McLaren hat es wieder getan: In der Vergangenheit bewies das Formel 1-Team aus Woking mehrfach, dass es mit gezielten Updates zurückschlagen kann. Dennoch kam die Sprint-Pole von Lando Norris in Miami überraschend. Mit einer Fabelzeit von 1:27,869 Minuten setzte der Brite ein dickes Ausrufezeichen – bislang war er weder im Sprint noch im Rennen besser als Vierter.

Tatsächlich musste Lando Norris kurz um die Pole zittern, denn direkt nach dem Sprint-Qualifying ging es für ihn zu den Stewards. Ihm wurde vorgeworfen gegen Artikel B1.8.5 und Artikel 12.2.1.i verstoßen zu haben, sprich er soll unnötig langsam gefahren sein und damit gegen die Notizen des Renndirektors, Dokument 16 - SC1-Zeiten, verstoßen haben. Darin heißt es: "Um sicherzugehen, dass die Autos während oder nach dem Sprint-Qualifying, Qualifying oder Sichtungsrunden nicht unnötig langsam fahren, müssen die Fahrer unter einer Zeit von 1:48 bleiben."

Nach über zwei Stunden stand schließlich fest: Norris behält die Pole. "Ein perfektes Ergebnis und eine schöne Belohnung für die Jungs und Mädels in der Fabrik, die so viel Arbeit investiert haben", freute sich Norris nach der Session.

Norris in Miami: Endlich wieder Grip

Das Bemerkenswerte: McLaren hat in Miami erst den ersten Teil eines zweistufigen Pakets im Gepäck; die restlichen Komponenten sollen in Kanada folgen. Die Änderungen am MCL40 sind subtil, aber effektiv. Die Motorabdeckung und die Lufteinlässe der Seitenkästen wurden optimiert, jedoch nicht radikal verändert. Der eigentliche Blickfang ist das neue "Floor Board“ - das markante Leitelement am vorderen Unterboden neben dem Cockpit. Zudem wurden die Hinterbrems-Verkleidungen sowie der Heckflügel angepasst.

"Wir wussten, dass die Updates ein guter Schritt sein würden. Das hat sich bestätigt. Ich habe mich von der ersten Runde an wohlgefühlt", schwärmte Norris. Besonders das verbesserte Grip-Niveau am Heck hob der Brite hervor. Trotzdem war er etwas überrascht von dem Abstand zu Mercedes und Ferrari. "In FP1 war es zwischen den Top-4 ziemlich eng. Es machte fast den Eindruck wie im letzten Jahr, dass jeder – Mercedes, Ferrari, Red Bull und wir – vorne sein könnte. Wir scheinen aber einen guten Schritt zum Qualifying hin gemacht zu haben", so Norris.

Update-Schlacht in Miami! Stürzen Ferrari & McLaren Mercedes? (21:08 Min.)

Mercedes nicht mehr die Benchmark?

Auch Teamkollege Oscar Piastri zeigte sich von der starken Pace des MCL40 ein wenig überrascht. "Charles hat in allen Sessions stark ausgesehen. Ferrari war dieses Jahr immer vorne dabei, daher war es keine Überraschung. Aber wir hatten erwartet, dass Mercedes weiterhin die Benchmark ist. Aber warten wir mal ab, Das Potential ist da, unser Ergebnis war keine Glückssache", erklärte der Australier. Trotzdem bleibt man bei McLaren auf dem Boden. "Es ist erst der Anfang des Wochenendes. Der Weg ist noch weit", betonte Norris.

Ein direkter Vergleich der Rundenzeiten gestaltet sich aufgrund des unterschiedlichen Energiemanagements der Teams schwierig. Dennoch kristallisieren sich klare Tendenzen heraus: McLarens Stärke liegt in den langsamen Passagen, während das Auto in schnellen Kurven im Vergleich zu Mercedes Federn lässt.

Interessant ist zudem der Topspeed-Vergleich. Mercedes schlägt hier eine deutlich andere Richtung ein als die direkte Konkurrenz:

McLarens Technikdirektor Neil Houldey zeigte sich angesichts der Startplätze eins und drei auf jeden Fall hochzufrieden: "Das ist ein starker Schritt nach vorne. Die Pace ist ermutigend und die Ausführung war hervorragend." Andrea Stella versuchte derweil, die Euphorie zu bremsen. Er hat nicht nur Mercedes weiterhin auf der Rechnung, sondern auch Ferrari und Red Bull. "Mercedes war auf den Soft-Reifen sehr nah dran. Wir sollten hier und in den kommenden Rennen großartiges Racing sehen."