Technik-Updates während einer MotoGP-Saison sind mittlerweile üblich. Dass diese aber von offizieller Seite kommen, ist doch eher ungewöhnlich. In Spielberg ist aber genau das der Fall. Die vom Reglement vorgeschriebene Einheitselektronik (kurz ECU) erhält einen neuen 'Stabilitätsmodus'. Was für die Sicherheit gedacht war, lässt vor allem die Piloten eines Herstellers hoffen.

Neuer Stabilitätsmodus: MotoGP-Fahrer sehen keinen großen Unterschied

Worum handelt es sich beim Stabilitätsmodus? Die Fahrer hatten diese neue Elektronikeinstellung bereits bei den bisherigen Testfahrten des Jahres ausprobieren können. Nun wird er auch für die Rennen freigegeben. "Es ist interessant, denn du kannst damit das Rutschen verhindern. Es funktioniert anders als eine Traktionskontrolle. In Schräglage kann es dir helfen, das Motorrad ohne zu viel Rutschen einzulenken", erklärt Honda-Pilot Luca Marini.

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Das System soll durch sein Eingreifen also nicht durchdrehende Hinterräder verhindern, sondern das seitliche Rutschen der Reifen in Schräglage während der Kurvenfahrt. Wie das genau funktioniert, wussten die Fahrer selbst nicht zu erklären. Immerhin konnten sie aber beschreiben, wie es sich anfühlt. Die Erwartungshaltung blieb bescheiden. "Es war besser in ein paar Kurven. Es fühlte sich einfach an, als hättest du das Elektronik-Setup verändert. Wie ein großer Unterschied hat es sich aber nicht angefühlt", meinte etwa Franco Morbidelli.

"An manchen Stellen hilft das ein bisschen, aber es ist nichts Weltbewegendes", stimmt auch Brad Binder ein. "Es greift nur ein, wenn du es wirklich überfährst", meint der Südafrikaner. Einen Vorteil sieht er höchstens in einem Aspekt: "Vielleicht hilft es ein wenig, den Reifen zu schonen. Besser als nichts." Auch Marini erwartete sich nicht viel: "Es ist eine Hilfe für den Fahrer, aber leider macht es nicht den Unterschied in der Rundenzeit aus."

Elektronik-Schlusslicht Yamaha: "Kann unsere Probleme übertünchen"

Hört sich also nicht nach einer großen Sache an, wären da nicht die Fahrer eines Herstellers aus der Reihe getanzt: Yamaha. Bei den Piloten der M1 war Optimismus zu verspüren. "Es erscheint mir positiv, denn es erhöht die Kontrolle über die Flanke und das Durchdrehen der Räder", meint Jack Miller. Genau über das seitliche Rutschen am Heck (auf Englisch 'Slide') wurde sich im Hause Yamaha seit Saisonbeginn stetig beschwert.

Jack Miller (Prima Pramac Yamaha Moto GP)
Die Yamaha liegt im Bereich Elektronik zurück, Foto: Tobias Linke

Starpilot Fabio Quartararo war angesichts des Software-Updates fast schon euphorisch: "Das ist positiv. Ich habe das vor einigen Monaten in Misano getestet. Das lief wirklich gut für uns, denn wir wissen, dass wir auf Seiten der Elektronik im Vergleich zu den anderen hinterherhinken. Das wird eine zusätzliche Hilfe für uns sein. Es ist also ziemlich wichtig für uns."

Aus Sicherheitsinitiative wird ein Yamaha-Update?

"Für uns wird es sicher besser sein. Vielleicht gilt das auch für die anderen und die Lücke nach vorne bleibt gleich. Aber ich glaube bei der Elektronik sind wir schlechter als die anderen. Es ist etwas, was unsere Probleme etwas übertünchen kann", führte der Franzose weiter aus. Im Endeffekt werfen diese Aussagen kein gutes Licht auf seinen Arbeitgeber. Was die anderen Hersteller selbst mit ihrem eigenen Elektronik-Setup größtenteils im Griff haben, muss bei Yamaha die neue Einheitselektronik leisten.

Somit könnte das Software-Update an seiner Zielsetzung vorbeischrammen. Natürlich treibt die MotoGP ein solches System nicht voran, um dezidiert Yamaha zu unterstützen. Vielmehr werden solche Regeländerungen während der Saison unter dem Argument der Sicherheit eingeführt. Doch genau was diese angeht, sehen die Piloten keinerlei Effekt. Quartararo meint daher vielsagend: "Bringt es etwas in Sachen Sicherheit? Nein! Aber um schneller zu sein? Ja! Wenn wir damit schneller sein können und näher an die anderen rücken können, dann nehme ich alles, was ich bekommen kann."

Marc Marquez nicht begeistert: Fahrer soll den Unterschied machen!

Marc Marquez (Ducati Lenovo Team)
Marc Marquez will keine Fahrhilfen für die Piloten, Foto: Tobias Linke

Was Quartararo erfreute, ist für Dominator Marc Marquez eine schlechte Entwicklung. Er sieht es nicht gern, wenn den Piloten von der Technik unter die Arme gegriffen wird: "Für mich ist es klar: Je mehr solcher Dinge, in diesem Fall die Elektronik, am Motorrad eingeführt werden, desto weniger Unterschied kann der Fahrer machen." Er findet klare Worte. "Du stößt an die Grenze der Kontrolle und das Motorrad macht alles für dich. Als Fahrer gefällt mir das nicht. Und ob das jetzt sicherer ist, oder nicht? Da wird am Ende jeder Hersteller eine andere Meinung vertreten…"

Was meint ihr? Hat Marc Marquez recht oder sollte an Elektronik im Sinne der Sicherheit weitergearbeitet werden?