Genau eine Woche noch, dann ist es soweit: Am 29. September feiert Dani Pedrosa seinen 40. Geburtstag. Kaum zu glauben, aber seinen außergewöhnlichen Speed hat der 'kleine Samurai' deswegen noch lange nicht verloren. Erst vor einer Woche zeigte Pedrosa im Misano-Test wieder, dass er weiterhin mit den besten Motorradfahrern der Welt mithalten kann. Ohne je auf eine echte 'Timeattack' zu gehen, verlor er am Montagabend nur 1,8 Sekunden auf Markenkollege Pedro Acosta, der die Testbestzeit gefahren war.
Kein Wunder also, dass Pedrosa bei seinem letzten Wildcard-Auftritt in der Königsklasse im Jerez-Sprint 2024 noch völlig überraschend auf das Podium gefahren war. Seither steht der Testfahrer von KTM bei genau 299. Grand-Prix-Starts in der Motorrad-WM. Eine ziemlich unbefriedigende Zahl, oder? Ja, das findet auch Pedrosa selbst. "Es ist eigentlich nur eine Nummer, aber es wäre schon cool, wenn wir das ganze Ding noch rund machen könnten", lachte er zuletzt am Rande eines MotoGP-Legendenevents in Misano auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com , ob er seinen 300. GP-Start noch in Angriff nehmen wolle. "Mal schauen, was wir tun können."
Pedrosa-Comeback in der MotoGP? Wohl frühstens in der Saison 2026!
Nicht auszuschließen also, dass Pedrosa in Zukunft nochmal für einen Grand-Prix-Start in die MotoGP zurückkehren wird. Frühstens dürfte das allerdings 2026 passieren, denn Arbeitgeber KTM entschied sich, in der laufenden Saison keine Wildcard-Einsätze durchzuführen. Während neutrale Beobachter dies als Sparmaßnahme im Angesicht des Insolvenzverfahrens zu Jahresbeginn abtun könnten, erklärte KTM selbst den Wilcard-Verzicht mit mangelndem Nutzen der bis zu sechs möglichen Extra-Einsätze - sehr zum Ärger von Pol Espargaro.
Da 2027 ein völlig neues Reglement auf die MotoGP wartet, machen Wildcards 2026 auf den ersten Blick erstmal noch weniger Sinn. Und doch könnte KTM ausgerechnet im kommenden Jahr wieder auf sie zurückgreifen, darauf lässt zumindest die Entwicklung um Espargaro schließen. Dieser hatte zuletzt offen mit einem Wechsel in die Superbike-WM kokettiert, weil er sich noch nicht ausschließlich als Testfahrer sehe und weiterhin zu Renneinsätzen kommen wolle. Nun scheint aber vieles auf einen Verbleib bei KTM hinzudeuten. Gut möglich also, dass Mattighofen ihm Wildcard-Einsätze in der nächsten Saison zugesichert hat, um ihn bei Laune zu halten. Da KTM aller Voraussicht nach auch 2026 in Concession-Rang C starten wird, wird es wieder bis zu sechs mögliche Wildcard-Einsätze geben - vielleicht ja fünf für Espargaro und einen für Pedrosa.
Dani Pedrosa: Rückblick auf einzigartige MotoGP-Karriere
Der 'kleine Samurai' würde sich jedenfalls darüber freuen und somit eine außergewöhnliche Karriere abrunden. 2003 wurde er 125ccm-Weltmeister, 2004 und 2005 holte den Titel in der 250ccm-Klasse. In der MotoGP selbst reichte es zwar nie zum ganz großen Wurf, je 31 Rennsiege und Pole Positions sowie 112 Podestbesuche können sich aber auch so mehr als sehen lassen. Seine bitterste Niederlage musste Pedrosa derweil wohl 2012 einstecken. Damals befand sich der Honda-Pilot in Höchstform und gewann sechs der letzten acht Saisonrennen. In Misano schrieb die Nummer 26 aber einen Nuller an, weil sich gleich mehrere unglückliche Umstände zusammentaten. Nachdem der Rennstart wiederholt werden musste, wurde der eigentlich auf der Pole Position stehende Pedrosa ans Ende des Feldes strafversetzt, weil sein Bike nicht rechtzeitig zum Restart fertiggeworden war. Seine Honda-Mannschaft hatte eine falsche Startzeit signalisiert bekommen.

Statt von der Pole Position loszufahren, musste Pedrosa also vom Ende des Feldes eine Aufholjagd hinlegen. Doch die endete, bevor sie überhaupt begann. Hector Barbera krachte seinem Landsmann ins Heck und nahm ihn aus dem Rennen. Pedrosa verlor nicht nur die Siegchance, sondern auch 25 Punkte auf WM-Rivale Jorge Lorenzo. Eine Vorentscheidung im WM-Kampf. "Das war einer der schlimmsten Momente meiner Karriere", erinnerte sich Pedrosa bereits im Jahr 2024 im Gespräch mit 'MotoGP.com' und haderte überraschend deutlich: "Durch diese ganze Scheiße habe ich damals die Weltmeisterschaft verloren."
Dani Pedrosa: Gleich drei weltmeisterliche MotoGP-Teamkollegen
Besonders bitter: Pedrosa wurde im Verlauf seiner 13-jährigen MotoGP-Karriere gleich sieben Mal Zeuge, wie sich sein Teamkollege zum Champion krönte. 2006 holte Nicky Hayden den Titel, 2011 Casey Stoner und 2013, 2014, 2016, 2017 und 2018 jeweils Marc Marquez. "Ich hatte wirklich großartige Teamkollegen", dachte er im offiziellen MotoGP-Podcast 'Last on the brakes' zurück und fand speziell für den viel zu früh verstorbenen Hayden schöne Worte: "Nicky war ein toller Kerl, er war superschnell, fast schon unangenehm. Er hat nie das Handtuch geschmissen. Wenn ich mal schneller war, dann hatte er am nächsten Tag noch mehr Energie als ohnehin schon."
Auch für Stoner und Marquez hatte Pedrosa aber lobende Worte parat, obwohl er zu beiden zwischenzeitlich ein angespanntes Verhältnis gepflegt hatte: "Casey war extrem talentiert und unglaublich schwer zu schlagen. Abseits der Strecke ist er aber ein genauso großartiger Mensch. Das Gleiche kann ich über Marquez sagen. Ich habe von Beiden viel gelernt und kann nicht sagen, wer der Stärkere war."

Klar ist einzig: Sein persönliches Karriere-Highlight erlebte Pedrosa weder mit Stoner noch mit Marquez. Vielmehr spielte MotoGP-Ikone Valentino Rossi eine Hauptrolle. Gemeint ist der Aragon-Grand-Prix im Jahr 2015. Dort lieferte sich Pedrosa gemeinsam mit dem 'Doktor' einen Zweikampf für die Geschichtsbücher, das Duo warf sich rundenlang ein Überholmanöver nach dem nächsten um die Ohren. Obwohl es damals nur um Platz zwei hinter dem längst enteilten Rennsieger Lorenzo ging, war sich Pedrosa rückblickend sicher: "Das war das beste Rennen und der beste Zweikampf meiner Karriere."
Nach dem Misano-Test nahm Pedrosa in der vergangenen Woche auch noch an einem Geheimtest teil. Er durfte für KTM die neuen Pirelli-Reifen ausprobieren. Wie das MotoGP-Debüt des neuen Reifenherstellers aus Italien verlief, erfahrt ihr hier:

diese MotoGP Nachricht