Sechs Grands Prix stehen 2025 noch aus. Bevor die Motorrad-Weltmeisterschaft kommende Woche ihre Zelte in Übersee aufschlägt, absolvierte die MotoGP am Montag allerdings noch ihre letzte offizielle Testfahrt der laufenden Saison. An der Adriaküste in Misano wurde bei spätsommerlich warmen Temperaturen und viel Sonnenschein nochmal acht Stunden lang getestet, unterteilt in eine je vierstündige Vor- und Nachmittagssession. Während Alex Marquez zur Halbzeit um 13 Uhr führte, fuhr Pedro Acosta in den Abendstunden die in Summe schnellste Rundenzeit des Tages.

Das Ergebnis: Acosta sicherte sich mit einer Rundenzeit von 1:30.374 Minuten die Spitzenposition und war damit nur 0,240 Sekunden langsamer als Marco Bezzecchi am Samstag im Qualifying auf dem Weg zur Pole Position für den San-Marino-GP. Alex Marquez verlor als Zweiter 0,340 Sekunden auf Acosta, Bezzecchi büßte als Dritter 0,353 Sekunden auf den KTM-Piloten ein. Dahinter folgten im Klassement Raul Fernandez und Franco Morbidelli. Marc Marquez landete auf der sechsten Position, dicht gefolgt von Fabio Di Giannantonio, Francesco Bagnaia und Jorge Martin. Fermin Aldeguer komplettierte die ersten Zehn.

Knapp nicht in die Top 10 schaffte es Luca Marini, der mit 0,609 Sekunden Rückstand auf der elften Position landete. Es folgte ein KTM-Trio aus Enea Bastianini, Maverick Vinales und Brad Binder. Johann Zarco belegte den 15. Rang, dann erst das Yamaha-Quartett um Miguel Oliveira, Alex Rins, Fabio Quartararo und Jack Miller. Am Ende des Klassements landeten die Testfahrer Takaaki Nakagami, Dani Pedrosa und Michele Pirro sowie LCR-Mann Somkiat Chantra.

Nicht im Misano-Test mischten Joan Mir und Ai Ogura mit. Mir klagte bereits am Freitag über starke Nackenschmerzen und verzichtete in weiterer Folge schon auf einen Start am Samstag, ehe er sein Glück am Sonntag im San-Marino-GP nochmal versuchte. Nach vier Kurven stürzte er allerdings erneut und entschied sich gemeinsam mit Honda daraufhin, den Montag auszulassen. Gleiches tat Ogura auf Anraten der MotoGP-Ärzte. Wie sein Trackhouse-Team am Montagvormittag bekanntgab, hatte sich Ogura bei seinem Sturz am Sonntag in Kurve zwölf einige Prellungen und Schürfwunden an der rechten Hand sowie am linken Fuß zugezogen, die ihn zur ungeplanten Auszeit zwangen.

Die Technik: Die größten Schlagzeilen schrieb am Montag natürlich Yamaha. Nach dem Wildcard-Einsatz mit Augusto Fernandez am vergangenen Wochenende durften nun auch die Stammfahrer auf dem neuen V4-Motorrad Platz nehmen. Quartararo hatte den gesamten Tag ein Bike zur Verfügung, Miller (Vormittags) und Rins (Nachmittags) teilten sich das zweite Bike. Oliveira blieb nur Elektronik-Testarbeit, da er 2026 bekanntlich nicht mehr zum Yamaha-Aufgebot gehören wird. Quartararos erster Eindruck vom V4 fiel derweil nicht gerade erfreulich aus. Mehr dazu hier:

Deutlich besser ist die Stimmung derzeit beim japanischen Erzrivalen. Honda machte zuletzt deutliche Fortschritte, scheint aber noch lange nicht genug zu haben. Das Werk aus Asaka präsentierte am Montag ein neues Aero-Paket an der Front des Motorrads. Johann Zarco kam außerdem erstmals in den Genuss des neuen Chassis, das die HRC-Werksfahrer bereits seit dem Ungarn-GP verwenden.

Von den drei europäischen Herstellern gab es am Montag derweil nur wenig zu berichten. Ducati, KTM und Aprilia beschränkten sich weitestgehend auf Feinarbeit mit dem bestehenden Paket. Einzig die Testfahrer Michele Pirro und Dani Pedrosa hatten einzelne neue Teile im Einsatz, die wohl für 2026 angedacht sind. Aprilia nutzte die Zeit derweil, um mit Jorge Martin Tests durchzuführen, für die während eines Rennwochenendes keine Zeit bleibt. Damit sich der verletzungsgeplagte Weltmeister noch wohler auf der RS-GP fühlt, wurde etwa an der Ergonomie geschuftet. Außerdem bemerkenswert: Pedro Acosta testete eine neue Kettenlösung von KTM, nachdem diese im Grand Prix gerissen war und ihn vorzeitig ausscheiden ließ.

Dani Pedrosa war mit einigen neuen KTM-Teilen für die Saison 2026 unterwegs, Foto: KTM Media
Dani Pedrosa war mit einigen neuen KTM-Teilen für die Saison 2026 unterwegs, Foto: KTM Media

Um endlich einen Weg aus der Krise zu finden, testete Francesco Bagnaia laut mehrerer Medienberichte mit einigen 2024er-Teilen. Eine offizielle Bestätigung dessen steht aber noch aus. Klar ist jedoch, dass der Italiener am Montag prominente Hilfe bekam. MotoGP-Legende Casey Stoner wurde mehrmals in seiner Garage gesichtet und soll einige Tipps gegeben haben. Das Gresini-Team experimentierte derweil mit der Elektronik, arbeitete etwa mit der neuen Stability-Control.

Casey Stoner stand dem Ducati-Team am Montag zur Seite, Foto: Motorsport-Magazin.com
Casey Stoner stand dem Ducati-Team am Montag zur Seite, Foto: Motorsport-Magazin.com

Stürze, Defekte & Zwischenfälle: Maverick Vinales musste seine Tech3-KTM etwa zur Halbzeit der Vormittagssession mit einem technischen Defekt am Streckenrand abstellen. Rund eine Stunde vor Testende erlitt auch Michele Pirro ein technisches Gebrechen an seiner Ducati und musste seine Maschine in Kurve acht von der Strecke fahren.

Kurz zuvor hatte Francesco Bagnaia für den ersten Sturz des Tages gesorgt. Der Italiener ging in Kurve eins zu Boden. Wenige Minuten vor Schluss erwischte es dann noch Ex-Titelrivale Jorge Martin, er stürzte in Kurve acht. Beide Piloten blieben unverletzt.

Das Wetter: Der MotoGP-Testtag in Misano knüpfte nahtlos an das zurückliegende Rennwochenende an. Auch der Montag verwöhnte die Stars der Königsklasse mit einem über weite Strecken nahezu wolkenlosen Himmel und viel Sonnenschein. Beste Testbedingungen also. Im Verlauf des Tages kletterten die Temperaturen auf bis zu 27 Grad Luft- und 35 Grad Asphalttemperatur, erst gegen Abend kühlte es nochmal dezent ab.