Trotz eines enttäuschenden Brasilien-Grand-Prix legte Pedro Acosta als WM-Dritter einen guten Start in die MotoGP-Saison 2026 hin. Dieser ist umso bemerkenswerter, weil die einstige Stärke seiner KTM verloren gegangen ist. Die Waffe im Zweikampf wurde abgestumpft.

KTM verliert Topspeed-Vorteil trotz eingefrorener Motorenentwicklung

"Auf der Bremse sind wir in Ordnung. Unsere größte Schwäche ist derzeit, wie langsam wir auf den Geraden sind", erklärt Acosta, aktuell schwierige Zweikämpfe in Sprint und Rennen zu erleben. Aber Moment mal: KTM schwach auf der Geraden? Motorleistung galt doch stets als die große Stärke der Mattighofener. Und daran dürfte sich aufgrund der vorgeschriebenen Sparmaßnahmen im Zuge der Entwicklung der kommenden 850er-Aggregate eigentlich auch nichts geändert haben. Die Motorenentwicklung ist nur noch im Rang 'D' der Concessions erlaubt. Aktuell darf dies also nur Yamaha.

Pedro Acosta hat im Zweikampf mit der Spitze Nachteile, Foto: KTM Media
Pedro Acosta hat im Zweikampf mit der Spitze Nachteile, Foto: KTM Media

"Die Motorenentwicklung einzufrieren war eine Hilfe für alle, aber trotzdem ist unsere Stärke auf der Geraden weg. Die anderen Hersteller haben daran gearbeitet. Ducati ist immer noch an der Spitze [der Topspeed-Tabelle, Anm. d. Red.] und Aprilia hat einen verrückten Fortschritt erzielt", stellt Acosta trotzdem fest. Wie kann es sein, dass die KTMs nun auf den Geraden schwächeln?

Gute Topspeed-Werte in Austin täuschen: Nur Windschatten macht KTM schnell

Der Blick auf die Topspeed-Werte aus Austin erweckt erstmal einen anderen Verdacht. Nicht KTM scheint demnach ein Problem zu haben, sondern nur Pedro Acosta. Enea Bastianini lag im Sprint und Grand Prix jeweils auf Rang zwei der Tabelle, nur hinter Marc Marquez. Auch Brad Binder rangierte jeweils im Vorderfeld. Beide erreichten deutlich höhere Werte als der Spanier, der als vorletzter (Sprint) und drittletzter (Grand Prix) der Tabelle bis zu 10 km/h auf seine Markenkollegen verlor. Acosta kam in der Spitze auf 342,4 Stundenkilometer, während Bastianini sogar 352,7 km/h erreichte.

Bastianini wurde im Windschatten schnell, Foto: Ducati Media
Bastianini wurde im Windschatten schnell, Foto: Ducati Media

Doch dieser Schein trügt. Es sollte beachtet werden, dass Acosta beide Rennen im Prinzip allein fahrend absolvierte, während seine Kollegen in Zweikämpfen Windschatten auf der langen Gegengeraden erhielten. Tatsächlich scheint dieser Umstand die Erklärung für die deutlichen Unterschiede zu sein, denn in Thailand und Brasilien bewegten sich die RC16s wesentlich geschlossener - und zwar im Mittelfeld der Topspeed-Tabelle.

KTM sucht Rundenzeit, und erhöht den Luftwiderstand

Deswegen kommt es nicht überraschend, dass auch Binder das Problem bemerkt hat. Wenn es nicht der Motor sein kann, so bleibt nur der andere große Entwicklungsbereich übrig. Der Südafrikaner vermutet genau das: "Wir haben eine komplette Änderung am Aero-Paket vorgenommen, damit das Bike besser einlenkt. Es bremst besser und liegt generell besser in der Kurve. Die Leistungsfähigkeit ist besser, aber irgendwie müssen wir dabei den Luftwiderstand erhöht haben. Bei den Spitzengeschwindigkeiten wird es dadurch definitiv schwieriger als in den vorherigen Saisonen. Es ist nicht grauenhaft, aber wir hängen sicher ein wenig hinterher."

Tatsächlich ist KTM in Sachen reiner Rundenzeit besser als zuvor. Pedro Acosta belegt Rang drei in der Fahrerwertung und auch Enea Bastianini konnte zuletzt vorne mitmischen. Der Preis sind für Binder größere Schwierigkeiten im Zweikampf: "Wir haben immer ein bisschen Zeit auf den Geraden gutgemacht, das war eine unserer Stärken. Das verloren zu haben, macht das Rennen komplizierter. Du musst eine bessere Linie wählen, um deine Überholmanöver zu setzen."

KTMs Aerodynamik erzeugt mehr Luftwiderstand, Foto: KTM Media
KTMs Aerodynamik erzeugt mehr Luftwiderstand, Foto: KTM Media

Brad Binder zahlt Topspeed-Preis gern, Pedro Acosta sieht es kritischer

Obwohl Brad Binder sich bisher stets in solchen Kampfgruppen befand, verteidigt er das Vorgehen bei KTM: "Wir lenken besser ein, bremsen besser mit der Front und haben viel weniger Untersteuern als in den Jahren zuvor. Insgesamt denke ich also, dass es die Vorteile im Vergleich zu dem bisschen Topspeed-Verlust sicher wert waren." Pedro Acosta stimmt da nicht vollständig zu. "Es ist jetzt eine Frage eines guten Qualifyings in den ersten zwei Reihen und eines guten Starts in die erste Kurve. Wenn du das nicht schaffst, dann wird es hart", mahnt der 'Hai' an. Bisher ist ihm diese Aufgabenstellung aber in der Saison 2026 gut gelungen.

Der von Pedro Acosta angesprochene gewaltige Fortschritt von Aprilia beim Topspeed basiert auch auf dem Einsatz eines alten Formel-1-Tricks. Hier erklären wir euch den 'F-Schacht' der RS-GP:

Aprilia kopiert F1-Trick: Was bringt der F-Duct in der MotoGP? (09:26 Min.)