Miserable Leistungen in den ersten beiden Rennen und dann gleich am Freitag der Rückzug von Maverick Vinales, der mittlerweile erfolgreich operiert wurde: Das MotoGP-Wochenende in Austin drohte zur nächsten Katastrophe für das Team von Tech3 zu werden. Doch es kam völlig anders: Nur mit einem Fahrer am Start holten sie mehr als dreimal so viele Punkte wie zuvor und kämpften sogar mit Weltmeister Marc Marquez. Wie war das möglich? Enea Bastianini weiß es selbst nicht.
Nicht nur der Airbag platzt: Enea Bastianini aus dem Nichts vorn dabei
Bisher galt KTM in der Saison 2026 als Ein-Mann-Projekt. Es war kein Wunder, dass Pedro Acosta vor dem US-Grand-Prix seine Markenkollegen kritisierte. Diese waren in Thailand und Brasilien weit hinter ihm gelegen, phasenweise sogar im Nirgendwo. In Austin erwachte dann aber 'La Bestia' zum Leben. Dank Acostas Reifendruckstrafe erbte der Italiener im Sprint sogar das Podium und auch im Rennen holte er sich immerhin Rang sechs. Mehr zum ereignisreichen Sonntag gibt es in unserem Video aus Austin:
Diese Platzierung im Grand Prix war aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum Einen lief beim Start so Einiges schief. "Ich habe in Kurve 3 das Heck verloren und einige Positionen verloren. Dann gab es einen Kontakt mit Johann [Zarco] und mein Airbag ging auf. Eine halbe Runde lang war es da sehr schwierig, so zu fahren", berichtete der einzig verbliebene Tech3-Fahrer. Zumindest blieb seine Lederkombi nicht dauerhaft aufgepumpt: "Ja, die Luft ging wieder raus. Aber das passiert natürlich nicht sofort, sondern du musst ein wenig abwarten."
Heißes MotoGP-Duell mit Marc Marquez: "Bin nicht mehr anonym!"
Zum Glück war nur aus dem Airbag die Luft raus: "Danach fand ich meine Pace und habe die Lücke zu den Fahrern vor mir Runde für Runde zugefahren." Das führte zu einem Highlight für die Fans. Dass Bastianini rundenlang mit dem Weltmeister auf dessen Paradestrecke intensiv kämpfen würde, hätte er sich vorher wohl auch kaum vorstellen können: "Am Ende gab es dann den Kampf mit Marc [Marquez]. Das war hart. Er hat sehr gepusht, besonders in den letzten drei Runden. An ihm dranzubleiben, ist nicht einfach. Ich wollte viel näher in Kurve 11 [Ausgang auf die lange Gegengerade, Anm. d. Red.] dran sein, damit ich ein Überholmanöver in Kurve 12 versuchen kann. Aber es reichte nicht, es fehlte mir ein wenig die Beschleunigung dafür."
Auf der Ziellinie lag er dann eineinhalb Zehntel hinter der Nummer 93. Das änderte aber nichts am positiven Fazit: "Wir waren konkurrenzfähig, besonders auf der Bremse. Ich darf mit diesem Wochenende zufrieden sein. Ich habe nur im Qualifying wieder einen Fehler gemacht, das hat mir das Rennen erschwert. Dennoch ist es auf jeden Fall gut, wieder an der Spitze mitkämpfen zu können." Das Ausmaß seiner Erleichterung nach schwachem Saisonauftakt drückte der 28-Jährige so aus: "Ich bin jetzt wieder Enea Bastianini und nicht anonym."

Pedro Acosta hofft auf Setup-Hilfe: Ein Trugschluss?
Diese Wiedergeburt ist auch wichtig für Pedro Acosta und das KTM-Werksteam. Der 'Hai' sucht dringend nach Unterstützung. "Ich freue mich sehr für ihn und das Werk. Wir brauchen mehr Leute [an der Spitze, Anm. d. Red], damit wir mein Bike mit seinem vergleichen können, um zu verstehen, welche Richtung [beim Setup, Anm. d. Red] wir einschlagen sollen. Das ist gut für uns alle", zeigte sich auch der Spanier auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com zufrieden mit Bastianinis Leistung.
Nur muss die Hoffnung auf Setup-Erkenntnisse mit einem Sternchen versehen werden. Denn Bastianini kann nicht sagen, warum er plötzlich so durchstartete: "Ehrlicherweise bleibt es schwierig für mich, zu erklären, warum es nun so kam." Mehrere Gründe wurden von den Pressevertretern in seiner Medienrunde spekuliert: In Austin gab es wieder 'normale' Reifen anstatt der verstärkten Michelins der Hitzerennen in Buriram und Goiania. Das Layout war klar anders, vor allem bremslastiger. Dazu kamen weitere Setup-Änderungen, deren Details der Italiener aber nicht verraten wollte. Letztlich konnte die Nummer 23 jedoch keine klare Antwort geben.
Austin nur ein Glückstreffer? Enea Bastianini traut sich keine Prognose für Europa-Rennen zu
Dass er mit dem Setup neue Wege gehen wolle, hatte er aber bereits am Donnerstag vor dem Wochenende angekündigt. Diese schienen ins Schwarze getroffen zu haben: "Es war von Beginn an besser, von der ersten Runde an." Gleichzeitig gab er aber auch zu, dass dies nicht unbedingt auf besseres Verständnis des Motorrads hindeutet: "Wenn wir gut beginnen, dann bleiben wir auf Kurs. Wenn wir am unteren Ende der Zeitentabelle liegen, dann ist es schwierig noch irgendwas zu finden."

War Austin also nur eine Art 'Glückstreffer'? Bei 'La Bestias' Aussagen könnte dieser Eindruck gewonnen werden, denn seine Prognose für die kommenden Auftritte klingen nicht gerade überzeugt: "Wir müssen es analysieren. Ich weiß es nicht, denn es ist uns bisher nur an diesem einen Wochenende gelungen. Ich kann nicht sagen, wie es in den Europa-Rennen aussehen wird. Normalerweise ist es dort komplizierter, weil die Abstände geringer sind." Zumindest wurde eines definitiv bewiesen: Auf dieser KTM kann auch ein Fahrer schnell sein, der nicht Pedro Acosta heißt. Nur gilt es das nun regelmäßiger zu wiederholen.
Neben der Unterstützung durch die anderen KTM-Piloten hofft Pedro Acosta aber auch auf Nachschub aus der Fabrik in Mattighofen. Mehr dazu hier:



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