Andrea Kimi Antonelli reitet im Moment in der Formel 1 auf einer Welle des Erfolgs. Dabei legt er sich seit dem Saisonstart regelmäßig selbst Steine in den Weg, indem er einen schlechten Start nach dem anderen erwischt. Auch bei seinen drei Siegen in China, Japan und Miami verlor er nach der Pole Position jeweils die Führung am Start.

Formel-1-Experte Christian Danner erklärte im AvD Motorsport-Magazin, dass es aus seiner Sicht zwei Aspekte für diese Start-Misere des Italieners gibt. Einerseits die Technik und damit verbunden das Team, andererseits will er aber auch Antonelli selbst nicht von Schuld befreien.

Christian Danner: Das steckt hinter Kimi Antonellis Start-Fails (04:57 Min.)

Christian Danner: "Die ersten Starts waren 100-prozentige Fahrfehler"

Danner ist sich sicher: "Die ersten missratenen Starts waren 100-prozentige Fahrfehler. Da hat Kimi entweder die falsche Einstellung gewählt oder die Kupplung nicht richtig kommen lassen." Der ehemalige F1-Fahrer führt das auf die ungewohnte psychologische Situation zurück, in der sich der Youngster befindet, der in der Saison 2026 erstmals um Grand-Prix-Siege mitfährt. "Die [Fehler] sind natürlich darauf zurückzuführen, dass der junge Mann ganz da vorne in der ersten Reihe steht, und da ist der Druck groß."

Für die jüngsten misslungenen Starts lässt sich das allerdings nicht mehr als alleinige Erklärung vorschieben. Mercedes-Teamchef Toto Wolff gab nach Miami zu, dass "nicht alles an ihm" lag. "Heute und gestern war es ein Teamfehler", hatte der Österreicher nach dem Rennen gesagt und zwei mögliche Ursachen genannt. Einerseits die Kupplung, andererseits, dass möglicherweise die Grip-Berechnungen nicht der Realität entsprachen. Antonelli selbst war dennoch der Ansicht, dass er mindestens auch eine Teilschuld trage.

Danner glaubt den Aussagen des Mercedes-Teamchefs und geht auch davon aus, dass technisch etwas bei den Miami-Starts nicht rund lief. Der Motor an sich ist ja nur bedingt das Problem, denn die Mercedes-Kundenteams bekamen bisher die Formel-1-Starts in dieser Saison wesentlich besser hin als die WM-Führenden und erst recht als Antonelli.

Kupplung oder Grip-Berechnungen: Was verursacht Antonellis schlechte Starts?

Auch Danner hat die Kupplung im Verdacht, diese sei in der Königsklasse besonders "diffizil". Er erklärt: "In der modernen Formel 1 hat man dem Piloten eine Art Idiotensicherheit eingebaut. Das heißt, man berechnet ganz genau vorher, wie viel Drehzahl brauche ich und wie ist da mein Drehmoment an der Hinterachse."

Falls diese Berechnungen nicht stimmen, fischt der Fahrer natürlich im Dunkeln. "Wenn die Daten falsch sind oder man etwas Falsches einprogrammiert hat, dann kann selbst der Fahrer nichts mehr reparieren", so Danner. "Entweder war die Kupplung nicht 100-prozentig kalibriert oder nicht richtig eingestellt oder die Drehzahl war falsch. Das sind alle Dinge, die das Team auf sich nehmen kann", so der 36-fache Grand-Prix-Starter.

Formel-1-Starts früher weniger perfektionistisch

Zu seiner Zeit in den 1980er-Jahren sei die Technologie noch bei weitem nicht so perfektionistisch veranlagt gewesen: "Da musste man einfach selbst ungefähr wissen, wie es zu machen ist. Perfekt war das natürlich nie, aber man ist schon losgekommen."

Was Starts in der Formel 1 umso schwieriger macht, ist, dass die Boliden nicht über eine klassische Kupplung verfügen, wie man sie aus Straßenautos kennt. Stattdessen ist die Kupplung in einem Formel-1-Wagen ein Hebel am Lenkrad, bei dessen Betätigung bleibt das Grundprinzip aber vergleichbar, nur eben mitunter mit viel kleinerem Spielraum. "Der Unterschied kann bei einem Millimeter sein. Muss aber nicht, das kommt darauf an, wie das Ding eingestellt ist", klärt Danner auf. "Natürlich ist das auch ein bisschen Geschmackssache des Fahrers."

Schon in der Aprilpause hatte Antonelli viel Arbeit in seine Rennstarts gesteckt. Seiner Aussage nach hatte man dabei das grundlegende Problem entdeckt, nur eine Lösung dafür muss noch gefunden werden.