immer noch - oder vielleicht auch wieder - den Speed dazu hat, zeigt der 34-Jährige in der laufenden Saison.

Pol Espargaro glänzt als Ersatz: Lieber Wildcards fahren!

Als Ersatzmann für Maverick Vinales wurde er in Brünn sowohl im Sprint als auch im Grand Prix starker Neunter. An diesem Wochenende darf Espargaro erneut Vinales ersetzen und überzeugte einmal mehr: Mit Platz acht qualifizierte er sich direkt für Q2. Wirklich glücklich scheint er damit aber nicht zu sein. "Einen Fahrer wie Maverick zu ersetzen, ist nicht das, was ich will", so Espargaro am Freitagabend.

KTM entschied sich ja für die Saison 2025 dazu, keine Wildcard-Einsätze zu bestreiten. Bis zu sechs Rennwochenenden hätte Espargaro so in diesem Jahr fahren können. Für den Fortschritt des gesamten Projekts sei es aber besser, Testfahrer würden sich nicht zu sehr auf Rennwochenenden und die damit verbundenen Zeitenjagden konzentrieren, erklärte KTM die ungewöhnliche Entscheidung des Wildcard-Verzichts.

Pol Espargaro: In der WSBK wieder zum Stammfahrer?

Eine Sichtweise, die Espargaro nicht teilt. "Du musst das Feuer in den Fahrern aufrechterhalten, um sie konkurrenzfähig zu halten. Nicht nur, damit sie Rennfahren können, sondern auch für die Testfahrten", erklärte er bereits in Brünn. Nun scheint es so, als könnte seine Lust auf das Rennfahren Espargaro sogar zu einem Abschied aus der MotoGP bewegen.

Seit 2014 ist Pol Espargaro Teil der MotoGP, Foto: Bridgestone
Seit 2014 ist Pol Espargaro Teil der MotoGP, Foto: Bridgestone

Wie 'GPOne' berichtet, soll der Moto2-Weltmeister von 2013 mit einem Wechsel in die Superbike-WM liebäugeln. Konkret geht es demnach um ein Engagement an der Seite von Nicolo Bulega im Ducati-Werksteam. Dort wird aller Voraussicht nach der Vertrag von Routinier Alvaro Bautista - aktuell 164 Punkte hinter Bulega nur auf Rang fünf der Gesamtwertung - nicht verlängert.

Interesse an der WSBK: Espargaro weicht aus

Espargaro selbst tat sich am Freitagabend schwer, die Gerüchte um seine Person einzudämmen. "Ich habe nie gesagt, dass ich wieder Vollzeitfahrer werden will", sagte er. Auf den nicht ganz ernstgemeinten Einwurf eines Journalisten, dass man bei zwölf Rennwochenenden - so viele trägt die Superbike-WM 2026 aus - ja kaum von einer Vollzeitanstellung sprechen könnte, reagierte Espargaro mit einem Augenzwinkern. "Zwölf Rennen? Du meinst nur die Europarennen der MotoGP, oder? Das würde mir gefallen. Ich mag die Übersee-Events nicht so gerne."

Auf die erneute Nachfrage, ob er Interesse an der Superbike-WM habe, antwortete Espargaro ausweichend: "Momentan bin ich in der Position des KTM-Testfahrers. Ich will gerne Rennen fahren. Dafür bin ich immer noch schnell genug und das sieht man auch. Ich will aber nicht zu viel darüber nachdenken. Das Leben bringt oft unerwartete Wendungen. Meine Zukunft ist völlig offen und ich werde das tun, womit ich mich am wohlsten fühle." Eine klare Absage von Pol Espargaro in Richtung eines WSBK-Engagements bei Ducati war das also definitiv nicht. Doch seine Verpflichtung durch den Hersteller aus Borgo Panigale gestaltet sich dem Vernehmen nach alles andere als einfach. Ducati scheint viel Geld investiert zu haben, um Bulega zu halten. Dementsprechend wenig Budget ist für den zweiten Fahrer vorhanden, die Rede ist von lediglich 200.000 Euro. Außerdem soll Espargaro Konkurrenz in Person eines Landsmannes haben: Iker Lecuona könnte aus dem Honda-Lager kommen, ist fast neun Jahre jünger als Espargaro und würde somit besser in Ducatis Konzept passen.

Ein Abgang von Pol Espargaro wäre für KTM zweifelsohne ein schmerzlicher Verlust. Einen solchen musste die österreichische Truppe bereits vor einigen Wochen hinnehmen. Da verließ nämlich der langjährige Motorenchef Kurt Trieb KTM in Richtung Honda. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr in unserem Video:

KTM verliert MotoGP-Motorenpapst an Honda! Die Folgen (05:19 Min.)