Von der überraschenden WM-Führung in die Misere. Während Spitzenpilot Pedro Acosta beim letzten MotoGP-Rennen in Brasilien noch halbwegs Schadensbegrenzung betrieb, fuhren seine KTM-Kollegen gnadenlos hinterher. Im Qualifying belegten sie sogar geschlossen die letzten drei Ränge. Für Speerspitze Acosta ist das ein großes Problem, denn die Konkurrenz profitiert immens von kollektiver Stärke.
Pedro Acosta lässt Kritik an KTM-Kollegen durchblicken: Mit mehr Bikes vorn hast du mehr Möglichkeiten
"Der Topspeed ist nicht mehr unsere Stärke wie in der Vergangenheit. Ich bin trotzdem recht optimistisch, weil das Bike in den Kurven besser als letztes Jahr funktioniert. Außerdem glaube ich, dass die Reifen uns helfen werden, den Front-Grip zu finden, den wir im letzten Grand Prix nicht hatten. Es kann ein gutes Wochenende werden", war Acosta vor dem Rennen in Austin zunächst noch positiv gestimmt.

Das änderte sich jedoch, als er auf den Brasilien GP von letzter Woche angesprochen wurde. "Das Problem in Brasilien war, dass wir über das gesamte Wochenende das Bike kein bisschen verbessert haben. Vom FP1 bis zum Rennen war unsere Leistungsfähigkeit mehr oder weniger dieselbe", gab der 'Hai' enttäuscht an. Zum Vergleich: Marco Bezzecchi arbeitete sich von Rang 20 im Training zum Sieger am Sonntag. Mehr dazu hier:
Im Gegensatz zu Acosta hatte er aber auch Hilfe: Der Italiener konnte sich an schnellen Aprilia-Kollegen orientieren. In diesem Fall war es vor allem Jorge Martin. Eine solche interne Vergleichsgröße hat der KTM-Mann derzeit nicht und das ließ er uns auch indirekt wissen: "Wenn du viele Bikes vorn dabei und viele Jungs auf gutem Level hast, dann ist es leichter, sich zu verbessern, denn du hast mehr Möglichkeiten." Gemeint ist damit sowohl Setup als auch Fahrweise. Das Studium der Daten der Markenkollegen gehört in der MotoGP mittlerweile fest dazu. Nur bei Acosta gibt es da kaum etwas zu lernen, wenn die anderen drei Fahrer allesamt viel langsamer sind.
Enea Bastianini auf Setup-Suche: Rennwochenende kompliziert mit zwei verschiedenen Bikes
Was sagen die drei anderen KTM-Piloten zu ihrer Lage? Teamkollege Brad Binder hofft einfach auf Besserung, gibt aber keinen genaueren Einblick. "Letzte Woche sahen wir nicht gut aus. Ich würde diesmal gern weiter oben in der Zeitentabelle auftauchen", lässt uns der Südafrikaner wissen. Bei Enea Bastianini sieht das ein bisschen anders aus. "Brasilien war ein neuer Grand Prix. Vom Freitag weg war es dort schwierig. Wir haben viel gelernt durch die Analyse des Rennens", meint der Italiener zunächst.

Doch dann lässt er durchblicken, wie schwierig sich die Suche nach dem richtigen Setup bei ihm derzeit gestaltet. Trotz fünf Tagen Testfahrten und zwei vollen Grand-Prix-Wochenenden wird in der Box von Tech3 immer noch experimentiert: "Wir werden morgen ein paar Lösungen testen. Momentan habe ich zwei verschiedene Motorräder. Eines hat das neue Chassis und eines das alte. Da ist es etwas kompliziert, zu arbeiten. Ich glaube aber, dass wir einen Kompromiss finden können."
Maverick Vinales weiter durch Schulter ausgebremst: Verliere viel in Linkskurven
Zu viele Experimente im Satellitenteam hatte KTM-Boss Pit Beirer vor allem Bastianinis Teamkollegen attestiert, doch beim letzten von Acostas möglichen Setup-Helfern ist der Grund für die Formschwäche wohl nicht technischer Natur. Maverick Vinales eröffnete, dass ihn seine Schulterverletzung vom Sachsenring letzten Jahres immer noch stark beeinträchtigt. "Ich habe viel über den Winter trainiert. Es fühlte sich auf Trainingsmotorrädern in Ordnung an, aber die MotoGP ist wie ein anderer Sport. Es hat sich in den letzten drei Rennen nichts verbessert. Ich werde mich nächste Woche untersuchen lassen, um zu sehen, was da los ist", gab der Austin-Sieger von 2024 an.

Der Hauptgrund für bisher erschreckend schwache Leistungen des MotoGP-Veteranen scheint also die linke Schulter. "Es ist offensichtlich, dass ich nicht auf meinem besten Level fahre. Das lässt sich auf den Daten einsehen: In den Rechtskurven bin ich auf dem Niveau, aber in den Linkskurven verliere ich sehr viel. Dafür kann es nur einen Grund geben", lässt Vinales selbst keinen Zweifel. Immerhin hofft er, dass es in Austin nicht ganz so schlimm wird: "Meine größten Probleme habe ich beim Richtungswechsel bei großer Geschwindigkeit. Hier sind die nicht ganz so schnell, es wird also wohl ein bisschen besser als in Goiania." Die nötige Unterstützung für Acosta wird er aber wohl weiterhin kaum sein.
Während KTM noch sucht, stellt sich an der Spitze ein Zweikampf ein. Aprilia fordert Branchenprimus Ducati heraus. Marc Marquez ließ vor dem Rennen in den USA aufhorchen:



diese MotoGP Nachricht